Kupfergeld auf dem Prüfstand

Kleingeld ade? Experte äußert sich zum Vielleicht-Ende der Centmünzen

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Wie lange gibt es das Kupfergeld noch?
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Verhältnismäßig hohe Material- und Herstellungskosten könnten das Aus für die 1- und 2-Cent-Stücke bedeuten. Bedenken kommen aus dem Handel.  

  • Diskussion: Sollen die 1- und 2-Cent-Münzen abgeschafft werden?
  • Hintergrund sind die unverhältnismäßig hohen Material-, Transport- und Herstellungskosten.
  • Erste EU-Staaten runden bereits auf 5-Cent auf oder ab. Bedenken gibt es im Handel.

Weg mit den 1- und 2-Cent-Münzen?: Soll jetzt gerundet werden?

Klein, teuer und im Alltag oft lästig - die kleinen 1- und 2-Cent-Münzen stehen wieder auf dem Prüfstand. Schon am Mittwoch will die EU-Kommission einen Vorschlag für "einheitliches Runden" vorstellen. Ziel: Die 1- und 2-Cent-Münzen langsam aus dem Verkehr ziehen. Bedenken an der Reform äußert der Handel. Grund: Die vielen98 und 99-Preis-Produkte in den Regalen der Kaufhäuser - nach wie vor eine beliebte Marketing-Masche.

Doch genau an dieser Stelle würde eine mögliche Reform ansetzen. Preise müssten nach einer festen Regelung entweder auf- oder abgerundet werden. Bei den europäischen Nachbarn wird teilweise schon fleißig auf 5 Cent auf- oder abgerundet. Vorreiter sind hier neben Finnland, Irland und Belgien auch die Niederlanden.

Weg mit den 1- und 2-Cent-Münzen?: Hohe Material, Transport- und Herstellungskosten

Auslöser für die Debatte sind wirtschaftliche Gründe, wie Joachim Schmutz von der Kreissparkasse Heilbronn erklärt. Hohe Material- und Herstellungskosten, die "in keinem Verhältnis zum eigentlichen Wert der Münzen stehen". Teuer ist zudem der nationale und internationale Transport, der heute meist von externen Dienstleistern übernommen wird. 

Allein die zurückgelegte Wegstrecke der kleinen Kupferstücke übersteigt deren eigentlichen Wert um ein vielfaches. Steigende Preise durch die Rundung und eine Abnahme der Kaufkraft sind die eigentlichen Bedenken aus dem Handel. Auch aus diesem Grund sind Kleingeld aus Sicht der Kreissparkasse Heilbronn sicher "nicht überflüssig".

Weg mit den 1- und 2-Cent-Münzen?: Die Technik kommt 

In Zeiten elektronischer Zahlungsmethoden wird Bargeld mehr und mehr überflüssig. Große Handelskonzerne wie Lidl werben bei Kartenzahlung mittlerweile schon mit Slogans wie "Kleinbeträge willkommen", gleichzeitig wird der elektronische Bezahlvorgang immer einfacher. Schmutz: "Zwar werden mittlerweile fast 40 Prozent des Umsatzes im Einzelhandel bargeldlos bezahlt, trotzdem sind die Abhebungen am Geldautomaten nur leicht zurückgegangen." Die Heilbronner Sparkasse hatte im Jahr 2018 25 Standorte geschlossen oder diese in Selbstbedienungsläden umgewandelt, da immer weniger Menschen zum Berater an der Schalter gehen.

Schwerer Geldbeutel oder bezahlen via Karte oder Smartphone - letztlich muss jeder selber entscheiden, wie und womit er bezahlen möchte. Die Befürchtung, dass innerhalb kürzester Zeit das Bargeld verschwinden könnte, ist zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht berechtigt.

Für all diejenigen, die schon jetzt auf die vielen Münzen im Portemonnaie verzichten wollen, gibt es bei einzelnen Handelsketten Aktionen wie "aufrunden bitte". Meist wird der zu zahlende Betrag dann auf den nächsthöheren 10-Cent-Betrag aufgerundet. Die Differenz zum Kaufbetrag kommt dabei meist sozialen Projekten zugute. 

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