Smart-Werk in Hambach

Daimler-Werk vor Verkauf: Angebot liegt vor – jetzt kann es ganz schnell gehen!

  • Simon Mones
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  • Isabel Ruf
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Das Daimler-Werk in Hambach soll verkauft werden. Jetzt könnte es ganz schnell gehen.

  • Der Smart fortwo wird aktuell in Hambach in Frankreich gebaut, künftig soll er aber in China produziert werden.
  • Laut Medienberichten ist der Verkauf des Daimler-Werks in Hambach fast fix. 
  • Die Mitarbeiter fühlen sich verraten. Eine Tatsache macht sie besonders wütend.

Daimler-Werk im Hambach vor Verkauf: Erstes Angebot - Geht's jetzt schnell?

Update vom 27. August: Die Spatzen hatten es bereits von den Dächern gepfiffen, jetzt ist klar: Der Verkauf des Smart-Werks im französischen Hambach ist so gut wie eingetütet. Die Gespräche mit dem britischen Petrochemiekonzern Ineos sind weit fortgeschritten und  gestalten sich laut Daimler positiv.

Ineos Automotive hat bereits ein verbindliches Kaufangebot für Smart France an Daimler übermittelt. Wie die Automobilwoche berichtet, sieht auch Ineos selbst den Verkauf kurz vor dem Abschluss. Über die Höhe des Kaufangebots äußerten sich die Briten nicht. Bevor eine finale Entscheidung getroffen werden kann, müssen laut Daimler erst die Gespräche mit den Arbeitnehmern abgeschlossen werden. Die 2018 ankündigten Investitionen in Höhe von 500 Millionen Euro, sind laut Spiegel weitestgehend getätigt.

Verkauf von Daimler-Werk jetzt fix? – Hambach-Mitarbeiter sind sauer

Update vom 12. August: 1600 Mitarbeiter sind betroffen, wenn Daimler das Smart-Werk im französischen Hambach verkauft oder gar schließt. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, steht der Verkauf des Werkes, in dem inzwischen ausschließlich die Elektro-Version des Smarts gebaut wird, fest. Auf echo24.de-Nachfrage wollte ein Daimler-Sprecher keine Stellung zu dem SZ-Bericht nehmen.

Daimler-Chef Ola Källenius begründete den geplanten Verkauf im Juli mit der Elektrifizierung und Digitalisierung, in die investiert werden sollte. Dafür muss gerade der Standort Hambach, an dem nur das Elektroauto gebaut wird, weichen. Ob der Sparkurs Schließungen weiterer Werke nötig macht, darüber wird bislang nur spekuliert. In China soll künftig – bereits ab 2022 – unter der Marke Smart ein neues Auto gebaut werden. In der neuen "Factory 56" in Stuttgart-Sindelfingen wird währenddessen die neue S-Klasse produziert.

Daimler AG in Stuttgart: Nach all den Problemen und Skandalen scheint es für den Autohersteller wieder bergauf zu gehen. Zuerst wird eine neue Fabrik eröffnet, dann wird die neue S-Klasse vorgestellt. Trotzdem spricht Ola Källenius über eine andere Produktionsstätte.

Daimler-Werk in Hambach: "Verrat!" – Harsche Kritik an Konzernchef Ola Källenius

Der Gewerkschaftsvertreter Emmanuel Obiegala erklärt gegenüber der SZ, man fühle sich verraten und verkauft. Bei Demonstrationen nahe Hambach riefen die Mitarbeiter: "Daimler, Verrat!". Es geht auch um die Ereignisse 2015. Damals hatte Daimler zur Sicherung des Standorts Hambach von den Beschäftigten gefordert, ohne vollen Lohnausgleich mehr zu arbeiten. Nach einem Aufschrei unterschrieben letztendlich fast alle, um ihren Job zu sichern. 

Dem Konzernchef Ola Källenius wirft Obiegala in der SZ vor, ihn würden nur die Finanzen interessieren. Dabei ginge es bei dem Standort Hambach nicht nur um das Thema Elektroautos: "Die Fabrik an der Grenze von Frankreich und Deutschland sollte der Beweis sein, dass Europa über das Politische hinausging", schreibt die Süddeutsche Zeitung

In Hambach wird Kritik an Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, laut.

Stuttgart/Hambach: Verkauf von Daimler-Werk – Zwei Drittel der Mitarbeiter potenziell ohne Job

Doch die Verkaufszahlen des Smart sind weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Die 1600 Beschäftigten in Hambach sorgen sich jetzt um ihre Zukunft. Der mögliche Käufer Ineos hatte nämlich angekündigt, 500 Arbeitsplätze zu schaffen – also weit weniger. Obiegala hält fest, dass viele der in Hambach Beschäftigten Angst hätten, Ineos würde den Kauf noch einmal überdenken. 

Für die Mitarbeiter zählt nur noch, ihren Job zu retten. "Außer Ineos will uns keiner" sagt Obiegala gegenüber der Süddeutschen Zeitung – und weiter: "Wir sind bereit, alles zu machen. Fahrräder, Rasenmäher, egal. Alles, was uns Arbeit gibt." Demnach könnten übrigens auch Zulieferer wie Mahle oder Thyssenkrupp betroffen sein. Diese bringen ihre Teile direkt ans Band und sind so in das Werk Hambach integriert. 

Daimler: Werk in Frankreich vor Verkauf - Ineos bekundet Interesse!

Update vom 8. Juli: So überraschend wie Daimler am Freitag den Verkauf der Smart-Fabrik in Hambach verkündete, so schnell hat sich auch schon ein potenzieller Käufer gefunden. Und den würden man zunächst eigentlich nicht mit einer Autofabrik in Verbindungen bringen.

Bei dem Interessenten handelt es sich um den britischen Petrochemie-Konzern Ineos, der einen eigenen Geländewagen nach dem Vorbild des "Land Rover Defender" auf den Markt bringen will. Aus diesem Grund prüft das Unternehmen eine Übernahme des Daimler-Werks in Frankreich. 

Daimler: Entscheidet sich Ineos für Frankreich statt Wales?

"Als Ergebnis der Covid-19-Pandemie haben sich neue Optionen wie diese ergeben, die uns vorher einfach nicht zur Verfügung standen", erklärt Ineos-Automotive-Chef Dirk Heilmann dem Manager Magazin. Auch Daimler bestätigt, "dass Ineos ein potenzieller Käufer sein kann und wir Gespräche führen werden."

Der Grenadier sieht aus wie ein Land Rover, ist aber keiner.

Ursprünglich wollte der Ineos-Konzern - der vom Milliardär und Brexit-Befürworter Jim Ratcliff geführt wird - den Geländewagen in Wales fertigen und dort 500 Arbeitsplätze schaffen.  Die Karosserie wiederum hätte aus einem Werk in Portugal kommen sollen. In den nächsten Wochen will sich Ineos laut Heilmann intensiv mit der Option in Frankreich beschäftigen. Die Arbeiten in Portugal und Wales bleiben - wie seit der Corona-Krise - unterbrochen.

Daimler: Werk in Hambach (Frankreich) vor Verkauf - Wie geht es mit Smart weiter?

Erstmeldung vom 6. Juli: Manchmal geht es in der Automobilbranche ganz schnell. So auch am Freitag, als Daimler erst ankündigte, dass man beim chinesischen Batterie-Spezialisten Frasis einsteigt und nur wenige Stunden später erklärte, man wolle sich von einem Werk in Lothringen trennen.

Der Standort in Hambach produziert seit dem 27. Oktober 1997 Autos für Daimler, seit 2019 wird dort der Smart EQ fortwo gebaut. Dieser soll aber künftig in Zusammenarbeit mit dem Automobilhersteller Geely in China gefertigt werden. 

Daimler: Ola Källenius will Produktionsnetzwerk optimieren

Doch warum nimmt Daimler erst viel Geld in die Hand, um in Batterie-Technik zu investieren und will wenige Stunden später das Werk in Frankreich verkaufen? Eigentlich sollten dort in Zukunft elektrifizierte Kompaktwagen von Mercedes vom Band rollen.

Wie der Vorstandsvorsitzende von Daimler, Ola Källenius, betont, sollt der Umbau des Unternehmens mit Blick auf Elektrifizierung und Digitalisierung auch künftig konsequent fortgesetzt werden. "Zusätzlich führen die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Wirtschaft zu neuen Rahmenbedingungen im Markt und in diesem Zusammenhang optimieren wir unser globales Produktionsnetzwerk", erklärt der Schwede in einer Pressemitteilung.

Daimler: Aktueller Smart soll weiter in Hambach gebaut werden

Über den genauen Zeitplan für die Verkaufsgespräche des Werks in Hambach äußerte sich Daimler allerdings nicht. "Ein wichtiges Ziel ist für uns, die Zukunft des Standortes zu sichern", sagt Daimlers-Forschungsvorstand Markus Schäfer. "Weitere Prämisse: Die aktuellen smart Modelle sollen weiter in Hambach produziert werden."

Das Werk in Hambach spielt in den Planungen von Daimler keine Rolle mehr.

In Frankreich zeigt man sich dennoch wenig begeistert von den Plänen des Stuttgarter Automobilkonzerns. Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire forderte, dass sich Daimler alle Optionen offen halten sollte. Also auch den Standort zu behalten, denn die Fabrik in Lothringen sei wie automobil-produktion.de berichtet "ein symbolischer Standort" für die deutsch-französischen Industriebeziehungen.

Daimler: Automobil-Branche in der Krise

"Die Beschäftigten haben immer den sozialen Dialog vorgezogen, um die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Fabrik zu gewährleisten", erklärt Le Mair. Doch wie viele andere Automobilkonzerne steckt auch Daimler aufgrund der sinkenden Nachfrage in der Krise.

Während der Corona-Krise musste Daimler deswegen seine Werke zwischenzeitlich schließen und seine Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Seinen Aktionären möchte der Automobilkonzern aus Stuttgart aber dennoch eine Dividende auszahlen. Über die Höhe soll auf der anstehende  Jahreshauptversammlung abgestimmt werden. 

Rubriklistenbild: © Yoan Valat/EPA/dpa

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