Der Krieg gegen das Coronavirus

Stuttgart: In US-Armee Standorten gelten noch strengere Corona-Schutzmaßnahmen als in ganz BaWü

  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
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In Baden-Württemberg gilt seit heute eine Maskenpflicht in Supermärkten und im ÖPNV. An den Standorten der US-Armee gelten aber noch weitaus strengere Coronavirus-Schutzmaßnahmen.

  • In den US-Armee Standorten im Raum Stuttgart gelten strenge Coronavirus-Schutzmaßnahmen.
  • Die Armeeangehörigen sind in Gruppen eingeteilt, dass Infektionsrisiko soll dadurch minimiert werden.
  • Ein Student berichtet von seinem neuen, Coronavirus bedingten Alltag am US-Standort Böblingen.

Strenge Coronavirus-Schutzmaßnahmen auf Stuttgarter US-Armee Gelände

Um die Zahl der Coronavirus-Infektionen in Baden-Württemberg weiter einzudämmen, gilt seit heute eine Maskenpflicht in Läden und im ÖPNV. Oft stehen vor den Supermärkten deshalb Security-Mitarbeiter, die die Einhaltung der Schutzmaßnahmen überwachen. Weitaus strenger geht es in Böblingen zu, wo das große Einkaufszentrum auf dem Gelände der US-Armee von Elitesoldaten bewacht wird. Wer hier rein will, muss sich vorher an einer mobilen Waschstation die Hände waschen und desinfizieren.

Die Atemschutzmaske muss hier schon seit Wochen getragen werden. Zu diesem Zeitpunkt stand eine allgemeine Maskenpflicht in Baden-Württemberg noch gar nicht zur Debatte. Probleme oder Uneinsichtigkeit? Im Gegenteil, "Die Leute sind sehr respektvoll", erklärt der Elitesoldat Justin Nyce den Stuttgarter Nachrichten zu den hier geltenden Coronavirus-Schutzmaßnahmen. Regeln, die  an allen fünf US-Army-Standorten in Stuttgart und Böblingen gelten.

Strenge Coronavirus-Schutzmaßnahmen an US-Army-Standorten: Das sind die Hintergründe

Denn hier gab es seit Ausbruch der Krise die meisten Coronavirus-Infektionen an einem US-Standort außerhalb der Vereinigten Staaten. Daher auch die radikalen Schritte, die über das allgemein geltenden Kontaktverbot in Baden-Württemberg weit hinaus gehen. US-Garnisonssprecher Rick Scavetta erklärt: "Unsere Maßnahmen sind überall mindestens die des Gastgeberlandes – und strenger." Aktuelle Zahlen nennt er nicht, jedoch sind die hier stationierten US-Truppen im Austausch mit den örtlichen Behörden.

Seit heute gilt auch in Baden-Württemberg eine Maskenpflicht - zumindest in Geschäften und im ÖPNV. Die US-Army-Standorte in Raum Stuttgart sind schon einen Schritt weiter.

Fakt ist: Die strengen Coronavirus-Schutzmaßnahmen tragen Früchte. "Die Leute verstehen das", sagt Scavetta, "nur so können wir den Kampf gegen das Virus gewinnen." Das hat zur Folge, dass die hier rund 28.000 militärischen und zivilen Beschäftigten - mitsamt Familien - starke Einschnitte hinnehmen müssen, die so manchen Bundesbürger frösteln lassen. Heißt konkret: Hier gelten zusätzlich noch weitere Maßnahmen, die über die Corona-Verordnung in Baden-Württemberg weit hinaus gehen.

Knallharte Schutzmaßnahmen auf Stuttgarter US-Gelände: Hier gilt eine strikte Gruppeneinteilung

Konkret heißt das, dass die Armeeangehörigen in drei Gruppen eingeteilt sind -  blau, weiß und rot, wie die Flagge der USA. In diesen Gruppen dürfen sie dann tageweise bestimmte Dinge tun - zum Beispiel einkaufen gehen. Jede der drei Gruppen ist jeweils für drei Tage dran, dann wird gewechselt. Um da den Überblick zu behalten, hilft den Armeeangehörigen eine App sowie diverse Armeemedien, die über das informieren, was die Gruppe an welchem Tag darf.

Drei Farben, drei Teams - die US-Armee-Standorte im Raum Stuttgart greifen in Sachen Coronavirus hart durch.

Scavetta: "Die Leute halten sich sehr diszipliniert daran." Ziel dieser Team-Strategie ist es, dass nicht zu viele Menschen auf einmal an einem Ort sind. Denn Fakt ist: Wenn einer der Armeeangehörigen Coronavirus-Infiziert ist, muss nicht gleich die ganze Armeebelegschaft im RaumStuttgart in Quarantäne. Zudem ist es einfacher, bei kleineren Gruppen die Abstandsregeln einzuhalten. Das fängt auf der Ladenfläche an und zieht sich bis zu den Kassen, wo nur jede zweite offen hat.

Coronavirus-Schutzmaßnahmen: Team-Regel ist bis ins Detail ausgeklügelt

Und wo die erste Coronavirus-Schutzmaßnahme endet, knüpft die nächste an. Denn auch innerhalb der Institutionen (hier: Einkaufszentrum) sind die US-Mitarbeiter in Teams eingeteilt. Michael Cook ist einer von ihnen. Normalerweise studiert er am Standort der US-Armee in Böblingen Sportmedizin und Ernährungswissenschaften. Doch ab jetzt finden die Prüfungen online statt und Cook jobbt im Supermarkt - eingeteilt in Team zwei.

In den Stuttgarter Nachrichten erklärt er: "Ich habe eine Oma in Thüringen sowie Großeltern und eine Uroma in Florida." Die deutsche Oma darf er aktuell nicht besuchen. Und auch die Familie in Florida lebt unter den strengen Coronavirus-Schutzmaßnahmen, die ebenso wie in Baden-Württemberg Verzicht bedeuten. "Das ist eine harte Situation für alle", erklärt Cook. Hoffnung macht die Reproduktionszahl, die in Deutschland mittlerweile unter ein Prozent beträgt - ein Lichtblick.

Rubriklistenbild: © Matt Rourke/AP/dpa

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