"Emotionen gehören dazu - Beleidigungen nicht!"

Unter aller Sau! So übel müssen sich Schiedsrichter aus der Region beschimpfen lassen

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Ja, so ein Fußballspiel wird auch (ganz weit) unterhalb der Bundesliga mal emotional. Aber was Schiris aus der Region manchmal erleben, ist unterste Schublade! 

Die spielen um einen ganz wichtigen Titel - zumindest möchte man das bei so manchem Kreisliga-Spiel meinen, denn oft kochen hier Emotionen bei Spielern und Zuschauern gewaltig hoch. Fußballschiedsrichter müssen dann mit heftigen Situationen fertig werden. Dabei geht es häufig um mehr als die Sicherheit der Spieler auf dem Platz. 

Maximilian Danczyk aus Sulzbach erzählt: "Ich bin jahrelang Schiri gewesen. Ich habe erlebt, dass selbst Freundinnen von Schiedsrichtern, die nur zum Zuschauen dabei waren, von Fans angegangen wurden." Auch den "Muschi-Skandal" um Holger Badstuber hat er mitbekommen. 

Beleidigungen gegenüber Schiedsrichtern: "Am hitzigsten wird's in der Kreisliga"

Der 23-Jährige hat bereits Spiele geleitet, bei welchen er nach Abpfiff ganz schnell in die Kabine verschwunden ist. "Manche verlieren auf und am Platz jedes gesunde Maß, da fallen die übelsten Beleidigungen", sagt Danczyk. "Da fragst du dich dann schon, ob manche den Rasen für eine rechtsfreie Zone halten."  

Für viele Gefühle und Reaktionen habe er Verständnis, gebe auch nicht bei jedem Meckern eine Karte, aber auch seine Geduld kennt grenzen. Eines stellt der Schiedsrichter klar: "Beleidigungen haben im Sport und auch sonst wo nichts zu suchen. Ich verstehe, dass es einem 40-jährigen Libero, der ganz auf sein Spiel konzentriert ist, nicht passt, wenn er sich von einem jungen Schiri etwas sagen lassen muss. Muss er aber. Ganz einfach." 

Der Spielleiter stellt auch fest, dass die Spiele, bei denen es eigentlich um wenig geht, die schlimmsten sind. "Kreisliga. Da wird's am hitzigsten."

Schiedsrichter wünscht sich bei Beleidigungen mehr Unterstützung durch Vereine

Wie sich die Stimmung bei einem Fußballspiel entwickle, liege laut Danczyk oft am Schiedsrichter. Und damit meint er nicht nur, ob der Referee gute oder schlechte Entscheidungen trifft: "Viel macht die Selbstdarstellung des Schiris aus. Richtige Stimmungsmache passiert oft neben dem Platz. Da muss man drüber stehen und hat wenig Handhabe." 

Danczyk wünscht sich etwas mehr Unterstützung von den Vereinen. Er sagt: "Wenn bei den Zuschauern die Stimmung zu eskalieren droht, würde ich mir wünschen, dass Vereinsmitglieder sich beschwichtigend äußern. Emotionen gehören zum Spieler - Beschimpfungen nicht." 

Schiedsrichter: "Manches Benehmen beobachte ich nur beim Fußball."

Maximilian Danczyk ist sportbegeistert, kennt sich auch beim Handball und im American Football aus. Im fällt auf, dass hier ein anderer Wind weht: "Ich hab es noch nie erlebt, dass im Handball nach einem Pfiff gleichermaßen mit dem Schiri herumdiskutiert wird. Im Football schon gar nicht." Beim Fußball sei es allerdings auch in der Bundesliga und bei internationalen Spielen Gang und Gäbe, Entscheidungen des Spielleiters zu kommentieren. 

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