Ein Lied sorgt für Youtube-Diskussionen

Song: So schmuddelig ist Heilbronn

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Wer schon einmal da war, in Heilbronn, der läuft schreiend davon. Sagt zumindest Sänger Eugen Bruddler.

Heilbronn reimt sich auf Beton. Und wer schon mal dort war, in Heilbronn, der läuft schreiend davon. Zumindest, wenn es nach Eugen Bruddler geht. Der musikalische Bauer aus Brackenheim-Haberschlacht hat bisher vor allem die Schönheit seiner Heimat besungen ("Zabergäu"), Loblieder auf die Natur gedichtet "Mein Epflbom", "Breschlengsgsälz") und Evergreens wie "Yesterday" von den Beatles durch den Kakao gezogen.

Song: So schmuddelig ist Heilbronn

Zum Jahresanfang erschien das Lied "Heilbronn" – samt zugehörigem Video – auf Bruddlers Youtube-Kanal. Und die Bilder zeigen, was der Songtext über die Käthchenstadt behauptet: "reizarm wie Kamillentee", "Asphaltsymphonie", der stadtgewordene Rudolf Scharping. Harte Thesen gegen den Ausrichter der Bundesgartenschau 2019 (Buga)!

Doch Dr. Wolfgang Kaiser, wie die Kunstfigur Bruddler im realen Leben heißt, geht es um mehr als plakative Stadtbeschimpfung: "Für mich hat Heilbronn ein Identitätsproblem", sagt der Nervenarzt aus Brackenheim. "Köln hat den Dom, Heidelberg das Schloss. Aber was fällt einem ein, wenn man an Heilbronn denkt? Die Theresienwiese ist ein wenig beschaulicher Parkplatz, die Innenstadt ist mit vielen Filialgeschäften recht austauschbar und auch das Wollhaus ist keine Augenweide. Heilbronn ist eine gesichtslose Stadt."

Ist Heilbronn eine l(i)ebenswerte Stadt?

Dieses unklare Profil geht für den Brackenheimer auch in der direkten Umgebung weiter: "Das Unterland, zu dem sich Heilbronn ja zählt, lässt sich nicht genau umreißen." Und auch der Heilbronner Dialekt ist nebulös. "Wirkliches Schwäbisch ist das ja auch nicht." Doch das Heilbronner Schmuddelimage ist bei Weitem nichts Neues. "Schon Markt Twain hat 1878 kein gutes Haar an Heilbronn gelassen", berichtet Kaiser. "Die Stadt sei modrig, alt und düster. Der Autor war wohl froh, als er wieder raus war aus der Stadt."

Nicht wesentlich besser sieht's bei einem Blick in die deutsche Literatur aus. Kaiser: "Das 'Käthchen von Heilbronn' spielt laut der Ortsangabe bei Heinrich von Kleist 'irgendwo in Schwaben'. Und auch das ist wieder ein sehr dehnbarer Hinweis." Sein Video hat der dichtende Arzt zwischen den Jahren an zwei Tagen gedreht. "Das schlechte, nasskalte Wetter kam mir da natürlich gerade recht." Im Internet hagelte es teilweise heftige Kritik und Beschimpfungen. Kaiser: "Klar, das Lied polarisiert. Bemerkenswert fand ich, dass die lobenden Worte vor allem von Menschen mit Migrationshintergrund kamen."

Aber trotz aller Schmuddelecken in Heilbronn: Eine Entwicklung zum Guten kann Kaiser dann doch feststellen. "Ich finde den Ausbau der experimenta gut und, dass die Stadt den Neckar mehr in den Fokus rückt. Die neu gestaltete Untere Neckarstraße mit den Cafés ist schön geworden." Auch die Buga bewertet der Doktor positiv: "Das Grün wertet die Stadt in jedem Fall auf." Bedenklich bleibt aber: Bundesgartenschau reimt sich auf Braunkohletagebau.

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