Kein Verständnis für Gewerkschaftsvorstoß

Daimler lehnt Vier-Tage-Woche ab! Jetzt gibt es heftige Kritik am Vorstand

  • Julia Cuprakowa
    vonJulia Cuprakowa
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Der IG-Metall-Vorschlag von Vier-Tage-Woche bekommt viel Zuspruch. Der Vorstand von Daimler lehnt den Gewerkschaftsvorstoß jedoch ab und erntet Kritik aus politischen Reihen. 

  • IG Metall macht einen Vorstoß und schlägt Vier-Tage-Woche vor.
  • Daimler lehnt Gewerkschaftsvorstoß ab.
  • Nach Ablehnung - Unternehmen erntet Kritik aus der Politik.

Daimler in der Krise: Vorstoß der IG Metall - Vier-Tage-Woche

Stuttgart - Daimler AG steckt in der Krise: Neben den Auswirkungen des Coronavirus und der Verkehrswende hin zum E-Auto, machen dem Stuttgarter Autohersteller die Altlasten rund um den Dieselskandal zu schaffen. Denn am Stuttgarter Landgericht sind fast 2.000 neue Dieselklagen von Mercedes-Besitzern eingegangen - Tendenz steigend, wie echo24.de* berichtet. Auf diese vielfältigen Krisenherde muss das Unternehmen reagieren, um weiterhin eine Zukunft in der Automobilbranche zu haben.

Schon vor der Coronavirus-Krise war klar, dass sich bei Daimler einiges verändern muss, wenn der Konzern weiter erfolgreich sein will. Die Corona-Pandemie stürzte das Unternehmen noch tiefer in die Krise. Fest steht: Daimler muss sparen! Deswegen wird ein „Mega-Sparprogramm“ an den Start gebracht - infolgedessen 30.000 Stellen abgebaut werden sollen. Und genau deshalb hat die IG Metall eine Vier-Tage-Woche mit „einem gewissen Lohnausgleich“ zur Rettung von Jobs in der Metall- und Elektroindustrie ins Gespräch gebracht. 

Daimler in Stuttgart: Vorstand lehnt Vier-Tage-Woche ab - IG Metall verteidigt Vorstoß

Die Einführung einer Vier-Tage-Woche kommt für den Autobauer Daimler jedoch nicht infrage. „Eine Vier-Tage-Woche mit Lohnausgleich, wie von der IG Metall gefordert, ist angesichts der Situation in der Automobilindustrie weder zielführend, noch wirtschaftlich darstellbar“, sagte Personalvorstand Wilfried Porth Deutschen Presse-Agentur (dpa) gegenüber. „Es geht jetzt darum, die Kostensituation, die Transformation und die Nachfrage für unser Unternehmen nachhaltig abzusichern und trotzdem die Chancen erfolgreich zu nutzen, die uns steigende Absatzzahlen in Zukunft wieder bieten werden.“ Daimler hatte sich erst kürzlich mit dem Betriebsrat auf eine Absenkung der Arbeitszeit geeignet, um den Folgen der Corona-Krise zu begegnen. Die Reduzierung betrifft allerdings nur bestimmte Bereiche und umfasst in der Regel zwei Stunden pro Woche - ohne Lohnausgleich. Für die Angestellten bei Daimler hat das drastische Folgen.

Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth lehnt eine Reduzierung der Arbeitszeit auf vier Tage pro Woche ab.

Der Erste Vorsitzende der Gewerkschaft, Jörg Hofmann, verteidigte seinen Vorstoß: „Die Vier-Tage-Woche wäre die Antwort auf den Strukturwandel in Branchen wie der Autoindustrie. Damit lassen sich Industriejobs halten, statt sie abzuschreiben.“ Außerdem sei „ein gewisser Lohnausgleich für die Beschäftigten, damit es sich die Mitarbeiter leisten können“, nötig. Sein Vorschlag bekam viel Zuspruch - auch in der Politik.

Daimler in Stuttgart: Vorstand lehnt ab - Kritik aus der Politik

Die Vier-Tage-Woche kam bei vielen Politikern gut an. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) bezeichnete eine verringerte Arbeitszeit als möglicherweise geeignetes Mittel in der Krise. „Reduzierte Arbeitszeit bei teilweisem Lohnausgleich kann eine geeignete Maßnahme sein, wenn sich die Sozialpartner darauf verständigen“, sagte Heil den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Unterstützung kam außerdem vom SPD-Vorsitzenden Norbert Walter-Borjans. „Die Wirtschaft darf die Krise nicht nutzen, um sich von Arbeitskosten zu befreien, sondern muss erkennen, wie wertvoll gute Löhne zur Ankurbelung der Konjunktur und für wirtschaftlichen Fortschritt sind“, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Auch die stellvertretende Linken-Fraktionsvorsitzende Susanne Ferschl signalisierte Zustimmung. „Die Beschäftigten dürfen nicht alleine die Kosten der Corona-Krise und für die verfehlten Managemententscheidungen in der Industrie bezahlen“, sagte sie.

IG-Metall-Vorstoß: „Vier-Tage-Woche machbar - aber nur bei Verzicht auf vollen Lohnausgleich“

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, sagte, er halte die Einführung einer Vier-Tage-Woche zwar für machbar - allerdings nur bei Verzicht auf vollen Lohnausgleich. Kritik kam ebenfalls aus den Reihen der Mittelstands- und Wirtschaftsunion der CDU/CSU. „Je länger die Coronakrise andauert, umso mehr müssen wir kluge Lösungen entwickeln, die über das bloße Verteilen von Lohnersatz und Zuschüssen hinausgehen“, sagte deren Vorsitzender Carsten Linnemann der „Wirtschaftswoche“. Johannes Vogel, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, mahnte, die Politik und insbesondere Bundesarbeitsminister Heil sollten sich aus den Einigungen der Tarifpartner heraushalten. *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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