Autohersteller will Kosten einsparen

Daimler in der Krise: Bald Schließung deutscher Werke? Konzern äußert sich 

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Das Smart-Werk in Frankreich steht bereits zum Verkauf. Doch das Sparprogramm reicht noch nicht aus. Folgen Schließungen auch in Deutschland? Das sagt Daimler.

  • Daimler steckt in der Krise und muss sparen.
  • Das Smart-Werk in Hambach in Frankreich steht bereits zum Verkauf.
  • Trennt sich der Autohersteller von weiteren Werken?

Daimler in Stuttgart: Verschärfter Sparkurs – welche Folgen hat das für deutsche Werke?

Update vom 6. August: Die Corona-Krise sorgt für tiefrote Zahlen bei Daimler und zwingt den Autobauer zur Verschärfung seines Sparkurses. Im zweiten Quartal fuhr der Konzern rund zwei Milliarden Euro Verlust ein.

Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht hatte erst kürzlich mitgeteilt, er erwarte weitere Einschnitte bei dem Autokonzern. Und auch die Welle der Dieselklagen gegen den Autobauer in Stuttgart nimmt kein Ende. 

Stuttgart: Schließung weiterer Daimler-Werke – das sagt der Konzern dazu

Wie geht es weiter bei Daimler? Anfang Juli hatte die Mercedes-Benz AG angekündigt, den Verkauf ihres Smart-Werks im französischen Hambach zu prüfen. "Wir können bestätigen, dass INEOS Automotive ein potentieller Käufer sein kann und wir Gespräche führen", teilte ein Sprecher auf echo24.de-Nachfrage mit. Weiter wolle man sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern. Mittlerweile soll der Verkauf des Werks in Frankreich fix sein

Ineos Automotive, eine Tochterfirma des britischen Chemieunternehmens Ineos, will 2021 mit der Produktion eines großen allradgetriebenen Geländewagens namens Grenadier beginnen.

Zur möglichen Schließung weiterer Daimler-Werke allerdings wollte man nichts sagen. "Zu Spekulationen äußern wir uns grundsätzlich nicht", heißt es lediglich von Konzernseite.

Daimler in der Krise: Das plant der Autobauer aus Stuttgart für die Zukunft

Lieber spricht man bei Daimler über die positiven Ereignisse in der kommenden Zeit – zum Beispiel über die Premiere der neuen S-Klasse. "Außerdem konzentrieren wir uns auf weitere Meilensteine der 'Ambition2039' auf dem Weg zum CO2-neutralen Unternehmen", so ein Sprecher.  Dazu zähle auch die Elektrifizierung aller Modellvarianten und Fahrzeugtypen.

Daimler/Stuttgart: Folge der Krise - Werksschließungen auch in Deutschland? 

Update vom 23. Juli: Die Krise hat Daimler weiterhin fest im Griff und es wird immer deutlicher, dass das Sparprogramm vom vergangenen Herbstbei Weitem nicht ausreichen wird. Entsprechend müssen die Einsparungen deutlich größer ausfallen als angenommen. Neben dem Abbau von 30.000 Stellen weltweit prüft Daimler auch die Schließung von Werken und macht dabei offenbar auch nicht vor Standorten in Deutschland halt. 

Neben den Werken in Brasilien, dem neuen Motorenwerk im polnischen Jawor sowie der gemeinsamen Produktion mit Nissan in Aguascalientes in Mexiko stehen auch drei Standorte in Deutschland vor dem Aus. So könnten laut dem Manager Magazin die Komponenten-Werke in Berlin und Hamburg, aber auch die Van-Fertigung in Ludwigsfelde in Brandenburg schließen.

Daimler in Stuttgart: Folge der Krise - Müssen weitere Werke schließen?

Erstmeldung vom 20. Juli: Mit dem neuen Daimler-Chef Ola Källenius möchte man dieser Tage sicher nicht den Job tauschen. Schon vor der Corona-Krise arbeitete der Schwede eifrig daran, den Stuttgarter Automobilkonzern für die Zukunft wieder fit zu machen.

Doch schon auf der Hauptversammlung wehte ihm heftiger Gegenwind ins Gesicht. Nur wenige Tage später wurde bekannt, dass das Sparprogramm, was Källenius Daimler im Herbst vergangenen Jahres verordnet hat, nicht reichen wird.

Daimler in Stuttgart: Einigkeit mit Ineos Werks-Verkauf

Der Vorstands-Vorsitzende muss also weiter sparen und dabei nutzt der Schwede alle Möglichkeiten, die er hat. Dass er auch vor dem Verkauf von Werken nicht zurückschreckt, hat Källenius bereits beweisen. Denn das Smart-Werk in Hambach in Frankreich, soll schon bald den Besitzer wechseln.

Geht es nach dem Manager, ist der Käufer der britische Ineos-Konzern, der dort künftig Geländewagen bauen möchte. Wie das Handelsblatt aus dem Umfeld der Verhandlungen erfahren hat, ist man sich bereits handelseinig.

Daimler in Stuttgart: Weitere Werke droht Schließung

Gut möglich, dass das Werk in Frankreich nur die erste Produktionsstätte von Daimler im Ausland ist, die veräußert oder geschlossen wird. Zwar gibt es hier noch keine Entscheidung, aber die Kürzung der Kapazitäten ist ein Thema, das intern besprochen wird. "So eine Entscheidung fällen wir nicht leichtfertig", erklärt ein Daimler-Manager dem Handelsblatt.

Ola Källenius Ankündigung das Smart-Werk in Frankreich zu Verkaufen kam überraschend.

Allerdings gibt es bereits Kandidaten von den Daimler sich nur allzu gerne trennen würde. Da wäre zum einen die Pkw-Montage im brasilianischen Iracemápolis, in das die Schwaben 2016 noch 145 Millionen Euro investiert hatten.

Daimler in Stuttgart: Drei Kandidaten für Schließung

Das Werk soll aber bereits vor Corona "betriebswirtschaftlich grenzwertig" gewesen sein. Hinzu kommt die instabile politische Lage im Land und eine Währung, die immer wieder abstürzt.

Doch auf das Symbol der einstigen Wachstumsträume kann Daimler inzwischen verzichten. Zumal dort lediglich 20.000 Autos der Modelle GLA und C-Klasse gebaut werden. Der wirtschaftliche Schaden hält sich demnach in Grenzen, wie es aus Konzernkreisen heißt.

Zudem stehen die Gemeinschaftsproduktion mit Nissan in Mexiko und das Werk in Südafrika auf der Liste der Standorte, die Daimler schließen könnte. 

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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