"Die Entscheidung" gewinnt den 99Fire-Films-Award gegen 3.700 Mitbewerber

Düster-Krimi mit Bäm-Effekt

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Daniel Chadalakian Kurz: Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Musikkomponist in "Die Entscheidung".
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99 Stunden Zeit. Für einen Film, der 99 Sekunden lang sein soll.  Für den Eppinger Daniel Chadalakian Kurz genau richtig.

Zeit für Vorgeplänkel ist nicht. Sofort befindet sich der Zuschauer mitten drin in der Handlung. Schließlich darf der Film nicht länger als 99 Sekunden dauern. Im düsteren Gangsterfilm-Look sitzt ein junger Mann gefesselt in einer Lagerhalle. Bäm - fängt er sich gleich eine Faust ein. Der Zuschauer hört die Gedanken des Mannes: Offenbar geht es um einen Koffer. Und Kontakt mit den falschen Leuten. Die machen sich jetzt einen Spaß daraus, die Hauptfigur zu massakrieren. Mehr erfährt der Zuschauer zunächst nicht. Wer ist gut - wer böse? Das Publikum muss sich selbst einen Reim darauf machen. Und kaum sind die ersten Fronten geklärt, macht es wieder Bäm! Aber diesmal im Kopf des Zuschauers. Denn das Filmgeschehen bricht mit der Realität und nimmt eine Wendung, die nicht zu erwarten war.

"`Die Entscheidung` ist ein Film, der auf mehreren Ebenen funktioniert", erklärt Hauptdarsteller und Drehbuchautor Daniel Chadalakian Kurz. Der knapp zweiminütige Streifen verströmt die Gangster-Atmosphäre eines Film-Noir, zitiert Blockbuster wie "Fight Club", konfrontiert den Zuschauer mit seiner eigenen Realitätswahrnehmung - und weist in eine mögliche Zukunft der Feierabendunterhaltung.

Realitätsbruch im Düster-Look

Der Titel "Die Entscheidung" beschränkt sich dabei nicht nur auf die Filmfiguren. Auch das Publikum kommt nicht drumherum, selbst Stellung zu beziehen.

Dabei ist schon die Entstehung des Films  filmreif. Daniel Chadalakian Kurz aus Eppingen-Adelshofen erklärt: "Zusammen mit künstlerisch aktiven Freunden aus Konstanz habe ich mich beim Kurzfilm-Wettbewerb 99Fire-Films-Award in Berlin beworben. Und zwar ohne, dass wir wussten, was uns blüht."

Das heißt: Die Bewerber reichen ihre Kontaktdaten ein - und dann heißt es warten. Denn erst 99 Stunden vor Abgabefrist geben die Verantwortlichen das Thema heraus. Und das war dieses Mal - mit Bezug auf den Sponsor Media-Markt: "Hauptsache, ihr habt Spaß!"

Kurz: "Und dann ging es los. Ideen suchen, Story erfinden, Drehbuch schreiben und drehen." Nach 24 Stunden stand der Ablauf des Films - und dann fuhr Kurz zum Rest der Crew nach Konstanz. Dreh in einer alten Lagerhalle, unter Zeitdruck Requisiten besorgen, drehen, schneiden, nachbearbeiten. Alles in weniger als vier Tagen. Und unter der Vorgabe, dass der Film - ohne Vor- und Abspann - nur 99 Sekunden lang sein durfte. Kurz: "Es war ganz schön eng, aber letztendlich waren wir sogar ein paar Stunden vor der Frist fertig."

Auch wenn viele Mitbewerber unterwegs aufgegeben haben: Letztendlich hatte die Jury in Berlin Mitte Februar 3.700 Filme mit je 99 Sekunden Spielzeit vorliegen. Und die Entscheidung des Gremiums rund um Schauspielerin Bettina Zimmermann fiel auf: "Die Entscheidung": Sieger in der Kategorie "Bester Film" - beim größten Kurzfilm-Wettbewerb der Welt. "Die Preisvergabe in Berlin - das war ein echter Gänsehautmoment", erzählt der 29-jährige Kurz, der auch für die Musik im Film verantwortlich ist.

Und mit der Gänsehaut soll jetzt nicht Schluss sein. Schließlich bietet der plötzliche Handlungsbeginn jede Menge Potenzial. "Wir wollen eine sechsteilige Serie produzieren, in der wir zeigen, wie es zu den Geschehnissen in `Die Entscheidung` kommt." Der düstere Look und der schwarze Humor sollen auf jeden Fall bleiben. Und bestimmt auch die überraschenden Bäm-Momente.

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