40 Kilogramm Ausrüstung statt Badehose

Eiskaltes Training für den Ernstfall

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Der Taucheinsatz unter der gefrorenen Eisschicht kann ziemlich beklemmend sein.

Rrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr. Laut lässt Feuerwehrmann Timo Fritsche die Motorsäge aufheulen. Und dann spritzen die Eiskristalle in die kalte Luft. Obwohl die ganz frostigen Temperaturen schon ein paar Tage her sind - die Eisschicht auf dem Tauchsteinsee in Talheim ist am Donnerstag ganz schön dick. 14 Zentimeter. Und da muss die Säge erstmal durch.

An dem idyllisch gelegenen See proben die Polizeitaucher der Heilbronner Wasserschutzpolizei und die Heilbronner Feuerwehrleute für den Ernstfall: einen Einsatz im Eis. "Hier ist es immer wesentlich kälter als am Neckar", sagt Polizeihauptkommissar Gerd Winkler. Heute geht's für die Taucher sechs bis acht Meter unter die Oberfläche - bei etwa vier Grad Wassertemperatur. Eine Badehose wäre da fehl am Platz.

Eiskaltes Training für den Ernstfall

Stattdessen geht's mit 40 Kilogramm Ausrüstung ins kühle Nass. Winkler: "Der Taucheranzug ist wasserdicht und hält die Einsatzkräfte zunächst warm." Allzu lange sollten die aber nicht im Wasser bleiben. Winkler empfiehlt: "So um die 40 Minuten. Sonst kühlt der Körper zu sehr aus."

Beim Tauchtraining geht es für Fritsche und seine Kollegen von Feuerwehr und Polizei nicht um eine Einsatzsimulation, sondern darum, Gefühl fürs Tauchen im Eis zu bekommen. Das Besondere im Eis: "Der Taucher kommt nicht überall wieder an die Oberfläche zurück. Und mit dem bloßen Auge findet man die Einstiegsstelle nicht. Obwohl die Taucher angeleint sind und permanenten Seilkontakt mit den Kollegen am Ufer haben, kann das schon unter Stress setzen - bis hin zur Panik", erklärt Winkler.

Zur Sicherheit stehen die Taucher per Funktauchtelefon mit den Kollegen an der Oberfläche in Verbindung. Und unten haben sie als Hilfsmittel und zur Orientierung Lampen und Tauchermesser dabei. Das ist auch nötig, schließlich sollen die Einsätze ja Ermittlungserfolge erzielen. Hauptkommissar Winkler: "Wir suchen nach Beweismittel, Tatwaffen und Vermissten. Oft macht uns dabei aber die Strömung - gerade im Neckar - einen Strich durch die Rechnung und treibt das Gesuchte ganz woanders hin."

Manche Taucheinsätze im Eis sind auch psychisch sehr belastend. Winkler: "Ein leichtsinniger Privattaucher wollte sich vor einigen Jahren einen Kick holen. Er machte ein Loch in die Eisschicht und tauchte im Breitenauer See. Unsere Einsatzkräfte konnten ihn nur noch tot bergen." Zur Fallaufklärung sind die Tauchgänge wichtig, wie ein Fall in Haßmersheim zeigt. Winkler erzählt: "Damals gab es eine Schlägerei unter Rockern. Unsere Taucher fanden dann im Wasser die Tatwaffe: ein Beil."

Nach 40 Minuten kommt Fritsche wieder an die Oberfläche. "Es war ein schöner Tauchgang mit sehr klarer Sicht - locker fünf Meter." Üblich sind ein halber Meter. Fritsche: "Fische habe ich heute im Tauchsteinsee nicht gesehen. Dafür aber jede Menge Autoreifen." Da erinnert sich der Feuerwehrmann lieber an den vergangenen Sonntag: "Da haben wir einen Hund aus dem eisigen Wasser in Leingarten gerettet." 

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