Harte Sparmaßnahmen

Daimler auf Sparkurs: Jetzt drohen tausende Stellenstreichungen!

Vor einem Treffen im Bundeskanzleramt gibt es in der Politik Forderungen, die Autoindustrie als Schlüsselbranche mit Hunderttausenden Jobs in Deutschland stärker zu unterstützen. Foto: Silas Stein/dpa
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Daimler muss sparen. Das Werk in Untertürkheim ist davon besonders stark betroffen.
  • Simon Mones
    vonSimon Mones
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Daimler steckt in der Krise und muss sparen. Jetzt gibt es Ärger um ein Werk in Stuttgart.

Weltweit befindet sich die Automobilbranche in einem Umbruch. Die Zeit der klassischen Verbrennmotoren ist abgelaufen! Hersteller wie Tesla haben die Zeichen der Zeit bereits frühzeitig erkannt und voll auf die Elektromobilität gesetzt. Doch im Heimatland des Autos wurde die Entwicklung weitestgehend verschlafen.

Erst jetzt beginnen Audi - mit dem Projekt Artemis - und Daimler die Aufholjagd mit zum Teil dramatischen Folgen. Daimler musste bereits im vergangenen Sommer ein umfassendes Sparprogramm auflegen, dass während der Corona-Krise noch einmal verschärft wurde. Nicht zuletzt, weil das Traditionsunternehmen aus Stuttgart einen Milliardenverlust verzeichnete.

Daimler/Stuttgart: Harte Sparmaßnahmen - auch in Untertürkheim

Intern wurde sogar darüber nachgedacht, sich von einigen Standorten zu trennen, auch in Deutschland. Gemeinsam mit den Werken versucht Daimler nun herauszufinden, wie die Zukunft der Standorte aussehen könnte und wie diese ihren Beitrag zu den Sparmaßnahmen leisten können.

Besonders hart könnte es dabei die Produktionsstätte in Stuttgart-Untertürkheim am Firmensitz von Daimler treffen. Das geht zumindest aus einem Papier hervor, das der Betriebsrat am Dienstag an die Mitarbeiter verschickt hat. Der Stuttgarter Automobilkonzern verlangt laut einem Bericht von StN.de, dass bis zum Jahr 2025 etwa 4000 Stellen abgebaut werden.

Daimler/Stuttgart: E-Autos statt Verbrennern - Neuer Fokus für Werk in Untertürkheim

Denn der Standort ist Daimler zu teuer, daher sollen mehre Teile der Produktion ins Ausland verlagert werden. Zudem hat die Konzernführung dem Betriebsrat zufolge angekündigt, keine Investitionen mehr in die Verbrennmotoren zu tätigen. Daimler-Chef Ola Källenius hatte ohnehin unlängst angekündigt, dass die Zukunft von Mercedes-Benz in der Elektromobilität liegt. Auch andere vereinbarte Produkte sollen nun nicht mehr in Untertürkheim gefertigt werden, das Werk würde somit weniger stark ausgelastet wie bisher.

Daimler hat ohnehin andere Pläne mit dem Standort: Statt dem aktuellen Fokus auf den Verbrennungsmotoren soll das Werk zu einem „Entwicklungs- und Befähigungsstandort für Elektromobilität“ werden. Künftig sollen dort Batteriezellen gefertigt werden, die bisher bei chinesischen Herstellern eingekauft werden. Damit folgt Daimler dem Vorbild von Porsche. Die Sportwagenschmiede möchte künftig auch selbst Batterien für seine E-Autos bauen.

Daimler/Stuttgart: Betriebsrat von Forderungen überrascht

Zudem bekam das Werk - das wegen seiner Abhängigkeit von den Verbrennungsmotoren besonders stark vom Wandel zur Elektromobilität betroffen ist - im vergangenen Jahr den Zuschlag, künftig den elektrischen Antriebsstrang für die E-Autos zu fertigen.

Die neuen Forderungen überraschen den Betriebsrat in Untertürkheim dennoch. „Das entspricht weder unseren Vereinbarungen noch dem Leitwerkgedanken“, erklären die Arbeitnehmervertreter in dem Schreiben. Den Vorschlag aus der Konzernzentrale in Stuttgart ist laut dem Betriebsrat „ein Katalog voller Provokationen, der für uns nicht infrage kommt“.

Daimler/Stuttgart: Veränderungen unumgänglich

Daimler wiederum teilte auf Anfrage von StN.de mit, dass die Produktion für Antriebstechnologie auf „Electric First" ausgerichtet werde. Entsprechend müssten auch strukturelle Veränderungen vorgenommen und die Kapazitäten und Fertigungsumfänge neu ausgerichtet werden.

Aus Stuttgart heißt es dazu: „Für den Standort Untertürkheim sowie die anderen Powertrain-Standorte werden Wege zur Umstellung der Wertschöpfung im Rahmen der Transformation erarbeitet.“ In der kommenden Woche sollen die Gespräche fortgesetzt werden.

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