Hauptversammlung bei Daimler

Daimler in der Krise: Droht auf der Hauptversammlung ein Aktionärs-Beben?

  • Simon Mones
    vonSimon Mones
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Etwas später als geplant findet am Mittwoch die Daimler Hauptversammlung statt. Doch es droht ein Aufstand der Aktionäre!

  • Am Mittwoch, 8. Juli, findet die Daimler Hauptversammlung statt.
  • Der Automobilkonzern befindet sich in der Krise.
  • Die Hauptversammlung droht zur Zerreißprobe zu werden.

Daimler in der Krise: Droht auf der Hauptversammlung ein Aktionärs-Beben?

Es ist so weit: Zum ersten Mal stellt sich der neue Daimler-Chef Ola Källenius auf der Hauptversammlung den Aktionären. Doch seine Premiere könnte für den Schweden alles andere als angenehm verlaufen, denn viele Aktionäre sind mit der Situation von Daimler nicht zufrieden.

Wegen der Corona-Pandemie findet diese etwas später statt als ursprünglich geplant und rein virtuell. Källenius kann seine Widersacher also nicht sehen. Das wäre bei rund 40.000 Anlegern die sich zu Hauptversammlung angemeldet haben, ohnehin schwierig geworden.

Daimler: Schlechte Zahlen, doch Corona ist nicht das Hauptproblem

Diese Zahl zeigt aber auch das Ausmaß der Krise, in der sich Daimler befindet und das nicht erst seit Beginn der Corona-Pandemie. Doch wirklich geholfen hat sie dem Autobauer aus Stuttgart allerdings auch nicht. Zwar waren die Zahlen 2019 schon schlecht - unter dem Strich blieben nur 2,4 Milliarden Euro hängen, im Jahr davor waren es noch dreimal soviel - doch durch die Corona-Krise dürfte sich die Situation noch verschärfen.

Bereits im ersten Quartal brach der Umsatz wegen mangelnder Nachfragen und dem Produktionsstopp um 78 Prozent ein. Im zweiten Quartal hat sich die Situation insbesondere bei Mercedes etwas gebessert, sodass Daimler in den globalen Auslieferungen im Juni bereits wieder leicht über dem Vorjahresniveau lag. "Das bisher beste zweite Quartal von Mercedes-Benz in China zeigt die beeindruckende Geschwindigkeit, mit der sich die Nachfrage in unserem größten Markt zurzeit erholt", sagte Källenius und hofft auf eine ähnliche Entwicklung auf den anderen Märkten. 

Insgesamt hat Daimler aber auch im zweiten Quartal weniger Autos als noch im Vorjahr abgesetzt. Die roten Zahlen konnte der Automobilkonzern aus Stuttgart in diesem Quartal jedoch nicht vermeiden. Dennoch will Daimler seinen Anlegern eine Dividende auszahlen, die fällt mit 90 Cent deutlich geringer aus als in den Vorjahren. Doch die Probleme von Daimler hängen nicht nur damit zusammen, sondern sind hausgemacht.

Daimler: Wichtige Themen wurden verschlafen - E-Mobilität und Software

Denn Daimler hat schon vorher wichtige Themen wie die E-Mobilität und Software schlicht verschlafen. Hinzu kommen der Dieselskandal - für den Daimler laut der Tagesschau rund 4,9 Milliarden Euro zurückgestellt hat - und hohe Personalkosten

Doch das alles dem Schweden anzukreiden wäre falsch, haben die Probleme des Automobilkonzerns aus Baden-Württemberg ihren Ursprung doch schon in derÄra von Dieter Zetsche, der bis vor einem Jahr die Geschicke von Daimler leitete."Die Altlasten der Ära Zetsche drohen Daimler zu erdrücken", sagt Janne Werning von Union Investment.

Daimler: Neuer Chef  - Källenius krempelt den Laden um

Källenius indes nimmt diese Themen wesentlich ernster als sein Amtsvorgänger und blies zur Elektro-Offensive. Auf Dauer sollen Diesel und Benziner ganz verschwinden. Doch Daimler kommt hier der Nachfrage nicht hinterher und musste jüngst einen Bestellstopp für seine EQ-Modelle verhängen. Außerdem verkündete Daimler eine Zusammenarbeit mit dem US-Tech-Konzern Nvidia.

Ola Källenius hat bei Daimler seit einem Jahr das sagen.

An der Personal-Front möchte der Schwede mit dem Sparprogramm "Move" bis 2022 mindestens 10.000 Stellen streichen und somit 1,4 Milliarden Euro an Personalkosten einsparen. Doch es gilt als wahrscheinlich, das es wegen der E-Mobilität mehr Entlassungen geben wird, da die Elektromobilität weniger komplex ist als der klassische Verbrenner.  Darüber hinaus hatte der bisherige Sparkurs keine weltweite Rezession berücksichtigt. "Deswegen schärfen wir unseren Kurs nach", sagte Källenius auf der Hauptversammlung. Auch bei den Produktionsstätten möchte der neue Daimler-Chef sparen, so soll ein Werk in Frankreich verkauft werden. 

Daimler: Scheitert die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat?

All diese Versäumnisse und der Rückstand auf Tesla in Sachen Zukunftsthemen der Automobilindustrie haben viele Anleger verärgert. Die Fondsgesellschaft DWS hatte schon vor einigen Tagen ankündigt, sich bei der Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat zu enthalten. Wie Tagesschau und Süddeutsche Zeitung berichten, wollen auch Union Investment und der Verband der kritischen Aktionäre bei beiden Entscheidungen enthalten. Eine Empfehlung, die auch der Aktionärsberater Glass Lewis teilt.

Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Deka beton laut der SZ: "Wir blicken zurück auf ein verlorenes Jahr für Daimler und seine Aktionäre. Drei Gewinnwarnungen zeigen das Ausmaß der Krise und die Anfälligkeit des Geschäftsmodells. In den guten Jahren wurde falsch investiert." Allerdings wolle man sich nur bei der Entlastung des Vorstands enthalten. 

Daimler: Klappt Zetsche Rückkehr?

Dem aktuellen Management spricht er "einen hohen Vertrauensvorschuss" aus, um die Altlasten aus der Ära Zetsche zu beseitigen. Das sei ihm allerdings nicht leicht gefallen, da Källenius als ehemaliger Vorstand für Forschung und Entwicklung mit an der aktuellen Situation beteiligt ist, aber das neue Management von Daimler beweise "mehr Realitätsbezug".

Dass Zetsche aber wie geplant im kommenden Jahr als Chef des Aufsichtsrats zurückkehrt in den Daimler-Konzern, lehnt Speich ab. Zum einen kommt der Ex-Daimler-Chef aus der Verbrennerwelt und symbolisiere den viel zu späten Wandel des Konzerns. Zum anderen sind die vielen offenen Rechtsverfahren für Zetsche "ohne Interessenkonflikt nicht zu lösen."

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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