Kurz vor der Finanzkrise!

Krise statt Kohle: War das Daimlers größter Fehler?

  • Simon Mones
    vonSimon Mones
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2009 stieg Daimler bei Tesla ein. Doch die Schwaben sahen das Potenzial nicht und stiegen 2014 schon wieder aus. Aus heutiger Sicht ein Fehler!

  • 2009 stand Tesla kurz vor der Pleite.
  • Daimler stieg damals mit 50 Millionen Euro ein, aber schon 2014 wieder aus,
  • Heute sind die Tesla-Aktien deutlich mehr wert als Daimler.

Daimler/Stuttgart:  War Tesla-Ausstieg ein Fehler? Krise statt Kohle!

Was wäre gewesen wenn? Die Frage hat sich der ein oder andere sicherlich auch schon des Öfteren gestellt! Letztlich lassen sich Entscheidungen aus der Vergangenheit aber nicht mehr ändern. Und doch, zeigt sich erst mit der Zeit, wie falsch manche Einschätzung wirklich war.

Der letzte Kaiser des Deutschen Reiches Wilhelm II. kam seiner Zeit zu einem Urteil, das man heute wohl als eine der größten Fehleinschätzungen aller Zeiten bezeichnen könnte: "Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung."

Daimler/Stuttgart: Tesla-Aktien waren ein Schnäppchen

Was aber hat das mit Daimler zu tun? Mehr als es auf den ersten Blick erscheint! Denn als Tesla 2009 - einmal mehr - kurz vor dem Konkurs stand, stieg Daimler bei dem Unternehmen von Elon Musk ein. Für grade einmal 50 Millionen Euro sicherten sich die Schwaben 9,1 Prozent, sowie eine Kooperation mit dem aufstrebenden Autokonzern aus Kalifornien.

Während Daimler Verlust macht, streicht Tesla zum vierten Mal in Folge einen Gewinn ein.

Aus heutiger Sicht ein wahres Schnäppchen, immerhin ist Tesla inzwischen 250 Milliarden Euro wert - laut dem Stern so viel wie Volkswagen, Audi, Daimler und BMW zusammen - und machte anders als Daimler und Co auch in der Corona-Krise Gewinne. Im zweiten Quartal stand ein Plus von 90 Millionen Euro, während Daimler fast 2 Milliarden Euro verlor. Während es also bei Tesla läuft, steckt die Autobranche in Deutschland in der Krise.

Daimler/Stuttgart: Tesla zieht an der Börse vorbei

Bedenkt man den heutigen Börsenwert von Tesla, hätte Daimler diesen Verlust sicher verschmerzen können, hätte man nur etwas mehr Vertrauen in Musk und sein Unternehmen gehabt. Denn bereits kurz nach dem die Schwaben bei dem Autokonzern aus Kalifornien eingestiegen waren, gaben sie einen Teil ihrer Anteile an den Staatsfonds von Abu Dhabi weiter.

An die Revolution die Musk mit Tesla im Sinn hatte, schien in Stuttgart keiner so recht zu glauben. Als Tesla 2014 an die Börse ging entschieden sich die Daimler-Manager dafür noch einmal dick Kasse zu machen. Statt die restlichen Anteile zu behalten, verkaufte man die verbliebenen vier Prozent für mehr als 600 Millionen Euro. Angesichts des investierten Betrags ein gutes Geschäft, doch aus heutiger Sicht eherein sehr teurer Irrtum.

Daimler/Stuttgart: Bosse haben Tesla-Chance nicht erkannt

Zurück zu Wilhelm II.: Ähnlich wie der damalige Kaiser ließ sich auch der langjährige Daimler-Chef - und wohl zukünftige Aufsichtsrats-Vorsitzende - Dieter Zetsche zu einer Aussage hinreißen, die man aus heutiger Sicht in eine ähnliche Kategorie verorten muss, wie die Worte von Wilhelm.

Im November des vergangenen Jahres sagte Zetsche, er bereue den Ausstieg bei Tesla nicht. Aus der Sicht des damaligen Daimler-Bosses handelte es sich dabei lediglich um eine Finanzbeteiligung und auch eine Übernahme von Tesla erklärte der Manager für unsinnig. 

Als Grund nannte Zetsche noch vorhandene Produktschwierigkeiten, zudem war der Daimler-Boss der Meinung, die etablierten Hersteller würde langfristig die Nase vorne behalten. Damals war Daimler an der Börse noch mehr wert als Tesla. Heute kämpfen die Stuttgarter damit, den Rückstand auf die Firma von Musk aufzuholen. Ein Aufgabe, die man hätte vermeiden können.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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