Dieselskandal bei Daimler

Daimler vor nächster Klagewelle im Diesel-Skandal – jetzt kann es richtig teuer werden!

  • Simon Mones
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Stuttgart: In Nordamerika hat sich Daimler mit einem Vergleich viel Ärger erspart. Doch nun droht in Europa schon wieder Ärger.

  • In Nordamerika hat Daimler wegen des Dieselskandals einen Vergleich geschlossen.
  • Doch jetzt droht neuer Ärger aus Europa.
  • Auf den Autobauer aus Stuttgart könnten erneut Kosten in Milliardenhöhe zukommen.

Daimler/Stuttgart: Ärger um Dieselskandal - Wird's richtig teuer?

Gerade erst hat sich Daimler in Nordamerika mit Behörden und Verbrauchern auf einen Vergleich in Höhe von rund zwei Milliarden Euro geeinigt, da droht in Sachen Dieselskandal schon wieder Ungemach. Denn in Großbritannien gewinnt das Thema langsam an Relevanz und Daimler steht inzwischen im Mittelpunkt. 

Der Grund: Mehrere Verbraucherkanzleien bereiten laut der FAZ Sammelklagen für Mercedes-Fahrer vor, die auf Schadensersatz spekulieren. Sammelklagen, wie es sie auch schon in Deutschland gegen Volkswagen gab. In Großbritannien geizt man dabei nicht mit Superlativen. 

Eine schottische Anwaltskanzlei spricht laut der FAZ von der Sammelklage "mit dem höchsten Volumen in der schottischen Rechtsgeschichte". Ähnlich sieht es in anderen Teilen der Vereinigten Königreichs aus. Dabei ist die Rede von einer Million Dieselfahrern in England und Wales und einer möglichen Entschädigung in Höhe von 100.000 Pfund. Umgerechnet sind das etwa 110.875 Euro, Daimler droht in diesem Fall also erneut ein Milliardenbetrag als Folge des Dieselskandals.

Daimler/Stuttgart: Drohen Sammelklagen in Großbritannien? Konzern reagiert gelassen

In der Konzernzentrale in Stuttgart reagiert man hingegen gelassen, auf das, was sich auf anderen Seite des Kanals zusammen braut: "Wir halten die vorgebrachten Ansprüche für unbegründet und werden uns gegen eine Group Action mit allen juristischen Mitteln verteidigen."

Ein Satz, der in Bezug auf Dieselverfahren öfters von Daimler zu hören war - und doch hat der Automobilkonzern aus Stuttgart in Nordamerika vor knapp zwei Wochen einmal nachgegeben. Mit dem Vergleich ist Daimler gleich eine Reihe von Verfahren losgeworden.

Bei Daimler findet man deutliche Worte.

Doch nur rund ein Drittel der Summe kommt auch wirklich bei den Mercedes-Kunden an. Und ob die Zahlung mit einem Schuldeingeständnis einhergeht oder nur aus Kulanz passiert, ist auch noch nicht bekannt. Denn die zuständigen Gerichte und Behörden müssen diesem erst zustimmen - und das kann dauern.

Daimler/Stuttgart: Volkswagen-Prozess 2.0? Wieder Ärger um Diesel-Skandal

Doch das scheint die Kanzleien in Großbritannien nicht zu interessieren. Im Gegenteil: Durch den Milliarden-Vergleich von Daimler sehen sich diese darin bestärkt, Dieselfahrer für ihre Sammelklagen zu werben. Außerdem wäre da ja noch der Fall VW aus dem Frühjahr, als der High Court in London feststellte, das beim Dieselmotor EA189 illegale Abschalteinrichtungen verbaut wurden.

Und genau das wirft das Kraftfahrtbundesamt (KBA) auch Daimler vor. Allerdings lassen die Angaben des KBA auch Zweifel an den Zahlen der britischen Kanzleien aufkommen. Denn das Gesamtvolumen des Rückrufs, den die Behörde für Daimler veranlasst hatte, betrug 1,4 Millionen Autos. Für ganz Europa. Es ist also mehr als fraglich, dass in Großbritannien alleine eine Million Mercedes-Fahrer betroffen sind.

Daimler/Stuttgart: Nach Dieselskandal droht jetzt der Benzinskandal?

Ein erneuter Vergleich würde Daimler wohl schwer treffen, auch wenn der Konzern im vergangenen Jahr bereits Rücklagen gebildet hat. Wie hoch diese sind, dazu möchte man sich in Stuttgart nicht äußern: "Die Veröffentlichung unserer Einschätzungen könnte das Ergebnis der Verfahren beeinflussen." Nach dem Milliardenverlust, den Daimler zuletzt verbuchen musste, wäre das allerdings ein weiterer schwerer Schlag.

Zudem betont man in Stuttgart, dass die Verfahren nicht vergleichbar seien, da es sich um andere Autos mit gänzlich anders konzipierten Abgassystemen handelt. Außerdem darf man gespannt sein, ob auf Daimler nicht noch mehr Ärger zukommt. Denn Audi und Porsche müssen sich gerade auch mit Manipulationen bei Benzinmotoren beschäftigen. Nach all den Problemen und Skandalen scheint es für Daimler AG wieder bergauf zu gehen. Zuerst wird eine neue Fabrik eröffnet, dann wird die neue S-Klasse vorgestellt. Trotzdem spricht Ola Källenius über eine andere Produktionsstätte.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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