Land mit 330-Millionen-Euro-Hilfsprogramm

Corona-Krise: Gute Nachrichten für Gastro-Szene in Baden-Württemberg

  • Daniel Hagmann
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Zwar haben die Gastro-Betriebe in Baden-Württemberg wieder geöffnet. Doch für viele Wirte lohnt sich die Arbeit wirtschaftlich kaum. Die Landesregierung hat nun ein neues Rettungspaket geschnürt.

  • Großteil der Gastro-Betriebe in Baden-Württemberg macht nach Öffnung weniger als die Hälfte des üblichen Umsatzes.
  • Für viele Wirte rechnet sich der Gastro-Betrieb derzeit wirtschaftlich nicht.
  • Landesregierung legt 330-Millionen-Euro-Hilfsprogramm auf.

Update 29. Juni: Auch wenn in diesen schönen Sommertagen so manche Gäste wieder ihr Lieblingslokal aufsuchen: Die Coronavirus-Krise in der Gastro-Szene ist noch lange nicht vorbei. Selbst, wenn eine mögliche zweite Welle von Covid-19 ausbleiben sollte. Viele Wirte können immer noch nicht wirtschaftlich arbeiten, da viele Veranstaltungen wie Geburtstage und Hochzeiten storniert wurden. Und der monatelange Einnahmeausfall im Frühjahr wiegt immer noch schwer. Doch nun hat das Land Baden-Württemberg gute Nachrichten: Mit einem eigenen 330-Millionen-Euro-Hilfsprogramm will die Landesregierung ein drohendes Lokalsterben verhindern.

Wie der DEHOGA-Verband Baden-Württemberg berichtet, erhalten Gastro-Betriebe, die einen Zahlungsengpass belegen können, den Zuschuss der Landesregierung. Das Gute daran: Die Wirte müssen diese Summe nicht zurückzahlen. Die Höhe der jeweiligen Fördersumme orientiert sich an der Zahl der Beschäftigten des Gastro-Betriebs sowie an der Höhe des finanziellen Engpasses. DEHOGA-Landesvorsitzender Fritz Engelhardt erklärt dazu: "Dieses Förderprogramm, für das unser DEHOGA-Landesverband massiv gekämpft hat, wird vielen Betrieben des Gastgewerbes helfen. Dass Baden-Württemberg als erstes Bundesland ein solches Programm auf den Weg bringt, ist ein starkes Signal an unsere Branche, für das wir sehr dankbar sind." Bereits ab dem kommenden Mittwoch können Wirte in Baden-Württemberg die Hilfe der Landesregierung beantragen, wie die dpa berichtet.

Die so genannte "Stabilisierungshilfe Corona" seitens des Landes Baden-Württemberg beinhaltet, dass ein Gastro-Betrieb einmalig bis zu 3.000 Euro für drei Monate sowie einmalig bis zu 2.000 Euro für jeden Vollzeit-Mitarbeiter für drei Monate erhält. Voraussetzung für die Unterstützung der jeweiligen Gastro-Betriebe in Baden-Württemberg ist, dass die finanziellen Engpässe der jeweiligen Betriebe durch die Coronavirus-Krise ausgelöst wurden.

Baden-Württemberg: Diese Folgen hat der Corona-Lockdown für die Gastronomie

Update 22. Juni: Was sich schon seit dem Coronavirus-Lockdown in Baden-Württemberg Ende März angedeutet hat, lässt sich nun auch in konkreten Zahlen festmachen: Die Folgen des Coronavirus treffen die Wirte KNÜPPELDICK. Zwar dürfen die Bars, Kneipen und Lokale im Südwesten seit einigen Wochen wieder Gäste empfangen, jedoch sind aufgrund der Abstands-Regelungen nicht dieselben Belegungen der Plätze möglich, wie die Wirte das gewohnt sind.

Guido Zöllick, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA Bundesverband), erklärt: "Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Gastgewerbe sind verheerend." Und das belegen auch die Erhebungen des Statistischen Bundesamts (Destatis),die DEHOGA nun herausgibt:

Coronavirus-Krise mit heftigen Folgen für die Gastronomie

  • Der Umsatz der Gastronomie sank im vergangenen April um 68,5 Prozent gegenüber demselben Zeitraum im Vorjahr. Am wenigsten betroffen waren dabei Betriebe, die im Lieferservice-Bereich aktiv sind oder Speisen zum Abholen anbieten.
  • Wirte von Kneipen und Bars, die ihr Geld vornehmlich mit Getränken verdienen, konnten vom Lieferservice kaum profitieren und hatten daher über mehrere Wochen keinerlei Einnahmen - trotz laufender Kosten wie etwa Miete.
  • Der Gesamtverlust der Gastronomie liegt laut DEHOGA in den Monaten März und April bundesweit bei zehn Milliarden Euro
  • Laut einer DEHOGA-Umfrage rechnen die Wirte im laufenden Juni mit einem Umsatzrückgang von 61 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
  • Die Betreiber von Clubs, Discos und Catering-Betrieben wissen noch immer nicht, wann sie ihren regulären Betrieb wieder aufnehmen können.

DEHOGA-Präsident Zöllick fordert daher rasche Überbrückungshilfen für die Gastro-Betriebe in der schweren Coronavirus-Krise. Schließlich wachse die Verzweiflung der Wirte von Tag zu Tag. Die Existenz Tausender Betriebe und Arbeitsplätze stehe auf dem Spiel.

Baden-Württemberg: Corona-Konjunkturpaket hat Folgen für die Gastronomie

Update 5. Juni: Es ist beschlossen: Ein 130-Milliarden-Euro-Rettungsschirm soll die Wirtschaft wieder ankurbeln - und die drohenden, schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Krise möglichst abfedern. Und das kann auch der Gastronomie in Baden-Württemberg einen entscheidenden Schub geben - und möglicherweise drohende Insolvenzen abwenden. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) Baden-Württemberg hat das Konjunkturpaket der Regierung für die Gastro-Szene im Land bewertet.

  • Sinkende Mehrwertsteuer: Zwischen dem 1. Juli und 31. Dezember 2020 sinkt der Mehrwertsteuersatz in Deutschland von 19 auf 16 Prozent und von sieben auf fünf Prozent. Vor allem Letzteres, der reduzierte Mehrwertsteuer-Satz, wirkt sich auf die Preise von Hotelübernachtungen und Speisen aus. Für Getränke gilt allerdings weiterhin der volle Steuersatz von dann 16 Prozent. Nach Ansicht des DEHOGA-Verbands Baden-Württemberg ist das ein positives Signal für den Konsum im Gesamten. Schließlich werden die Konsumenten allgemein entlastet, sodass das Geld dadurch möglicherweise wieder etwas lockerer sitzt. Allerdings erklärt der DEHOGA auch: "Die Diskussion darüber, ob und in welcher Form die Betriebe die Steuersenkung an die Verbraucher weitergeben, wird sich – nicht nur bezogen auf das Gastgewerbe, sondern in Bezug auf alle Konsumbranchen – nicht vermeiden lassen."
  • Hilfe für Unternehmen: Gerade auch für die Gastronomie gibt es von der Regierung finanzielle Überbrückungshilfen. Konkret bedeutet das, dass Betriebe, die in der Zeit von Juni bis August mit 50 bis 70 Prozent weniger Umsatz rechnen, einen Zuschuss von 50 Prozent erhalten. Betriebe mit einem Umsatzrückgang von mehr als 70 Prozent erhalten eine Fixkosten-Deckung von 80 Prozent. Um die Finanzspritze der Regierung zu erhalten, müssen die Betriebe nachweisen, dass sie im April und Mai dieses Jahres einen Umsatzrückgang von mindestens 60 Prozent im Vergleich zu denselben Monaten im Vorjahr hatten. Die Maximalsumme, die ein Unternehmen im Laufe der drei Monate erhalten kann, beträgt 150.000 Euro.

Der DEHOGA-Verband Baden-Württemberg kritisiert allerdings: "Bei aller Freude darüber, dass nun endlich ein Programm beschlossen wurde, ist aus Sicht der Branche leider festzustellen: Das Förderprogramm des Bundes weist erhebliche Schwächen und Förderlücken auf – unterm Strich ist es nicht ausreichend." Vor allem sei der Förderzeitraum bis August wesentlich zu kurz. Schließlich werden die Folgen der Coronavirus-Krise mindestens noch bis Ende 2020, wahrscheinlich auch bis weit in das kommende Jahr hinein spürbar sein. 

Gebeutelt seien auch Betriebe, deren Umsatzverlust weniger als 50 Prozent beträgt. Denn diese Gastronomie-Betriebe erhalten keine finanzielle Unterstützung. Der DEHOGA-Verband Baden-Württemberg: "Bei gastgewerblichen Betrieben erst ab 70 bis 80 Prozent des 'Normalumsatzes' das Erreichen der Gewinnschwelle, also eine wirtschaftliche Betriebsführung, möglich."

Coronavirus in Baden-Württemberg: Gastronomie mit großen Umsatzrückgängen

Erstmeldung 27. Mai: Seit gut einer Woche dürfen viele Gastronomie-Betriebe in Baden-Württemberg für ihre Gäste wieder die Türen öffnen. Doch auch, wenn sich manche wieder über Geselligkeit bei bestem Biergarten-Wetter in diesen Tagen freuen: Ein Ausgehen, wie man es gewöhnt ist, bedeutet das in den Zeiten des Coronavirus noch lange nicht. Denn Gäste und Beschäftigten in der Gastronomie müssen sich an die strengen Hygiene- und Abstandsregeln der Landesregierung halten. Und auch wirtschaftlich ist die Situation in der Gastro-Szene in Baden-Württemberg nach wie vor angespannt.

Wie der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) Baden-Württemberg mitteilt, fällt die erste Zwischenbilanz der Gastronomiebetriebe nach der Öffnung am 18. Mai enttäuschend aus: Die Gäste hätten durchaus Verständnis für die Corona-Einschränkungen vor Ort mit Mindestabstand und Tragen der Masken beim Toilettengang. Ohne dieses Mitziehen der Gäste wäre ein Gastro-Betrieb unter den derzeit herrschenden Bedingungen kaum denkbar. Allerdings geben in einer Umfrage, an der sich rund 2.800 Gastronomiebetriebe aus Baden-Württemberg beteiligt hatten, drei Viertel der Wirte an, unter den aktuellen Corona-Bedingungen nicht wirtschaftlich arbeiten zu können. Für 82,9 Prozent der Befragten blieben die ersten Tage nach dem Gastro-Re-Start in Baden-Württemberg hinter den Erwartungen zurück - trotz des guten Wetters.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Großteil der Gastro-Betriebe macht nicht einmal die Hälfte des üblichen Umsatzes

Besonders ernüchternd für die Wirte in Baden-Württemberg: 75 Prozent der Befragten gab an, in den vergangenen Tagen weniger als die Hälfte jenes Umsatzes gemacht zu haben, der normalerweise im Mai in ihrer Gaststätte zu erwarten wäre. "Die Zahlen zeigen, dass die Krise trotz der jetzt existierenden Öffnungsmöglichkeiten für die Speisegastronomie noch lange nicht beendet ist", erklärt Fritz Engelhardt, Vorsitzender des DEHOGA Baden-Württemberg.

Doch offenbar ist das Mitziehen der Gäste bei den Regelungen in der Coronavirus-Krise noch nicht ausreichend, um ein Gastro-Sterben in Baden-Württemberg angesichts der wirtschaftlichen Situation der Wirte zu verhindern. Engelhardt erklärt: "Die jetzt geltenden Abstandsregelungen vermindern die Sitzplatzkapazitäten in den Betrieben der Speisegastronomie um fast die Hälfte. Unter diesen Bedingungen ist es sehr schwer, überhaupt wirtschaftlich zu arbeiten."

Coronavirus in Baden-Württemberg: 5.000 Gastro-Betriebe weiterhin geschlossen

Zu bedenken ist allerdings, dass derzeit rund 5.000 Gastro-Betriebe in Baden-Württemberg weiterhin noch nicht für ihre Gäste öffnen dürfen - und daher auf unabsehbare Zeit keinen Umsatz generieren können. DEHOGA-Vorsitzender Engelhardt: "Für Bars, Diskotheken und Schankwirtschaften gibt es keine terminierte Öffnungsperspektive. Und auch Catering-Unternehmen, die ihr Geld mit Veranstaltungen verdienen, sind aktuell komplett ausgebremst." Das Hip Island in Heilbronn darf allerdings wieder für Gäste öffnen - schließlich bietet es auch Speisen an.

Wie an diesem Dienstag bekannt wurde, sollen Hotels und Gaststätten von der Landesregierung in Baden-Württemberg daher weitere Corona-Unterstützungen erhalten, damit es in der Gastro-Szene nicht zu einer unüberschaubaren Menge an Insolvenzen - und zu einem Zusammenbrechen der Ausgeh-Möglichkeiten kommt. Von der Corona-Krise schwer getroffene Hotels und Gaststätten sollen deshalb noch drei weitere Monate Geld vom Land bekommen. Im Anschluss an die Coronavirus-Soforthilfe können betroffene Betriebe einmalig weitere 3.000 Euro zuzüglich 2.000 Euro für jeden in Vollzeit beschäftigten Mitarbeiter bekommen. Die Landesregierung von Baden-Württemberg geht von einem Bedarf in Höhe von 330 Millionen Euro aus.

Coronavirus: Welche Rolle spielt Aerosole bei der Übertragung?

"Es gilt, den Weiterbestand von bislang gesunden Betrieben zu sichern, um so Tausende von Arbeits- und Ausbildungsplätzen im Land zu erhalten", sagte Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut von der CDU. Neben der aktuellen Situation werde die Branche auch noch den grundsätzlichen Rückgang der Wirtschaftsleistung zu spüren bekommen. Unterdessen sind die Mindestabstandsregeln in der Freiluft-Gastronomie umstritten: Wie Virologe Christian Drosten erklärt, findet die Übertragung des Sars-CoV-2-Virus auch über Aerosole statt.

Für manche Gastro-Betriebe lohnt es sich unter den derzeitigen Bedinungen kaum, das Lokal zu öffnen

Das heißt, dass die Krankheitserreger beim Sprechen ausgeschieden werden und in der Luft verbleiben. Ein Mindestabstand wäre damit kein ausreichender Infektionsschutz. Unter freiem Himmel jedoch wären die Menschen weit weniger gefährdet, da die Sars-CoV-2-Viren durch Luftzirkulation weiterverbreitet werden. Gerade in Bezug auf das aktuelle Wetter empfiehlt es sich daher, das Leben - und auch den Besuch in der Gastronomie - ins Freie zu verlagern.

Rubriklistenbild: © Foto: Sebastien Courdji/dpa

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