Jeder kann dazu beitragen, dass Menschen nicht auf die schiefe Bahn geraten

Anwalt redet Klartext: Aus diesem Grund werden Menschen zu Verbrechern

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Wenn Kinder in gewalttätigen Familien aufwachsen, kommt es nicht selten vor, dass sie auf die schiefe Bahn geraten.
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Personen einfach als Monster zu verurteilen, ist viel zu einfach.

+++Update 18. Oktober+++ Anwalt redet Klartext: Aus diesem Grund werden Menschen zu Verbrechern

Manche Menschen haben das Glück in einer herzlichen Familie groß zu werden. Zumindest die Kindheit ist dann voller Liebe. Und andere erleben während ihres Aufwachsens nichts als Suff, Gewalt und Demütigung im Elternhaus. Klar: Nicht jeder, der ein hartes Leben hat und eine schwere Kindheit ertragen musste, wird zum Verbrecher. Aber: Letztendlich gehen weder eine Bilderbuch-Erziehung noch ein prügelnder Vater und eine drogensüchtige Mutter spurlos an der Entwicklung eines Menschen vorüber. Erst recht bei jungen Menschen im Entwicklungsstadium.

Strafverteidiger Günther Silcher aus Flein bei Heilbronn betreut bis zu 20 Fälle parallel – und hat daher Einblicke in die Biographien von Menschen, die straffällig werden. Von Diebstahl über Betrug bis hin zum Mord. Silcher erklärt: "Ich erlebe immer wieder, dass die Kindheit einen Menschen sehr geprägt hat. Wenn jemand in gesitteten Verhältnissen in einer Millionärsfamilie aufwächst, heißt das zwar nicht, dass diese Person nicht kriminell wird. Aber wenn das Gegenteil der Fall und Gewalt im Spiel ist, geraten die Personen nicht selten auf die schiefe Bahn."

Heilbronner Anwalt: "Menschen sind keine Monster!"

Denn: Eltern sind für Kinder Vorbilder. Und wenn sie lernen, dass Konflikte nicht mit Diskussionen, sondern mit Gewalt gelöst werden, ist es denkbar, dass sie sich diese Verhaltensweisen aneignen. Zum Schaden von sich selbst und anderen. Aber der 87-Jährige Fachanwalt für Strafrecht aus dem Landkreis Heilbronn betont: "Menschen sind keine Monster! Meist ist es ein Punkt oder auch mehrere, die dazu führen, dass ein Mensch anderen Leid antut."

Für Silcher, der seine Mandanten regelmäßig vor dem Heilbronner Land- und dem Heilbronner Amtsgericht verteidigt, ist diese Schlussfolgerung ein klarer Aufruf an jeden Einzelnen, sich über das eigene Handeln bewusst zu werden. Silcher: "Wenn jeder Verantwortung übernimmt und seinen Gegenüber mit Respekt behandelt, kann das schon viel späteres Leid verhindern." Denn wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch wieder heraus. Ob man will oder nicht.

+++Ursprungsartikel 28. September+++ Experte erklärt: Dieses Verbrechen reißt die Region in den Abgrund

Es beginnt alles ganz harmlos. Mit einem Zug am Joint. Oder einer Pille im Club. Und am Ende kann es Menschenleben vernichten – und zwar nicht nur das eigene.

Wer in eine Drogenabhängigkeit gerät, steht unter enormem Druck, sich ständig neuen Stoff beschaffen zu müssen. "Dieses Verlangen ist offenbar derart heftig, dass die Hemmungen komplett fallen", erklärt Günther Silcher, Strafverteidiger aus Flein und regelmäßig am Heilbronner Land- und Amtsgericht tätig.

Heilbronn: Drogen werden in der Region immer mehr zum Problem

Der Jurist: "Durch Drogen entsteht in der Region Heilbronn eine ganze Menge Leid. Süchtige ordnen alles ihrer Abhängigkeit unter. Zunächst leihen sie sich Geld in ihrem Umfeld. Bald können sie ihre Schulden nicht bezahlen und beklauen ihre Freunde und Verwandten." Dann geht es oft weiter mit Taschendiebstählen – und anschließend folgen als nächste Stufe die Raubüberfälle. Silcher: "Und manche schrecken irgendwann auch nicht mehr vor Mord zurück, um an Geld für ihren Stoff zu kommen."

Anwalt Günther Silcher wohnt in Flein und ist regelmäßig am Landgericht in Heilbronn tätig.

In den vergangenen Jahren hat Günther Silcher beobachtet, dass vor allem Drogendelikte in Heilbronn und der Region immer mehr zugenommen haben. Er erklärt: "Drogenhandel ist natürlich verboten. Das Schlimme ist aber vor allem der Rattenschwanz, der sich daran anschließt. Denn Drogen können eine ganze Kette an Straftaten auslösen, die dann unbeteiligte Dritte in den Abgrund stürzen." Und gerade das sei in den zurückliegenden Jahren in Heilbronn und der Region immer mehr zu beobachten.

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