Gibt es für Carlos noch ein Happy End?

Schlimme Diagnose wirft Familie aus der Bahn - dann kommt es noch härter

+
Nur auf den ersten Blick eine ganz normale Familie: Weronika D'Orsi mit Nisa (9), Carlos (5) und Hündin Alishia. Carlos trägt einen Sensor am Körper, der regelmäßig den Blutzuckerspiegel misst, sowie eine Pumpe mit Katheder, die ihn mit Insulin versorgt.
  • schließen

Die Eltern empfinden bald nur noch Wut und Verzweiflung.

Im Herbst 2016 ändert sich das Leben von Familie D'Orsi auf einen Schlag: bei ihrem jüngsten Kind, damals erst drei Jahre alt, wird Diabetes Typ 1 diagnostiziert. Wenige Tage zuvor war Weronika D'Orsi aufgefallen, dass Carlos ständig Durst und einen vermehrten Harndrang hatte. Sie schob dies zunächst auf einen Infekt, doch sie war beunruhigt und beschloss, ihren Hausarzt aufzusuchen. Bereits der Urin-Schnelltest war eindeutig und die Blutwerte des kleinen Jungen bestätigten schließlich den schlimmen Verdacht.

Diabetes: Mit Spritzen gegen den Blutzuckerspiegel

Dann ging alles ganz schnell: Carlos wurde noch am gleichen Tag stationär im Diakonie-Klinikum Schwäbisch Hall (Diak) aufgenommen und es wurden Sofortmaßnahmen ergriffen, den extrem hohen Blutzuckerspiegel des Kindes auf ein Normalmaß zu bringen. Drei Wochen dauerte dieser erste Krankenhausaufenthalt, bei dem Weronika D'Orsi in Schulungen lernen musste, die Blutwerte richtig einzuordnen, Kohlenhydrate in Lebensmitteln zu zählen und mit der Insulin-Pumpe und den Messgeräten umzugehen.

"Ich bin ins kalte Wasser geworfen worden", erzählt sie. "Der Katheter-Wechsel fiel mir am Anfang besonders schwer. Damit ich ein besseres Gefühl dafür bekomme, habe ich es zuerst an mir selbst ausprobiert." Inzwischen sind Spritzen setzen Routine und sie hat sich ein umfassendes Fachwissen angeeignet. Die Kupferzellerin ist dankbar für die medizinische Unterstützung des gesamten Diabetischen Teams des Diaks, bei dem sie sich bei den regelmäßigen Kontroll-Untersuchungen stets gut aufgehoben und gut beraten fühlte.

Schlimmer Brief wirft Familie aus der Bahn

Bis Anfang Februar dieser Brief in ihrem Postkasten lag, der sie und ihren Mann erneut aus der Bahn wirft. In diesem Brief teilt der Chefarzt des Diaks, Andreas Holzinger, den völlig verduzten Eltern mit, dass das Diabetes-Zentrum zur ambulanten Kinderbetreuung aus Personalmangel geschlossen werden muss. "Unser Versuch, einen Arzt oder eine Ärztin mit speziellen Kenntnisse zu Diabetes bei Kindern zu finden, ist leider bisher nicht erfolgreich gewesen", heißt es in dem Schreiben. Und weiter: "So ist es erforderlich, dass Sie für Ihr Kind eine andere ambulante Versorgung auswählen." Gleichzeitig räumt Holzinger ein, "dass es zunächst schwierig sein könnte, einen ambulanten Behandlungsplatz überhaupt zu finden".

Heilbronn, Karlsruhe, Heidelberg: Kliniken sind alle überbelegt

Wut und Verzweiflung ist aus Weronika D’Orsis Stimme herauszuhören, als sie von den unzähligen Telefonaten berichtet, bei denen sie tatsächlich nur Absagen erhält. Die Kliniken in Bad Mergentheim, Heilbronn, Karlsruhe und Heidelberg sind nach eigenen Angaben überbelegt und nehmen keine weiteren Patienten auf. Auch in Stuttgart und Freiburg will man Carlos nicht aufnehmen. Tagelang recherchiert seine Mutter im Internet, tritt mit der kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) in Kontakt. Doch auch dort Fehlanzeige: Man verweist auf Kliniken in benachbarte Bundesländer und zeigt sich darüber hinaus wenig hilfsbereit.

Kaum Hilfe - und trotzdem ein Happy End?

Die Familie weiß nicht mehr weiter und fühlt sich im Stich gelassen. Gerade, als sie mit ihrem Mann beschließt, einen Anwalt zu Rate zu ziehen, stößt Weronika D'Orsi durch Zufall auf die Internet-Seite der Ostalbkliniken in Aalen. Dort erfährt sie, dass vor Kurzem eine Diabetologie eröffnet hat. Weder das Diak noch die KVBW habe ihr diesen wertvollen Tipp geben können, erzählt D’Orsi entrüstet ob der mangelnden Unterstützung. Als sie in Aalen anruft, erklärt ihr eine freundliche Mitarbeiterin, was sie nicht mehr gewagt hatte zu hoffen: "Ja, wir nehmen noch Kinder auf. Schicken Sie uns die Patientenakte von Carlos, wir kümmern uns um ihn."

Auch interessant

Bewegend: Das tragische Schicksal der Familie Ehnle

Großes Herz: Toller Einsatz der Eisbären Heilbronn für krankes Kind

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare