Der Geschädigte erhält 15.000 Euro Schmerzensgeld

Öhringen: Urteil nach unglaublicher Gewalt-Orgie gefallen

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Der 36-jährige Gewalttäter wurde heute im Landgericht Heilbronn verurteilt.
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Er versuchte, sein Opfer anzuzünden, rammte ihm eine Haarbürste in den Mund und schlug ihm 30 Mal ins Gesicht.

Er könne sich an nichts mehr erinnern. Nicht mehr daran, dass er seinen 48-jährigen Trinkkumpanen am 2. Dezember in einer Öhringer Notunterkunft 30 Mal ins Gesicht geschlagen hat, ihm mit Gewalt und einer Gabel eine Tätowierung entfernen und ihn letztendlich auch noch verbrennen wollte sowie ihm mit Zigaretten Brandwunden zugefügt hat. Und auch nicht mehr daran, dass er ihm eine Haarbürste mit voller Wucht in den Mund gerammt hat.

Gewalt-Exzess in Öhringen: 3,3 Promille

In seiner Erinnerung fehlt ebenfalls, dass er mit seiner Misshandlung auch dann nicht aufgehört hat, als sein Opfer blutete und dessen Gesicht komplett geschwollen war. Angeblich war der 36-Jährige so betrunken, dass er einen Filmriss hatte. Der errechnete Pegel zur Tatzeit: 3,3 Promille!

Heute verurteilte das Landgericht Heilbronn den 36-jährigen Hartz IV-Empfänger wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von zehn Jahren und sechs Monaten. Außerdem wird der Verurteilte dazu verpflichtet, an das Opfer 15.000 Euro Schmerzensgeld zu bezahlen. Auch wenn dem verschuldeten 36-Jährigen nicht klar ist, wie er an diese Summe gelangen soll.

Schreckliche Gewalttat: Brutal und entsetzlich

Wie schon am ersten Verhandlungstag zeigt sich Vorsitzender Richter Roland Kleinschroth bei der Urteilsverkündung über die brutale Tat entsetzt: "Es fallt schwer, sich vorzustellen, dass ein Mensch zu so was in der Lage ist." Erst recht, weil während des Verfahrens weder Grund noch Motiv für die Misshandlungen feststellbar waren. Kleinschroth: "Der Alkohol hat sicher seinen Teil beigetragen. Letztendlich ist es aber immer noch der Mensch selbst, der die Tat begeht."

Obwohl die Qualen gegenüber dem flüchtig bekannten Saufkumpanen offenbar nicht geplant war, ist der Angeklagte wegen versuchten Mordes zu verurteilen. Das Mordmerkmal der Grausamkeit sei zweifellos erfüllt. Kleinschroth: "Wenn ein Mensch einen anderen derart misshandelt, dann kann er nur das Ziel haben, diesen auch zu töten."

Überleben des Opfers ein Wunder 

Trotz des Rauschzustands des 36-Jährigen hält das Gericht ihn nicht für komplett schuldunfähig. Schließlich sei der Täter teilweise planvoll vorgegangen, habe im Raum der Notunterkunft nach Werkzeugen für seine Grausamkeiten gesucht und die Gabel, die Bürste, ein Messer und Wodka im Rahmen der Qualen benutzt. Zudem habe er auf das Klopfen und die Ansprachen von Zeugen reagiert. Richter Kleinschroth betont allerdings: "Nüchtern hätten Sie lebenslänglich bekommen." Schließlich sei es ein Wunder, dass der geschädigte 48-Jährige die Nacht überlebt habe.

Gewalt-Täter: Permanente Alkohol-Probleme

Für den Angeklagten spricht, dass er sich kooperativ verhalten hat und er trotz seiner Erinnerungslücke davon ausgeht, dass die Zeugenaussagen gegen ihn der Wahrheit entsprechen. Er ist selbst fassungslos über sein brutales Handeln. Bei seinem Opfer hat er sich im Rahmen der Verhandlungen glaubwürdig entschuldigt. Seit vielen Jahren hat der Verurteilte Probleme mit Alkohol. Beziehungen und Arbeitsverhältnisse hat sein Suff schon zerstört. Damit soll nun Schluss sein: Im Rahmen der Haftstrafe verordnet ihm das Gericht eine Entziehungstherapie.

Doch egal, wie hoch das Strafmaß letztendlich ausgefallen wäre: An den Folgen des furchtbaren Gewalt-Exzesses hat das Opfer lebenslang zu leiden. Sowohl der Angeklagte, der das Strafmaß niedergeschlagen und betroffen entgegennimmt, als auch die Staatsanwaltschaft akzeptieren das Urteil. Somit ist es rechtskräftig.

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