Zyankali, Brom- und Quecksilber-Verbindungen in rauen Mengen

25 Tonnen Chemikalien in Eppinger Gift-Haus: Urteil gegen 46-Jährigen gefallen

Landgericht Karlsruhe: Mann (46) hortet 25 Tonnen Gift im Haus
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Muss das verseuchte Gift-Haus in Eppingen abgerissen werden?
  • Daniel Hagmann
    vonDaniel Hagmann
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  • Jason Blaschke
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Der ehemals am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) beschäftigte Chemiker aus Eppingen-Rohrbach hat über Jahre hinweg 25 Tonnen Chemikalien gestohlen. Allein das Zyankali hätte für einen Massenmord ausgereicht!

  • In Eppingen-Rohrbach im Landkreis Heilbronn lagert ein Mann tonnenweise Gift und Chemikalien im Elternhaus.
  • An diesem Donnerstag fiel das Urteil gegen den ehemaligen Angestellten des Karlsruher Institut für Technologie (KIT).
  • Einen Anschlag hatte der heute 46-Jährige offenbar nicht geplant.

Update 4. Juni: Bei solchen Mengen läuft es einem eiskalt den Rücken runter: Ein 46-jähriger chemisch-technischer Assistent hat bei seinem Arbeitgeber, dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) über Jahre hinweg unter anderem hochgiftiges Material gestohlen. Am Ende belaufen sich die geklauten Chemikalien auf unglaubliche 25 Tonnen! Und die hat der Mann im Haus seiner Eltern in Eppingen-Rohrbach untergebracht. Gesamtwert des Diebesguts: 55.000 Euro! Allein die Menge von 150 Kilogramm Zyankali hätte ausgereicht, um 750.000 Menschen zu töten, wie die Heilbronner Stimme berichtet. Am heutigen Donnerstag fiel das Urteil gegen den Chemie-Dieb am Karlsruher Landgericht.

Für den Diebstahl der gefährlichen und giftigen Chemikalien hat das Landgericht Karlsruhe den Mann aus Eppingen-Rohrbach zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Bewährung sei für den 46-Jährigen möglich, weil er ein Geständnis abgelegt und bereits sechs Monate in Untersuchungshaft gesessen habe, sagte der Vorsitzende Richter Ralf Kraus. Außerdem habe es keinen Anhaltspunkt dafür gegeben, "dass mit den Chemikalien irgendetwas Übles gemacht werden sollte", wie die dpa berichtet. Hinweise auf einen geplanten Anschlag habe es offenbar keine gegeben.

Gift-Haus in Eppingen-Rohrbach: Chemie-Diebstahl nur aus Spaß am Experimentieren?

Die Freiheitsstrafe von einem Jahr und elf Monaten entspricht den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Als Bewährungsauflage muss der Mann aus Eppingen-Rohrbach, der mittlerweile von Hartz IV lebt und angeblich keine Arbeit mehr findet, 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Etwas undurchsichtig blieb allerdings der Grund für den Dauer-Diebstahl der Chemikalien am KIT in Karlsruhe: Das Gericht glaubte dem Mann, rein aus Freude an Experimenten und am Sammeln von Chemikalien gehandelt zu haben. Strafmildernd wirkten sich auch Versäumnisse seines damaligen Arbeitgebers, des KIT, bei der Überwachung von Einkauf und Lagerung der Chemikalien aus.

Gift-Haus in Eppingen-Rohrbach bis heute nicht bewohnbar

Der 46-Jährige hatte zugegeben, im KIT in Karlsruhe zwischen 2009 und 2014 in einer nicht endgültig geklärten Zahl von Fällen Chemikalien und Gerätschaften gestohlen zu haben. Darunter befanden sich neben Zyankali auch Brom-, Quecksilber- und viele weitere Verbindungen.

Gift-Haus-Prozess gegen Mann in Karlsruhe startet - Tod lauerte in 15 Tonnen Chemikalien.

Experten holten 2014 einschließlich der Behälter rund 25 Tonnen aus dem Elternhaus des Mannes in Eppingen-Rohrbach und einem weiteren Keller in Eppingen im Landkreis Heilbronn. Der Fall hatte für Aufsehen und große Beunruhigung weit über Eppingen-Rohrbach hinaus gesorgt. In der Nähe des Gebäudes, das bis heute wegen Bleibelastung nicht bewohnt werden darf, befinden sich eine Schule und ein Kindergarten.

Eppinger Gift-Haus: Mann lagert tonnenweise Chemikalien im Elternhaus

Erstmeldung 3. Juni: 15 Tonnen Gift, über Jahre geklaut. Aber was wollte der 46-jährige chemisch-technische Assistent aus Eppingen mit diesem Vernichtungsarsenall, das er im Haus seiner Eltern bis unter die Decke bunkerte? Vieles ist noch unklar, klar sind bis jetzt nur die Zahlen - und die lassen einem den Atem stocken. Konkret geht es um vier Tonnen hochgiftige Materialien, ergänzt durch elf Tonnen explosive Stoffe.

Darunter sind gefährlichste Stoffe wie Bor, Strontium und 150 Kilo Zyankali. Alles deponiert im Haus der Eltern in Eppingen, das schon 2014 als "Gift-Lager" von der Polizei enttarnt wurde. Im jetzt beginnenden Prozess vor dem Landgericht Karlsruhe berichtet eine Kripo-Beamtin heute von Chemikalien, die "bis unters Dach" gelagert waren. Allesamt gestohlen aus dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Prozessbeginn in Karlsruhe: Neue Details zu Hintergründen werden bekannt 

Dort machte der Angeklagte als chemisch-technischer Assistent Karriere und klaute nebenher massenhaft hochgefährliche Gifte und Stoffe. Schon 2014 kam er deswegen in U-Haft - ganze sechs Jahre dauerte es bis zur Anklage. Doch trotz intensiver Ermittlungsarbeit kann bis heute nicht erklärt werden, was der Angeklagte mit seinem Vernichtungsarsenall wirklich bezwecken wollte.

Vor dem Karlsruher Landgericht erklärt der 46-Jährige jetzt, er habe die Chemikalien jahrelang im Auto nach Hause gefahren. Nach Feierabend und völlig unbemerkt. Begründung: "Ich hatte Ideen, neuartige und bessere Isolier- und Kunststoffe zu entwickeln", erklärt der Angeklagte. Als Lager diente das Haus der ahnungslosen Eltern, beide über 80 und mit schmaler Rente.

Verseuchtes Gift-Haus: Droht der Abriss?

Ihr Haus wurde möglicherweise vom eigenen Sohn verseucht - es droht der Abriss. Für die Eltern des Angeklagten eine Katastrophe. Bereits seit sechs Jahren dürfen sie ihr Haus nicht betreten. Wird der 46-Jährige verurteilt, könnten ihm laut bild.de zum Gift-Haus in Eppingen eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren drohen. Ein Urteil wird voraussichtlich am Donnerstag erwartet.

Im Falle der Familien-Horror-Tat in Tiefenbronn (Enzkreis) - wo eine Mutter und ihr Kind starben - ist das überraschende Urteil am Landgericht Karlsruhe bereits gefallen. Durch Zyankali im Schließfach ist auch in Heilbronn ein Verdächtiger ins Visier der Ermittler geraten. Auch hier die Frage: Wofür das ganze Gift, das als starkes Gift einzustufen ist.

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