Es fehlt bezahlbarer Wohnraum

Flüchtlinge in Öhringen: Obdachlos mit Anfang 20?

+
Jihad Yannes (Zweiter von links) und Meysam Hosseini (Dritter von links) wollen nach ihrem Schulabschluss in der Pflege beziehungsweise im Logistik-Bereich arbeiten.
  • schließen

Acht junge Flüchtlinge teilen sich eine Wohnung der evangelischen Jugendhilfe Friedenshort – noch.

Mohamad ist vor einer Woche 19 Jahre alt geworden. Seit vier Jahren lebt er bereits in Öhringen, in einer von der evangelischen Jugendhilfe betreuten Wohngruppe – zusammen mit anderen Jugendlichen, die aus Krisengebieten geflohen sind. Ursprünglich stammt Mohamad aus Syrien, von wo er mit seinen Eltern und seinen vier Geschwistern in die Türkei geflüchtet ist, weil es für seine Familie im Heimatland zu gefährlich wurde.

Bessere Berufsaussichten für Flüchtlinge?

Von dort reiste er alleine weiter – bis nach Deutschland. Ein Entschluss, den er bis heute nicht bereut hat, auch wenn er seine Familie, die er seitdem nicht mehr gesehen hat, sehr vermisst. In Deutschland erhofft sich Mohamad bessere berufliche Perspektiven. Er liebäugelt mit einer Ausbildung in der Pharmazie oder mit einem Medizin-Studium.

"Ich fühle mich wohl in Deutschland und habe hier in Öhringen viele deutsche Freunde kennengelernt, mit denen ich mich abends treffe", erzählt der selbstbewusste junge Mann, der derzeit an der Richard-von-Weizsäcker-Schule in Öhringen zur Schule geht und Maultaschen und Spätzle seine neue Leibspeise nennt.

Flüchtlinge: Es fehlt bezahlbarer Wohnraum

Inzwischen könnte Mohamad die Wohngruppe verlassen und in eine eigene Wohnung ziehen – genau wie seine ebenfalls volljährigen Mitbewohner Meysam aus Afghanistan und Jihad aus Syrien. Doch genau hier liegt die Schwierigkeit. "Bezahlbarer Wohnraum ist schon generell ein Problem", sagt Yavuz Odobus, Betreuer der Wohngruppe, "und wenn es um die Unterbringung von Flüchtlingen geht, wird es noch schwieriger".

Es sei nicht einfach, den Vermietern begreiflich zu machen, dass die jungen Menschen – je nach Status vom Jugendamt, Sozialamt oder Jobcenter – finanziell unterstützt werden, solange sie nicht selbst für die Miete aufkommen könnten. "Mittelfristig sollen die jungen Menschen natürlich eigenständig ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Das ist unser Ziel", erklärt Odobus.

Vermieter: Keine Vorbehalte gegen Flüchtlinge

Doch es gibt auch eindeutige Positiv-Beispiele. Vor Kurzem konnte die Jugendhilfe eine Wohnung in Forchtenberg anmieten, in die nun ein Teil der Schützlinge eingezogen ist. "Der Vermieter hatte keinerlei Vorbehalte und bot eine angemessene Miete. Wir als Träger nehmen unseren pädagogischen Auftrag sehr ernst und begleiten die jungen Menschen in ihrer Verselbstständigung auch dann weiter, wenn sie ausgezogen sind", erläutert Cordula Bächle-Walter, Distriktleiterin der Jugendhilfe.

Information:

Unter Telefon 07941/989725 können sich interessierte Wohnungsbesitzer bei ihr näher informieren.

Auch interessant

Mohammed berichtet: Von Syrien in die Heilbronner Gartenlaube

Film gegen Rechts vorgestellt: "Keine Kanaken an Bord?!"

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare