Tracing-App im Kampf gegen Corona

SAP und Telekom entwickeln im Eiltempo: Startdatum für Corona-Warn-App jetzt bekannt

  • schließen
  • Julia Cuprakowa
    Julia Cuprakowa
    schließen
  • Jason Blaschke
    Jason Blaschke
    schließen

Eine Corona-Warn-App soll helfen, die Covid-19-Pandemie in Deutschland unter Kontrolle zu behalten. Jetzt ist das Startdatum bekannt - und wichtige Details.

  • Auch in Deutschland wird es bald eine Corona-Tracing-App geben, die helfen soll, Infektionsketten aufzuspüren.
  • Bundesgesundheitsminister Jens Spahn äußert sich jetzt zu ersten Details und erklärt, wie die Corona-App funktionieren soll.
  • Der baden-württembergische Datenschutzbeauftragte äußert Bedenken in Bezug auf die Corona-App.

Baden-Württemberg: Corona-Warn-App von SAP und Telekom - Startdatum bekannt

Update vom 14. Mai: Jetzt könnte es doch schneller gehen als bisher gedacht! Eine Corona-Warn-App soll helfen, die Covid-19-Pandemie in Deutschland unter Kontrolle zu behalten - dafür arbeiten die beiden Großkonzerne SAP und Telekom im Auftrag der Bundesregierung zusammen. War Ende April noch nicht bekannt, wann die App auf den Markt kommen sollte (wir berichteten), soll es nun schon Mitte Juni so weit sein!

Aktuell befindet sich die Corona-Warn-App allerdings noch im Entwicklungsstadium - das berichtet der SWR. Wie kann es dann sein, dass die App bereits Mitte Juni startklar sein soll? Die Entwickler der App nutzen bereits existierende Konzepte, die schon für die EU entwickelt wurden. Was noch fehlt? Die Funktionen müssen für deutsche User angepasst werden.

Corona-Warn-App für Deutschland: Medizinische Daten sollen nur lokal gespeichert werden

Nach teils deutlicher Kritik wegen der geplanten Speicherung medizinischer Daten sollen alle Informationen nun nur auf dem Smartphone gespeichert werden. Zentral gespeichert wird nur ein positives Testergebnis auf Covid-19 - wenn der User es in der App einträgt. Diese Informationen wird dann an das RKI übertragen, falls der User zustimmt.

Und genau diese Funktion ist Herzstück der App. Denn: Sie läuft immer im Hintergrund und sucht über Bluetooth andere Smartphones in der Nähe, um festzustellen, mit welchen anderen Personen der User Kontakt hatte. Eine Liste mit diesen Daten wird dann mit einer Liste auf dem Server des RKI abgeglichen. Das Ziel: Sollte jemand auf der Liste mit dem Coronavirus infiziert sein (und diese Information in der App eintragen), bekommen alle Kontakte eine Warnnachricht und Hinweise, welche nächsten Schritte sie ergreifen sollen. 

Coronavirus-App: Das sagt der baden-württembergische Datenschutzbeauftragte dazu

Update vom 8. Mai: Eine Corona-Tracing-App für Deutschland? Ein brisantes Thema, mit vielen Fragen und Unklarheiten. Trotzdem scheint jetzt Bewegung in die Sache zu kommen. Hintergrund: Die beiden deutschen Großkonzerne Telekom und SAP sind mit der Entwicklung der neuen Coronavirus-App beauftragt worden. Trotzdem dämpft Stefan Brink, Datenschutzbeauftragter in Baden-Württemberg, die hohen Erwartungen an eine solche Warn-App und erklärt in den Badischen Neusten Nachrichten: "Da werden zu große Hoffnungen gehegt."

Die Großkonzerne Telekom und SAP sollen die Corona-App für Deutschland entwickeln. Doch schon jetzt gibt es heftike Kritik.

Brink begründet seine Stellungnahme mit der Tatsache, dass gerade in der besonders gefährdeten Coronavirus-Risikogruppe nur etwa die Hälfte oder ein Drittel der Menschen ein Smartphone besitzen. Neueste Studien kommen zu einem anderen Ergebnis. Beispielsweise die Initiative D21, die seit 2013 einmal jährlich den Digitalindex für Deutschland veröffentlicht. Die Studie schafft einen Überblick über den aktuellen Stand der Digitalisierung und untersucht deshalb auch die Offenheit der Deutschen gegenüber den neuesten Entwicklungen.

Coronavirus-App: Ab wie vielen Nutzern macht die Tracing-App überhaupt Sinn?

Demnach sind rund 79 Prozent der 60- bis 69-Jährigen und 45 Prozent der über 70-Jährigen online. Das berichtet haz.de in Bezug auf die Studie, die im starken Kontrast zu Brinks Meinung zur Coronavirus-App steht. Aber auch die Tatsache, dass die Anwendung auf freiwilliger Basis kommt, stellt den gesellschaftlichen Nutzen der App in Frage. Hintergrund: Etwa 60 Prozent der Deutschen Bevölkerung müsste die Tracing-App auf ihrem Handy benutzen, damit der Schutz vor Coronavirus-Infektionen funktioniert. Das berichtet die dpa in Bezug auf Expertenmeinungen.

Wenn es deshalb zu einem Misserfolg mit der Corona-App kommt, könnte die Regierung "zu Zwangsmaßnahmen umschwenken", erklärt Brenk. Maßnahmen, die er in seiner Funktion als baden-württembergischer Datenschutzbeauftragter kritisch sieht. Denn klar ist: Um mit der Anwendung Coronavirus-Infektionsketten zu verfolgen, müssen Nutzerdaten durch die App verarbeitet werden. Datenschutz? Bedenklich. Das ist er aber auch bei Facebook, WhatsApp und Co. ebenso der Fall - und das sind Dienste, die Millionen von Deutschen tagtäglich nutzen.

Corona-Tracing-App: Zwei Tech-Riesen übernehmen Entwicklung 

Update vom 29. April: Die Regierung organisiert die Entwicklung der deutschen Corona-Tracing-App neu. Nun sollen zwei deutsche Tech-Konzerne die Entwicklung der App übernehmen - Telekom und SAP. Die bisher schon in der Entwicklung beteiligte Institute aus Forschungseinrichtungen wie Fraunhofer und Helmholtz sollen Telekom und SAP weiter unterstützen. Auch der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik sind weiterhin mit an Bord, wie der spiegel.de berichtet. 

Die Auswahl der Entwicklungsfirmen fiel deshalb auf Telekom und SAP, weil es sich um zwei deutsche Großkonzerne handelt, die auf Augenhöhe mit Apple und Google über deren Schnittstellen für die Bluetooth-Tracing-Lösungen verhandeln könnten. Die Regierung strebt außerdem einen dezentralen Ansatz, was eine bessere Verknüpfung mit iPhones und den Smartphones mit Android-Betriebssystem erlauben wird. 

Coronavirus-App in Deutschland: Ab wann geht es los?

Ursprungsmeldung vom 27. April: Mehr als 30.000 Coronavirus-Infektionen allein in Baden-Württemberg (Stand: 27. April) - damit ist ein neuer Höchststand erreicht. Unlängst sagen Bund und Länder der Pandemie den Kampf an und versuchen, die Zahl der Neuinfektionen möglichst gering zu halten. Seit einiger Zeit tüfteln Experten deshalb an einer Corona-App, die helfen soll, Infektionsketten nachzuverfolgen. Aber insbesondere der Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, personenbezogene Daten zentral auf einem Server zu speichern, stößt auf heftige Kritik. Jetzt rudert der Minister zurück und spricht von einer Corona-App, welche die Daten der Nutzer nur dezentral auf dem eigenen Smartphone speichert.

Jetzt kommt sie doch: Die Corona-App, für die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn anfangs  heftig Kritik geerntet hat.

Hintergrund der Kehrtwende ist, dass die Nutzung der App freiwillig bleibt und die Menschen logischerweise nur dann mitmachen, wenn ihre Daten sicher sind. Bis die Coronavirus-App in Deutschland allerdings verfügbar ist, könnte es aber noch dauern. Auch Spahn nennt kein Datum und erklärt, er habe "immer darauf hingewiesen, dass es meistens ein, zwei, drei Wochen länger dauert, als manch einer öffentlich sagt, weil Datensicherheit und Datenschutz so wichtig sind". Allerdings spricht der Minister von einer zügigen Entwicklung in den nächsten Wochen. Hauptziel der Coronavirus-App bleibt, Infektionsketten frühzeitig zu erkennen und zu unterbrechen.

Coronavirus-App in Deutschland: Das kann die Anwendung

Das Prinzip hinter der Corona-App in Deutschland ist einfach. Wenn sich zwei oder mehrere App-Nutzer über einen längeren Zeitraum in der Nähe zueinander aufhalten, tauscht die App temporäre verschlüsselte Identitäten - anonym - aus. Meldet ein Nutzer eine Coronavirus-Infektion, werden die durch die Anwendung  identifizierten Personen über die App benachrichtigt. Spahn: "Die Kontaktperson erhält so eine entsprechende Warnung." Zudem soll eine weitere Funktion in die Anwendung integriert werden. Die Rede ist hier von einer Möglichkeit, die es Nutzern ermöglicht, ihre Daten anonym für Forschung und Qualitätssicherung dem Robert-Koch-Institut freizugeben.

Der Koalitionspartner SPD zeigt sich zufrieden mit Spahns Konzept. SPD-Digitalexperte Jens Zimmermann erklärt dazu: "Spahn hat gerade noch rechtzeitig seine Meinung geändert". Denn die Coronavirus-App kann in Deutschland nur dann Erfolg haben, wenn sie in der breiten Bevölkerung akzeptiert wird. Unabdingbar ist deshalb ein Konzept, das hohe Sicherheitsstandards für Nutzer gewährleistet. Für Zimmermann sind daher keine Kompromisse in puncto Datenschutz denkbar. Und auch die Grünen im Bundestag begrüßen Spahns Pläne und bezeichnen die App als "Einlenken in der letzten Kurve", wie Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz erklärt.

Kritik an der Coronavirus-App: "Kommt der Impfstoff noch vor der App?"

Notz spielt hier auf die Tatsache an, dass die Corona-App für Nutzer eigentlich früher hätte kommen müssen. Grund: Die Anwendung kann nur helfen, die kommenden Coronavirus-Infektionsketten aufzudecken. Zu spät, wenn man bedenkt, dass es laut Johns-Hopkins-Universität in Deutschland aktuell schon mehr als 150.000 bestätigte Corona-Infektionen gibt. FDP-Politiker Manuel Höferlin wird deshalb noch konkreter. Er spricht von einem schlechten Projektmanagement in der Bundesregierung und erklärt: "Das erneute Umschwenken vom zentralen zum dezentralen Modell kostet weitere wertvolle Zeit." Zeit, die es angesichts steigender Infektionszahlen in Deutschland nicht mehr gibt.

Vor allem aus der Opposition im deutschen Bundestag kommt die Corona-App viel zu spät. Führende Politiker finden dafür die passenden Worte.

Höferlin fordert in Focus Online deshalb eine pragmatische Lösung und ordentlich Tempo. "Sonst kommt der Impfstoff noch vor der Anwendung." Die Tatsache, dass die beiden Tech-Riesen - Google und Apple - jetzt eine gemeinsame Coronavirus-App entwickeln wollen, dürfte der deutschen Bundesregierung deshalb sehr gelegen kommen. Grund: Allein aus technischen Gründen ist Deutschland auf beide Unternehmen angewiesen, welche die Anwendung in ihren Stores für Nutzer zur Verfügung stellen müssten. Aber trotzdem ist jetzt bereits klar: "Eine solche App ist keine Wunderwaffe", wie IT-Expertin Ann Cathrin Riedel auf tagesschau.de erklärt.

Nützt eine Coronavirus-App in Deutschland jetzt überhaupt noch was?

Vor allem die Tatsache, dass die App-Nutzung freiwillig bleibt, stützt Riedels Aussage. Trotzdem kann die Anwendung in der andauernden Coronavirus-Pandemie durchaus sinnvoll sein. Solange es weder Medikamente noch Impfstoffe gegen Covid-19 gibt, muss die Ausbreitung der hoch ansteckenden Lungenkrankheit bestmöglich verhindert werden. Und wer weiß, wenn viele Nutzer in Deutschland die App verwenden, können einzelne Coronavirus-Maßnahmen eventuell entschärft werden. Gerade im Hinblick auf das strenge Kontaktverbot in Baden-Württemberg ist die App-Nutzung vielleicht auch jetzt durchaus noch sinnvoll und kann den Weg zurück in den regulären Alltag zumindest ebnen.      

Rubriklistenbild: © Pixabay

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema