Neue Erkenntnisse nach Tests

Coronavirus: Schützt eine Maske vor einer Covid-19-Infektion?

  • Olaf Kubasik
    vonOlaf Kubasik
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Coronavirus-Maskenpflicht: Forscher in Hongkong liefern nach Mundschutz-Tests mit Hamstern neue Ergebnisse.

  • In Baden-Württemberg gilt seit Ende April die Maskenpflicht.
  • Getragen werden muss der Mundschutz beim Einkauf und im öffentlichen Personennahverkehr.
  • Forscher haben nach Versuchen mit Hamstern weitere Erkenntnisse gewonnen.

Masken bieten keinen Schutz vor einer Coronavirus-Infektion, aber...

Update vom 20. Mai: Das Tragen einer Maske schützt nicht vor einer Infektion mit dem Coronavirus. ABER sie kann helfen, eine Covid-19-Übertragung zu minimieren. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Universität Hongkong nach Versuchen mit Hamstern. Trugen infizierte Tiere OP-Masken, sank den Wissenschaftlern zufolge "die Übertragungsrate um 60 Prozent". Bei Hamstern, die sich trotz Maske mit dem Coronavirusinfiziert hatten, fiel die Erkrankung außerdem weniger schwer aus.

Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin - der Fachverband von Lungenärzten in Deutschland - hebt in einer aktuellen Stellungnahme ebenfalls die Schutzfunktion von Masken hervor. Pneumologe Dominic Dellweg weist zwar darauf hin, dass ein Mund-Nasen-Schutz die Ansteckung anderer Menschen mit dem Coronavirus nicht vollständig verhindern könne, "er verringert jedoch die Gefahr, indem er infektiöse Tröpfchen beim Husten oder Niesen abfängt".

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Einige Händler in der Stadt hatten sich schon gefreut: Sie hatten sich zu Beginn der Corona-Verordnung zur Maskenpflicht Schutzvisiere aus Plastik für das Gesicht besorgt. „Ich komme mit der Mund-Nase-Maske nicht sehr gut zurecht“, sagt Julia Graser, Inhaberin der Schwanen-Apotheke am Marktplatz. Sie könne könne mit ihr schlecht atmen, sehe die Mimik nicht und ihre Kunden verstünden sie schlecht.⁠ ⁠ Sicherheitshalber habe sie beim Ordnungsamt nachgefragt, ob diese Gesichtsvisiere als Ersatz für Masken zugelassen seien. „Dort wurde mir gesagt, dies sei in Ordnung“, berichtet Graser. Doch bereits einige Tage später gab es Post vom Sozialministerium und der IHK mit der Info, die Visiere allein seien als Schutz nicht erlaubt. Die Begründung: es seien keine geschlossenen Systeme. Für die Apothekerin ist das jedoch nicht nachvollziehbar: „Eine Maske ist doch auch kein abgeschlossenes System.“ ⁠ ⁠ Das Ordnungsamt musste die Genehmigung zurückziehen. „Ein Face Shield entspricht nicht einem Mund-Nasen-Schutz“, sagt Pascal Murmann, stellvertretender Pressesprecher des Ministeriums für Soziales und Integration. Schutzschilde seien lediglich eine Art „Spuckschutz“. „Sie eignen sich als zusätzliche Komponente der persönlichen Schutzausrüstung für Tätigkeiten, bei denen es spritzt“, ergänzt er. ⁠ ⁠ Lest den ganzen Artikel im Link in der Bio.

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Laut Dellweg hätten diesen Effekt sowohl chirurgische Masken aus mehreren Schichten als auch jene aus Stoff. Allerdings erleichtern normierte OP-Masken aufgrund ihrer Filterleistung das Atmen. Bei Masken aus anderen Materialien sei die Filterleistung zwar nur etwas geringer, dafür aber der Luftwiderstand deutlich höher. Was Letzteres bedeutet, erklärt DGP-Präsident Michael Pfeifer: "Das führt zu einer erhöhten Atemanstrengung und kann vor allem bei älteren und vorerkrankten Patienten problematisch sein."

Macht die Maskenpflicht kranker? Gegen Corona hilft sie offenbar nicht...

Erstmeldung vom 4. Mai: Seit einer Woche gilt in Baden-Württemberg zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie die Maskenpflicht beim Einkauf und im öffentlichen Personennahverkehr. Heißt: Mund und Nase müssen in Geschäften, Bussen, Bahnen und an Haltestellen bedeckt sein - egal, ob von professionellen FF2- und FFP3-Masken, selbstgenähten und Einweg-Mundschutzen oder einfach nur von Tüchern und Schals. Von dieser Maskenpflicht ausgenommen sind lediglich Kinder bis zu sechs Jahre sowie Menschen, denen "aus medizinischen oder sonstigen zwingenden Gründen" das Tragen eines Mundschutzes nicht zugemutet werden kann.

Doch die Maskenpflicht ist umstritten. So hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits vor geraumer Zeit verdeutlicht, dass im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus keinen Nutzen im allgemeinen Mundschutztragen sieht. WHO-Nothilfedirektor Michael Ryan erklärte: "Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass damit etwas gewonnen wäre." Im Gegenteil: Vielmehr entstünden zusätzliche Risiken, "wenn Menschen die Masken falsch abnehmen und sich dabei womöglich infizieren".

Coronavirus-Maskenpflicht: OP-Schwester warnt auf Facebook vor Baumwoll-Schutz 

In die gleiche Kerbe schlägt auch der Post einer OP-Schwester, der derzeit auf Facebook rege geteilt wird. in ihm befasst sich die Verfasserin mit dem Tragen "nicht zertifizierter" und selbst genähter Baumwoll-Masken - und den dadurch drohenden Gefahren für den Träger. Denn Baumwolle halte keine Viren wie Covid-19 ab, dafür sei diese Mund-Nasen-Bedeckung jedoch ein idealer Nährboden, damit sich die Bakterien vermehren können - wodurch Sekundär-Infektionen drohen.

Beim Einkauf gilt in Baden-Württemberg seit einer Woche die Maskenpflicht.

Dazu kommt es der OP-Schwester zufolge zu einer "erhöhten CO2-Rückatmung". Deshalb warnt sie: "Der normale und gesunde Gasaustausch O2/CO2 ist nicht mehr gewährleistet - Kreislaufschwierigkeiten und Kopfschmerzen sind hier die harmlosesten Auswirkungen." Am Ende ihres langen Textes schreibt sie dann den Grund für ihre Warnung: "Ich möchte aufrütteln, damit wir in ein paar Monaten nicht haufenweise Menschen mit Asthma, chronischem Reizhusten oder wirklich schweren Lungenerkrankungen haben - und das ganz ohne Corona!"

Arzt aus Neckarsulm: Keine Maske bietet Eigenschutz vor dem Coronavirus

Aber können die Folgen einer falschen Maske oder eines falschen Umgangs mit Masken überhaupt wirklich derart drastische Folgen für den Träger haben? Dr. Boris Brand hat sich den Text der OP-Schwester aufmerksam durchgelesen. Und der renommierte Sportmediziner aus Neckarsulm bei Heilbronn, der früher ein erfolgreicher 800-Meter-Läufer war und heute unter anderem Verbandsarzt im Deutschen Eishockeybund und Mannschaftsarzt verschiedener Bundesligisten ist, hat dazu eine etwas andere Meinung.

Dr. Boris Brand bei der täglichen Arbeit im MediCross in Neckarsulm.

Für Dr. Boris Brand ist jedoch eins vorneweg klar: Weder chirurgische Masken noch Stoffmasken böten einen Eigenschutz. "Auch der Fremdschutz ist nicht wirklich gegeben, aber es führt dazu, dass sich die Ausbreitung der ausgeatmeten Luft - und eventuell das Coronavirus - deutlich reduziert. Dies bietet einen beschränkten Schutz in Sachen Ausbreitung." Dabei verweist Brand auf einen Artikel aus dem Deutschen Ärzteblatt, der sich mit Tests verschiedener Masken als Schutz vor dem Coronavirus beschäftigt.

Corona-Maskenpflicht ist für Arzt aus Neckarsulm bei richtiger Hygiene unbedenklich

Die anderen Bedenken beim Tragen der Maske kann Dr. Boris Brand nicht teilen. Er erklärt: "Chirurgen tragen bei Operationen stundenlang Masken und haben keinen Sauerstoffmangel. Ich denke, dass ein Einkauf von etwa 20 Minuten kein wirkliches Problem darstellt. Auch eine Anreicherung von Bakterien scheint der Studie zufolge nicht gegeben." Eins ist für den Arzt allerdings sinnvoll: der Besitz mehrerer Stoffmasken, um sie wechseln und waschen zu können.

Rubriklistenbild: © dpa

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