Stuttgarter Daimler-Konzern

Daimler: Mega-Sparprogramm - jetzt äußert sich der Chef dazu

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Daimler will mehr Stellen als bislang abbauen. Doch wie soll das ablaufen? Das hat Chef Ola Källenius jetzt erklärt!

  • Daimler steckt mitten im Konzernumbau und einer Krise.
  • Rund 30.000 Stellen sollen bei Daimler abgebaut werden.
  • Wegen der Corona-Pandemie sind weitere Streichungen nötig.

Daimler: Mega-Sparprogramm mit Stellenabbau! So sieht's Chef Källenius!

Update vom 24. Juli: Dass Daimler sparen muss und will, so viel ist klar. Doch wie genau der Plan von Daimler-Chef Ola Källenius aussieht, dahinter stehen noch viel Fragezeichen! Fest steht nur, dass der Stuttgarter Automobilkonzern deutlich mehr Personalkosten einsparen muss als die bislang bekannt 1,4 Milliarden Euro. Zudem wurde die Zeitspanne dafür von 2022 bis 2025 verlängert.

Seitdem wurden unterschiedlich Zahlen genannt, wie viele Stellen bei Daimler abgebaut werden sollen. Källenius selbst wollte sich gegenüber dem SWR nicht auf eine Zahl festlegen. "Da sind wir jetzt in Gesprächen mit Arbeitnehmervertretern und werden da gute Lösungen finden", erklärt der Daimler-Chef. Diese sollen dann aber sozialverträglich sein.

Daimler sucht Gespräch mit Arbeitnehmervertretern - Abbau soll sozialverträglich sein

Der Chef von Daimler, Ola Källenius, möchte betriebsbedingte Kündigungen verhindern.

Zudem betonte der Schwede im Interview mit dem SWR, dass betriebsbedingte Kündigungen nur als allerletztes Mittel in Frage kommen dürften. Allerdings müssten dabei auch wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beachtet werden. 

"Jetzt haben wir eine fast beispiellose Wirtschaftskrise, die durch Covid-19 ausgelöst wurde. Das ist der Grund, warum wir die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern wieder aufgenommen haben", erklärte Källenius.

Daimler in Stuttgart: Schock für Mitarbeiter! Noch mehr Stellen sollen wegfallen

Update vom 23. Juli: Fast im Wochentakt kommen neue Informationen zu den verschärften Sparmaßnahmen bei Daimler. Aus den zunächst geplanten 15.000 Jobs, die bei dem Stuttgarter Automobilkonzern wegfallen sollten, sind inzwischen - inklusive der Stellen, die nicht neu besetzt werden - rund 30.000 Arbeitsplätze geworden.

Denn der neue Daimler-Chef Ola Källenius möchte die Gewinnschwelle um zehn bis 15 Prozent senken und entsprechend auch die Kosten drücken. Wie das Manager Magazin aus Unternehmenskreisen erfuhr, sollen alleine bei der Daimler Truck AG fast 17.000 Mitarbeiter - die nicht in der Produktion arbeiten - Abfindungs- und Altersteilzeitangebote erhalten.

Daimler in Stuttgart: Weitere Sparmaßnahmen in Planung

Um die Kosten weiter senken zu können, lässt Daimler-Chef Ola Källenius zudem Werksschließungen durchrechnen. Nach dem Verkauf des Smart-Werks im französischen Hambach dürften vor allem weitere Werke im Ausland geschlossen werden. Allerdings stehen auch Standorte in Deutschland in der Diskussion.

Beim Daimler-Betriebsrat stoßen die Sparmaßnahmen bislang allerdings auf wenig Gegenliebe. Insbesondere die Gehaltseinbußen will der Betriebsrat nicht hinnehmen und schlägt stattdessen eine Arbeitszeitverkürzung vor, um möglichst viele Jobs zu retten. Denn inzwischen stellt Daimler auch die Vereinbarung, bis 2029 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten, infrage. 

Daimler in Stuttgart: Mega-Sparprogramm - So viele Stellen fallen weg!

Update vom 17. Juli: Dass Daimler seinen Sparkurs weiter verschärfen würde, hatte sich schon auf der Hauptversammlung des Stuttgarter Automobilkonzerns angekündigt. Doch das Ausmaß war auch vor einigen Tagen - als Daimler Personalvorstand Wilfried Porth weitere Stellenstreichungen ankündigte  - noch nicht absehbar.

Inzwischen ist klar, das insgesamt 20.000 Arbeitsplätze bei Daimler wegfallen sollen. Das sind laut dem Handelsblatt rund 5.000 mehr als Porth ankündigte hatte und schon da kündigte der Daimler Betriebsrat an die Jobs retten zu wollen. Doch der Konzern muss Geld einsparen - im zweiten Quartal 2020 fuhr Daimler einen Verlust ein.

Daimler in Stuttgart: Doch Beendigungskündigungen?

Durch den Abbau der 20.000 Arbeitsplätze will Daimler im Personalbereich Kosten in Höhe von rund zwei Milliarden Euro einsparen, vor Corona waren 1,4 Milliarden Euro vorgesehen. Betriebsbedingte Kündigungen schließt man in der Stuttgarter Konzernzentrale inzwischen auch nicht mehr aus. Trotz einer Vereinbarung mit dem Betriebsrat. 

Zudem plant Daimler laut dem Handelsblatt einen Strategiewechsel. "Die Zukunft von Mercedes liegt eher am oberen Ende der Fahrzeugsegmente", erklärt Daimler-Chef Ola Källenius gegenüber dem Handelsblatt. Das soll auch für die Elektromobilität gelten, wo die Stuttgarter zum Angriff auf Tesla blasen wollen.

Daimler in Stuttgart: Sparprogramm reicht nicht - weiterer Stellenabbau?

Update vom 11. Juli:Es hatte sich bereits angedeutet, doch nun steht fest: Daimler will wegen der Corona-Krise deutlich mehr Stellen abbauen als bislang geplant war. Zwar nennt der Personalvorstand von Daimler Wilfried Porth keine Zahlen, aber klar ist: Die 10.000 oder 15.000 Jobs, die wegfallen sollten, reichen nicht!

Porth betont aber: "Die neue Zahl ist auf jeden Fall größer als die beiden. Und die bräuchten wir, um betriebsbedingte Beendigungskündigungen zu verhindern." Zeitgleich warf der Daimler-Vorstand dem Betriebsrat mangelndes Entgegenkommen vor.

Daimler: Sparprogramm reicht nicht mehr aus - Vorwürfe an Betriebsrat

Diese Aussagen kommen aber keines Falls überraschend, denn bereits auf der Hauptversammlung am vergangenen Mittwoch hatte Daimler-Chef Ola Källenius erklärt, dass das Sparprogramm aus dem vergangenen Herbst verschärft werden muss. Die Einsparungen von 1,4 Milliarden Euro reichen nun nicht mehr aus. Dabei ist auch der Verkauf von Werken, wie in Frankreich möglich.

Doch die Corona-Krise ist nicht das einzige Problem, mit dem Daimler zu kämpfen hat. "Wir haben drei unterschiedliche Themenkomplexe: Das eine ist die Corona-Pandemie, die jetzt zusätzlich für eine Wirtschaftskrise sorgt", sagt Porth gegenüber der dpa. "Wir haben das Thema der Elektromobilität, und wir haben das Thema der wettbewerbsfähigen Kostenpositionierung. Zwei der Themen gab es schon vorher, Corona kommt nun noch dazu."

Daimler: Keine neuen Maßnahmen oder betriebsbedingte Kündigungen - wenn möglich!

Allerdings wolle man keine neuen Maßnahmen erfinden, sondern schauen, wo man die bisherigen noch stärker nutzen kann. Bislang wurde vor allem auf die Altersteilzeit, sowie Abfindungsangebote gesetzt, allerdings ausschließlich in der Verwaltung. Das könnte nun auch auf einige Produktionsbereiche ausgedehnt werden, zudem gibt es Pläne den IT-Service auszulagern.

Die ganzen Sparmaßnahmen sollen dabei nach Möglichkeit weiter ohne betriebsbedingte Kündigungen ablaufen, diese seien bis Ende des Jahrzehnts nicht vorgesehen. Darauf hatten sich Konzern und Betriebsrat im Zusammenhang mit dem Konzernumbau in der "Zukunftssicherung 2030" (ZuSi) geeinigt. 

Daimler will mehr Stellen abbauen, als ursprünglich geplant.

Allerdings kann die Vereinbarung auch neu verhandelt werden, wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stark verändern. "Die ZuSi beschreibt den Weg, den man gemeinsam geht, um Beschäftigung zu sichern", erklärt Daimlers Personalvorstand.

Daimler: Bleibt es beim Stellenabbau?

"Bei veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beschreibt sie aber auch den Weg, der am Ende zu betriebsbedingten Kündigungen führen kann, ohne dass es einer Kündigung der Vereinbarung bedarf", erklärt Porth. Derzeit laufen bereits Gespräche mit dem Betriebsrat. Einig ist man sich bereits darüber, dass sich die Lage eben stark verändert hat. Entsprechende Zugeständnisse vom Betriebsrat vermisst der Personalvorstand aber noch.

Es ist aber möglich, dass die weiteren Maßnahmen über den Abbau von Stellen hinaus gehen und beispielsweise Bonuszahlungen gestrichen werden. "Die Frage ist: Was kann man am einfachsten umsetzen? Und was ist für die Mitarbeiter von begrenzter Auswirkung?", erklärt Porth, der aber eine allgemeine Arbeitszeitabsenkungen aufgrund der Transformation der Branche ablehnt.

Stuttgart: Daimler übt Druck auf Mitarbeiter aus - Betriebsrat gibt Contra

Update vom 16. Mai: Die Ereignisse beim Stellenabbau überschlagen sich: Erst ist von teils großzügigen Abfindungen die Rede, dann offenbart ein internes Dokument, dass Führungskräfte in Mitarbeitergesprächen Druck auf die Daimler-Mitarbeiter ausüben sollen. Dieser Verdacht verhärtet sich jetzt. Grund dafür sind Formulierungshilfen in einem Leitfaden, die Führungskräfte in einem Mitarbeitergesprächen verwenden können. Laut Stuttgarter Nachrichten sollen die Führungskräfte unter anderem sagen: "Ich habe entschieden, mich von dir zu trennen."

Wenn der betreffende Daimler-Mitarbeiter anschließend trotzdem nicht gehen will, sollen die Führungskräfte "mögliche Auswirkungen auf die Beurteilung" prüfen. Das Ziel: Druck auf den Daimler-Mitarbeiter ausüben, sodass dieser womöglich doch noch freiwillig geht. Eine Kampfansage an den Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht, der erklärt: "Wir werden nicht zulassen, dass der Konzern Drohkulissen aufbaut. Stattdessen müsse Daimler auf die doppelte Freiwilligkeit setzen, wenn das Personal reduziert werden soll.

Stuttgart: Druck auf Daimler wächst - jetzt rudert der Konzern zurück

Nun wächst der Druck nicht mehr auf einzelnen Mitarbeiter, sondern direkt auf die Konzernspitze. Dort geht man jetzt auf Distanz zu den eigenen Plänen. Konkret heißt das: Die Führungskräfte, die Personal reduzieren, sollen bei Mitarbeitergesprächen die Trennungsabsicht nicht mehr in den Vordergrund stellen. 

Sicherlich eine gute Entscheidung für die Chef-Etage, die in der Vergangenheit durch Mega-Gehälter trotz Sparmaßnahmen aufgefallen ist. Hinzu kommt der Diesel-Skandal, der für eine Vielzahl an negativen Schlagzeilen sorgt. Genauso wie die jetzigen Äußerungen von Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht, der "stinksauer" auf die SPD ist. Grund: Die Coronavirus-bedingte Autoprämie kommt jetzt doch nicht.

Stellenabbau bei Daimler: Mega-Abfindungen - Führungskräfte sollen Druck machen

Erstmeldung vom 15. Mai: Das Jahr 2020 ist kein leichtes für den Stuttgarter Daimler-Konzern. Im April herrschte in großen Teilen der Produktion Stillstand, erst am 20. April begann der Autobauer damit, seine Werke langsam wieder hochzufahren. Rund 80 Prozent der rund 170.000 Beschäftigten in Deutschland waren seit dem 6. April in unterschiedlichem Maße von Kurzarbeit betroffen.

Klar ist: Die Corona-Krise trifft Daimler bisher hart, auch finanziell. Der Stuttgarter Daimler Konzern will jetzt den geplanten Stellenabbau antreiben - und dafür hohe Abfindungen zahlen. Das berichten die Stuttgarter Nachrichten (StN.de) unter Berufung auf eine Modellrechnung für Führungskräfte, die der Redaktion vorliegen soll.

Stuttgart: Daimler will hohe Prämien zahlen - und Stellenabbau trotz Corona-Krise voranbringen

Und diese Modellrechnung zeigt, dass Daimler bereit ist für den Stellenabbau tief in die Tasche zu greifen! Für einen 35-jährigen Mitarbeiter, der 9.136 Euro brutto im Monat verdient, soll eine Prämie inklusive "Placement" in Höhe von 418.502,46 Euro fällig werden - wenn spätestens sechs Monate nach einem ersten Gespräch unterschrieben wird. 

Verdient ein 35-Jähriger bei Daimler 7.027 Euro brutto pro Monat, soll es eine Abfindung von 111.828,32 Euro geben. Das Placement soll dafür sorgen, dass die Mitarbeiter bei ihrer beruflichen Neuorientierung unterstützt werden. Doch was, wenn sich Mitarbeiter trotz diesen "Anreizes" dem Stellenabbau widersetzen und nicht unterschreiben wollen?

Stellenabbau bei Daimler: Führungskräfte sollen Druck machen - Betriebsrat kritisiert Vorgehen scharf

Ein internes Papier von Daimler, das StN.de ebenfalls vorliegt, macht klar: Führungskräfte sollen Härte zeigen. Heißt im Klartext: Den Mitarbeitern von Daimler soll bei Gesprächen der Eindruck vermittelt werden, dass es keinen Verhandlungsspielraum gebe. Wegen der Corona-Krise geht der Konzern davon aus, dass weniger Mitarbeiter als bisher angenommen freiwillig das Unternehmen verlassen werden.

Genau dieses Vorgehen wird hart kritisiert. Denn es stehe "im krassen Widerspruch zu den Betriebsvereinbarungen" und sei deshalb sofort zu unterlassen - das schreiben Carmen Klitzsch-Müller, Chefin des Betriebsrats Zentrale, und ihr Stellvertreter Bernd Öhrler nach StN.de-Informationen an die Daimler-Mitarbeiter.

Daimler will mehr Stellen abbauen, als ursprünglich geplant.

Der Gesamtbetriebsrat geht noch einen Schritt weiter und fordert einen Stopp der Abfindungsangebote von Daimler zum jetzigen Zeitpunkt. Die Alternative? Man solle sich auf Altersteilzeit und natürliche Fluktuation konzentrieren.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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