Daimler-Chef im Interview mit der FAZ

Warum Källenius über andere Produktionsorte spricht - trotz neuem Highlight bei Daimler

  • Julia Cuprakowa
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Bei Daimler AG scheint es endlich bergauf zu gehen. Zuerst wird eine neue Fabrik eröffnet, dann wird die neue S-Klasse vorgestellt. Trotzdem spricht Ola Källenius über andere Produktionsstätte. 

  • Daimler AG unternimmt viel, um aus der Corona-Krise zu kommen.
  • Neue Produktionshalle für S-Klasse in Betrieb genommen.
  • Ola Källenius spricht über anderweitige Produktionsstätten.

Daimler in Stuttgart: Trotz neuer Produktionshalle für S-Klasse - Källenius spricht über andere Produktionsstätte

Nach den herben Rückschlägen der vergangenen Monate setzt der Autobauer Daimler zum lange geplanten Befreiungsschlag an. Endlich wurde die hochmoderne Produktionshalle „Factory 56“ in Sindelfingen bei Stuttgart in Betrieb genommen - pünktlich zum Marktstart der neuen S-Klasse. Während Tesla in der Nähe von Berlin noch an seiner Gigafactory baut, ist man bei Daimler in Stuttgart mit der neuen Produktionshalle schon einen Schritt weiter. In der „Factory 56“ soll künftig das neue Vorzeigeauto gebaut werden. Die S-Klasse, Luxus-Flaggschiff und traditionell prestigeträchtigstes Modell aus dem Hause Mercedes-Benz, soll den Wendepunkt markieren in einem bislang von der Corona-Krise weitgehend verhagelten Jahr.

Dachgesellschaft Daimler AG
CEOOla Källenius (22. Mai 2019–)
Mitarbeiterzahl298.655 (31. Dezember 2019)
ZentraleStuttgart
RechtsformAktiengesellschaft
Tochterunternehmen Mercedes-Benz, Mercedes-AMG, Smart, usw.

Von beidem - Auto und Fabrik - hängt für den Stuttgarter Konzern eine Menge ab. In die S-Klasse will Daimler so ziemlich alles einbauen, was die Entwicklungsabteilung hergibt. Der selbst gesetzte Anspruch an Design, Sicherheit und Technologie ist ambitioniert - die S-Klasse soll nämlich Maßstäbe für die gesamte Autowelt setzen. Für den eigenen Konzern gilt das sowieso: Was zuerst in der S-Klasse Standard ist, findet in der Regel nach und nach Eingang auch in die anderen Baureihen. Aber kaum ist die neue Fabrik in Produktion gegangen, tauchen Medienberichte auf - Daimler könne auch anderswo produzieren. Wie genau ist diese Aussage von Daimler-Chef Ola Källenius zu verstehen?

Ola Källenius: Daimler-Chef spricht über Produktion und Tesla

Wie die boerse.ARD.de berichtet, schließt Ola Källenius es nicht aus, bestimmte Modelle künftig auch in anderem Märkten zu produzieren. In ihrem Bericht bezieht sich die ARD auf ein Interview der FAZ mit dem Daimler-Chef (Artikel hinter der Bezahlschranke). Aber welche Modelle sind damit gemeint? Doch nicht etwa die neue S-Klasse? „Immer da, wo die Stückzahlen reichen, um in China oder in Amerika oder an einem anderen Standort zu produzieren, da handeln wir wirtschaftlich rational und würden gegebenenfalls die Produktion aufteilen“, sagte Källenius der „FAZ“. Für das Luxus-Flaggschiff gilt es jedoch nicht: „Bei der Stückzahl im obersten Spitzensegment wäre eine Teilung der Produktion nicht sinnvoll. China ist der größte Automobilmarkt, aber wir verkaufen vielleicht jede dritte S-Klasse nach China. Wir werden also die Produktion der S-Klasse nicht teilen“.

Außerdem äußert sich Daimler-Chef auch zu Tesla. Laut boerse.ARD.de fragte die FAZ, was Tesla wohl richtiger mache als Daimler - denn der Konzern hätte schließlich bald 140 Jahre Erfahrung auf dem Buckel. Ola Källenius antwortete: „Auf jeden Fall kann dessen Börsenwert uns als Inspiration dienen.“ Klar sei außerdem, dass die Zukunft emissionsfrei und elektrisch werde. „Aber wir können als etablierter Hersteller nicht einfach 300.000 Mitarbeiter nach Hause schicken und mit 20.000 wieder eingestellten eine Elektroauto-Firma aufbauen“, betonte Källenius.

Daimler in Stuttgart: Konzern auf S-Klasse-Erfolg angewiesen - Corona-Krise noch nicht überwunden

Einen Erfolg mit der S-Klasse kann Daimler nicht nur gut gebrauchen - er ist quasi Pflicht. Wie die meisten Autobauer hat die Corona-Krise den Konzern hart getroffen. Im zweiten Quartal fuhren die Stuttgarter fast zwei Milliarden Euro Verlust ein und müssen nun noch stärker sparen als ohnehin von Källenius geplant - auch wenn das dritte Quartal schon wieder weitaus besser läuft. „Wir haben uns vom freien Fall erholt“, sagte der Vorstandschef.

Nach der Corona-Krise, die auch Daimler hart getroffen hat, hofft der Konzern jetzt auf den Erfolg der neuen Mercedes S-Klasse.

Trotzdem will Källenius die Gewinnschwelle langfristig weiter nach unten bringen - auch mit Einschnitten beim Personal. Betriebsbedingte Kündigungen sind zwar wieder vom Tisch, dafür werden auf anderen Wegen Arbeitsplätze gestrichen. Als kurzfristige Reaktion auf die Corona-Pandemie wird in bestimmten Bereichen die Arbeitszeit verkürzt. Zudem muss die komplette Belegschaft in Deutschland auf die jährlich gezahlte Prämie verzichten. Das sogenannte tarifliche Zusatzgeld wird automatisch in freie Tage umgewandelt. Und sein Smart-Werk im französischen Hambach will Daimler noch verkaufen.

Rubriklistenbild: © Daimler AG

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