Testbasierte Öffnungen

Öffnungen im Corona-Hotspot? Crailsheim will Modellstadt werden

Eine Kundin mit FFP2-Maske schaut sich Kleidungsstücke in einem Bekleidungsgeschäft in der Innenstadt an (Symbolbild)
+
Eine Kundin mit FFP2-Maske schaut sich Kleidungsstücke in einem Bekleidungsgeschäft in der Innenstadt an (Symbolbild)
  • vonChristina Rosenberger
    schließen

Kann auch in einer Corona-Hotspot-Region der Einzelhandel öffnen? Die Stadt Crailsheim sagt „JA!“ - und hat einen Plan...

Es klingt verrückt – ist aber kein Scherz: Im Landkreis Schwäbisch Hall liegt die Corona-Inzidenz momentan bei über 350 – und mittendrin Crailsheim. Seit mehreren Wochen gehört die Stadt zu den Spitzenreitern der Corona-Hotspots in Deutschland. Das heißt, während in anderen Regionen zumindest zeitweise der Einzelhandel wieder öffnen durfte, blieben hier die Geschäfte weiter zu.

Deshalb will Crailsheim jetzt reagieren und genau das versuchen, was Tübingen vormacht: Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer hat der Landesregierung in einem Schreiben vorgeschlagen, eine „Modellstadt Crailsheim“ zu schaffen. Genau wie in Tübingen sollen dabei Einzelhandel, körpernahe Dienstleistungen, Sport- und Fitnessstudios, Gastronomie und Hotellerie öffnen dürfen – und sogar Kinos oder Museen sollen besucht werden können – mit einer engmaschigen Schnelltest-Strategie.

Crailsheim als Modellstadt: Bald wieder Kinobesuche im Hotspot?

Ziel sei es, „mit einer kontrollierten Wiedereröffnung eine Abmilderung des Inzidenzwertes zu erzielen“, schreibt Grimmer in einer Pressemitteilung. Der Weg basiere auf einem Anreizsystem, um die Menschen in der Region zum Testen zu motivieren – und so Infektionen in alltäglichen Lebensroutinen frühzeitig zu erkennen, um Infektionsketten zu unterbrechen.

Die Grundphilosophie ist hierbei, nicht den Weg der Angst und Einschränkung zu gehen, sondern den Weg des Muts und der Freiheit

Dr. Christoph Grimmer, Oberbürgermeister der Stadt Crailsheim

Und das müsste laut Grimmer auch in Crailsheim gehen – obwohl die Inzidenz so hoch ist, denn: Der Handel hat im Landkreis Schwäbisch Hall wegen der hohen Corona-Zahlen gar nicht erst aufgemacht – das heißt, er kann auch als Antreiber der derzeitigen Pandemiesituation ausgeschlossen werden.

Crailsheim als Modellstadt: Öffnungen würden nicht nur Gastro, Kultur und Einzelhandel helfen

Deshalb schlägt der Oberbürgermeister vor, eine Ausnahmeregelung von der Corona-Verordnung auszuprobieren, und mit besonders scharfen Hygienekonzepten in definierten Bereichen wieder zu öffnen. Die Impfzentren und die Bundeswehr sollen dabei helfen, die täglichen Testungen zu realisieren.

Mit dem Konzept „Modellstadt Crailsheim“ will Christoph Grimmer besonders den Branchen eine Perspektive bieten, die massiv von der Insolvenz bedroht sind. Er ist überzeugt: „Mit dieser klugen Lösung können wir den Bürgerinnen und Bürgern wieder einen wichtigen Teil des normalen Lebens zurückgeben.“ Gleichzeitig habe das Projekt den positiven Nebeneffekt, dass viel mehr getestet würde – und Infektionsherde eventuell schneller entdeckt werden könnten.

Crailsheim als Modellstadt: Öffnungen trotz Panne im Modellprojekt Tübingen?

Doch das Modellprojekt könnte auch in die Hose gehen. In Tübingen hat es bereits eine Panne gegeben: Corona-Tests zeigten ein falsches Ergebnis. Für Crailsheims Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer kein Grund, es nicht zu versuchen! Sollte sich das Infektionsgeschehen doch in eine falsche Richtung bewegen, so habe man es wenigstens versucht. Denn man dürfe nicht einfach so einfallslos weitermachen wie bisher, sondern müsse kreativ denken und lösungsorientiert handeln.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema