Stuttgarter Daimler Konzern

Stellenabbau bei Daimler: Führungskräfte sollen Druck machen - Konzernspitze reagiert!

  • schließen

Um den Stellenabbau im Daimler-Konzern voranzutreiben, sollen Führungskräfte Druck auf Mitarbeiter ausüben. Jetzt rudert die Konzernspitze zurück.

  • Daimler will für Abfindungen hohe Summe zahlen - um den Stellenabbau voranzubringen.
  • Führungskräfte sollen Druck auf die Mitarbeiter ausüben, dafür gibt es sogar einen Leitfaden.
  • Jetzt rudert die Chef-Etage zurück und gibt den Führungskräften neue Anweisungen. 

Stuttgart: Daimler übt Druck auf Mitarbeiter aus - Betriebsrat gibt Contra

Update vom 16. Mai: Die Ereignisse beim Stellenabbau überschlagen sich: Erst ist von teils großzügigen Abfindungen die Rede, dann offenbart ein internes Dokument, dass Führungskräfte in Mitarbeitergesprächen Druck auf die Daimler-Mitarbeiter ausüben sollen. Dieser Verdacht verhärtet sich jetzt. Grund dafür sind Formulierungshilfen in einem Leitfaden, die Führungskräfte in einem Mitarbeitergesprächen verwenden können. Laut Stuttgarter Nachrichten sollen die Führungskräfte unter anderem sagen: "Ich habe entschieden, mich von dir zu trennen."

Wenn der betreffende Daimler-Mitarbeiter anschließend trotzdem nicht gehen will, sollen die Führungskräfte "mögliche Auswirkungen auf die Beurteilung" prüfen. Das Ziel: Druck auf den Daimler-Mitarbeiter ausüben, sodass dieser womöglich doch noch freiwillig geht. Eine Kampfansage an den Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht, der erklärt: "Wir werden nicht zulassen, dass der Konzern Drohkulissen aufbaut. Stattdessen müsse Daimler auf die doppelte Freiwilligkeit setzen, wenn das Personal reduziert werden soll.

Stuttgart: Druck auf Daimler wächst - jetzt rudert der Konzern zurück

Nun wächst der Druck nicht mehr auf einzelnen Mitarbeiter, sondern direkt auf die Konzernspitze. Dort geht man jetzt auf Distanz zu den eigenen Plänen. Konkret heißt das: Die Führungskräfte, die Personal reduzieren, sollen bei Mitarbeitergesprächen die Trennungsabsicht nicht mehr in den Vordergrund stellen. Sicherlich eine gute Entscheidung für die Chef-Etage, die in der Vergangenheit durch Mega-Gehälter trotz Sparmaßnahmen aufgefallen ist. Hinzu kommt der Diesel-Skandal, der für eine Vielzahl an negativen Schlagzeilen sorgt.

Stellenabbau bei Daimler: Mega-Abfindungen - Führungskräfte sollen Druck machen

Erstmeldung vom 15. Mai: Das Jahr 2020 ist kein leichtes für den Stuttgarter Daimler-Konzern. Im April herrschte in großen Teilen der Produktion Stillstand, erst am 20. April begann der Autobauer damit, seine Werke langsam wieder hochzufahren. Rund 80 Prozent der rund 170.000 Beschäftigten in Deutschland waren seit dem 6. April in unterschiedlichem Maße von Kurzarbeit betroffen.

Klar ist: Die Corona-Krise trifft Daimler bisher hart, auch finanziell. Der Stuttgarter Daimler Konzern will jetzt den geplanten Stellenabbau antreiben - und dafür hohe Abfindungen zahlen. Das berichten die Stuttgarter Nachrichten (StN.de) unter Berufung auf eine Modellrechnung für Führungskräfte, die der Redaktion vorliegen soll.

Stuttgart: Daimler will hohe Prämien zahlen - und Stellenabbau trotz Corona-Krise voranbringen

Und diese Modellrechnung zeigt, dass Daimler bereit ist für den Stellenabbau tief in die Tasche zu greifen! Für einen 35-jährigen Mitarbeiter, der 9.136 Euro brutto im Monat verdient, soll eine Prämie inklusive "Placement" in Höhe von 418.502,46 Euro fällig werden - wenn spätestens sechs Monate nach einem ersten Gespräch unterschrieben wird. 

Verdient ein 35-Jähriger bei Daimler 7.027 Euro brutto pro Monat, soll es eine Abfindung von 111.828,32 Euro geben. Das Placement soll dafür sorgen, dass die Mitarbeiter bei ihrer beruflichen Neuorientierung unterstützt werden. Doch was, wenn sich Mitarbeiter trotz diesen "Anreizes" dem Stellenabbau widersetzen und nicht unterschreiben wollen?

Stellenabbau bei Daimler: Führungskräfte sollen Druck machen - Betriebsrat kritisiert Vorgehen scharf

Ein internes Papier von Daimler, das StN.de ebenfalls vorliegt, macht klar: Führungskräfte sollen Härte zeigen. Heißt im Klartext: Den Mitarbeitern von Daimler soll bei Gesprächen der Eindruck vermittelt werden, dass es keinen Verhandlungsspielraum gebe. Wegen der Corona-Krise geht der Konzern davon aus, dass weniger Mitarbeiter als bisher angenommen freiwillig das Unternehmen verlassen werden.

Genau dieses Vorgehen wird hart kritisiert. Denn es stehe "im krassen Widerspruch zu den Betriebsvereinbarungen" und sei deshalb sofort zu unterlassen - das schreiben Carmen Klitzsch-Müller, Chefin des Betriebsrats Zentrale, und ihr Stellvertreter Bernd Öhrler nach StN.de-Informationen an die Daimler-Mitarbeiter.

Führungskräfte bei Daimler sollen Druck auf Mitarbeiter ausüben - der Betriebsrat kritisiert das scharf.

Der Gesamtbetriebsrat geht noch einen Schritt weiter und fordert einen Stopp der Abfindungsangebote von Daimler zum jetzigen Zeitpunkt. Die Alternative? Man solle sich auf Altersteilzeit und natürliche Fluktuation konzentrieren.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

Das könnte Sie auch interessieren