Historischer Umsatzrückgang

Katastrophaler Umsatzrückgang in Stuttgarter Einzelhandel: Was ist der Kunden-Killer?

  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
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Die Einzelhändler in Stuttgart trifft das Coronavirus besonders hart. Ist die Maske der Auslöser für fehlende Kunden und katastrophale Umsatzrückgänge? 

  • Die Maßnahmen der Coronavirus-Verordnung treffen die Stuttgarter Einzelhändler hart.
  • Insbesondere die Bekleidungs- und Textilbranche in Stuttgart leidet unter chronischem Kundenmangel.
  • Ist die Maskenpflicht in Baden-Württemberg der Kunden-Killer Nummer eins? 

Stuttgarter Einzelhandel beklagt massiven Umsatzrückgang - Was ist der Kunden-Killer?

Die Coronavirus-Verordnung in Baden-Württemberg wird immer weiter gelockert. Trotzdem bleibt der erwartete Ansturm auf die Innenstädte aus. Nicht verwunderlich also, dass fast die komplette Branche über massive Umsatzrückgänge klagt. Das zeigt eine Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) der Region Stuttgart, über die aktuell die Stuttgarter Nachrichten berichten.

Stuttgarts IHK-Präsidentin Marjoke Breuning erklärt dazu: "Die Coronavirus-Krise dämpft das Interesse und die Freude am Einkaufen bei vielen Kunden." Und das zieht massiv die Umsatzzahlen nach unten. Breuning: "Viele Innenstädte sind wie leer gefegt."

Stuttgart: Welche Geschäfte leiden besonders unter dem Coronavirus?

Für Breuning und ihre Kollegen im Stuttgarter Einzelhandel ist die Coronavirus-Pandemie in Baden-Württemberg eine Katastrophe. Zu Erwarten ist ein historischer Umsatzeinbruch. Nicht zuletzt deshalb werden die Forderungen nach einem Entschädigungsfonds immer lauter. Um ganze 14,4 Prozent ist der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Das erklärt das Statistische Bundesamt in Berlin.

Am allerschlimmsten trifft es die Textilbranche und den Bekleidungshandel in Deutschland. Hier ist von einem 70-prozentigen Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahr die Rede. Hinzu kommt, dass trotz Lockerungen in der Corona-Verordnung die Nachfrage niedrig bleibt. Rund 74 Prozent der Einzelhändler berichten in den Stuttgarter Nachrichten zum Coronavirus, dass die Kundschaft um bis zu 50 Prozent abgenommen habe.

Coronavirus Stuttgart: Textilhandel leidet - und es wird noch schlimmer

Noch erschreckender ist eine Umfrage vom GfK Consumer Panel, die aussagt, dass die verbliebenen "Innenstadt-Käufer" ihre Modeausgaben in Zukunft um mehr als 60 Prozent reduzieren wollen. Hier kommen "verheerenden Negativ-Umsätze" auf Einzelhändler zu, erklärt auch HBW-Hauptgeschäftsführerin Sabine Hagmann in den Stuttgarter Nachrichten.

Corona lässt vor allem die Bekleidungs- und Textilhändler in den Innenstädten leiden. 

Hagmann sorgt sich um die inländische Struktur in Baden-Württemberg, die schon vor der Coronavirus-Zeit erhebliche Umsatzrückgänge hinnehmen musste. Hintergrund ist der wachsende Online-Handel, der gerade jetzt in der Corona-Krise nochmal deutlich Fahrt aufnimmt. Für Einzelhändler in Innenstädten wie Stuttgart ist das eine Katastrophe und Bedrohung zugleich.

Coronavirus Stuttgart: Kampf der Welten - Einzelhandel vs. Online-Shops

Denn schon vor der Coronavirus-Pandemie war der immer beliebter werdende Online-Handel ein zentrales Problem für die lokalen Einzelhändler - auch in Stuttgart. Und die bezeichnet  Breuninger-Geschäftsführer Joachim Aisenbrey als ein ohnehin "zartes Pflänzchen", das gehegt und erhalten bleiben muss. Kunden müssen sich in den Geschäften wohlfühlen - nur dann besteht die Chance, dass sie wieder kommen.

Und genau das ist aktuell ein Problem. Denn wer von Sicherheitsleuten kontrolliert wird und Coronavirus-bedingt einen Mundschutz tragen muss, fühlt sich in der Regel nicht wohl und geborgen. Im Branchenjargon der Textilwirtschaft ist deshalb schon nicht mehr von einer Maske, sondern von einem "Shopping-Stopper" die Rede. Der schlägt Kunden wohl in die Flucht und ist mitverantwortlich für die Leiden der Einzelhändler.

Stuttgart: Sind Coronavirus-Maßnahmen der Umsatz-Killer?

Der Shopping-Bummel mit Mundschutz, Mindestabstand und teils langen Warteschlangen vor den Geschäften? Für viele wird das Einkaufen zur reinen Bedarfsbedeckung. Lange Shoppingtouren mit der Maske? Fehlanzeige. Oft gilt das Prinzip: Schnell rein, schnell raus. Eine Kundenbindung unter solchen Bedingungen ist und bleibt in der Coronavirus-Zeit für die Stuttgarter Einzelhändler schwer.

Trotzdem wird in Stuttgart händeringend versucht, den Kunden dennoch eine gute Atmosphäre zu bieten. Auch Aisenbrey setzt in seinen Geschäften deshalb auf Kundenkontakt und die "Emotionalisierung-Kampagne" auf der Verkaufsfläche. Sich in der Stuttgarter Innenstadt lebendig fühlen - das ist der Wunsch vieler Konsumenten und der Ansporn für Aisenbrey, Breunning und die vielen Einzelhändler in der Stuttgarter Innenstadt.

Doch neben Coronavirus und Maskenpflicht ist noch ein anderes Thema in der Stuttgarter Innenstadt präsent: die Umbenennung von unangebrachten Straßennamen. Darüber wird aktuell im Gemeinderat debattiert. Ein Linksbündnis fordert jetzt eine Untersuchungskommission, die Namen wie Schleyer oder Porsche stärker ins Visier nehmen soll. 

Rubriklistenbild: © Marius Becker/dpa

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