Wenn einem die Decke auf den Kopf fällt

In Corona-Isolation: Das hilft gegen Lagerkoller und Familien-Streit

  • Daniel Hagmann
    vonDaniel Hagmann
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In der Coronavirus-Isolation ist bei vielen Menschen daheim und in Familien Streit und Stress vorprogrammiert. Doch es gibt Hilfe und Tipps gegen Lagerkoller.

  • In Zeiten von Covid-19 verbringen die Menschen wegen des Kontaktverbots mehr Zeit daheim.
  • Aufgrund weniger Ablenkungen, kann es in der Corona-Isolation zu Stress-Situationen kommen.
  • Die besten Tipps gegen Lagerkoller und Familien-Streit.

Es ist eine Situation, die selbst vielen leidenschaftlichen Stubenhockern rasch zu viel werden kann: Wegen des Coronavirus Sars-CoV-2 sollte man menschlichen Kontakt möglichst meiden und nur vor die Tür gehen, wenn es unumgänglich ist. Um zu arbeiten oder einzukaufen, beispielsweise. Wie Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten gestern in einer Telefonkonferenz beschlossen haben, soll dieses Corona-Kontaktverbot noch mindestens bis zum 19. April - und damit nicht nur in Baden-Württemberg über Ostern hinaus - andauern. Da fällt vielen Menschen doch fast die Decke auf den Kopf!

Wegen Covid-19 ist nicht nur für weniger Abwechslung gesorgt, sondern man sitzt auch tagtäglich daheim mit denselben Menschen zusammen. Nicht immer rücken da Familien zusammen und Paare kommen sich zärtlich näher, sondern in Zeiten von Covid-19 sind bei vielen Menschen, auch aufgrund des Bewegungsmangels in der Isolation, Stress und Aggressivität vorprogrammiert. So ist etwa bereits zu Beginn der Corona-Krise bei einem an Covid-19 erkrankten Paar in Eppingen die Situation eskaliert - und die Polizei musste anrücken.

In der Corona-Isolation kann man ruhig auch mal wieder zum Instrument greifen.

Corona-Isolation: Streit und Aggression frühzeitig erkennen

Damit die Zeit von Corona-Isolation und Covid-19-Quarantäne im Extremfall nicht in körperliche oder physische Gewalt ausartet, empfiehlt die polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes, drohende Streitsituationen in Coronavirus-Zeiten zwischen Menschen möglichst frühzeitig zu erkennen - und zu schlichten. Am besten ist es, wenn Menschen gar nicht erst den Rahmen zu gewalttätigen Auseinandersetzungen schaffen. Gerade in Zeiten des Coronavirus Sars-CoV-2 können da neue Routinen Wunder wirken.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Das hilft gegen Streit, Gewalt und Lagerkoller

  • Jedes Familienmitglied sollte - auch in der Corona-Isolation - seine Freiräume und Rückzugsmöglichkeiten haben.
  • Zuhause sollte man klar absprechen, zu welchen Zeiten man lieber für sich allein sein möchte.
  • Sobald einem in der Corona-Quarantäne die Decke auf den Kopf fällt, sollten zusammenlebende Menschen anbahnende Konflikte ansprechen, damit sich der Stress nicht hochschaukelt.
  • Wer zwischendurch in der Corona-Zeit mal allein eine Runde um den Block dreht, ordnet seine Gedanken und entwickelt wieder ein neues Verhältnis zu sich selbst und zu anderen Menschen.
  • Man sollte die anderen Menschen verstehen. Auch für sie ist die Corona-Situation nicht leicht. Ein bisschen mehr Nachsicht als sonst ist nicht fehl am Platz.
  • In der Familie sollte jeder in der Coronavirus-Zeit seine Bedürfnisse noch deutlicher ansprechen als sonst.
  • Falls es nicht anders geht, sollte man sich in der Corona-Zeit professionelle Hilfe suchen. Zum Beispiel bietet die psychologische Beratungsstelle der Diakonie Heilbronn eine Corona-Hilfe-Hotline an. Und auch der Kinderschutz-Bund Heilbronn steht telefonisch beratend zur Seite. Die Telefonseelsorge ist unter der Nummer 0800/1110111 oder 0800/1110222 kostenlos zu erreichen. Das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" unterstützt unter Telefon 08000/116016. Die "Sucht & Drogen-Hotline" ist unter der bundesweit einheitlichen Telefonnummer 01805/313031 zu erreichen.

Wer wegen der Isolation und des aufgrund des Coronavirus deutlich veränderten Alltags an sich selbst aggressive Anwandlungen bemerkt, sollte gegenüber der eigenen Person ehrlich sein - und nach sozial verträglichen Möglichkeiten des Stressabbaus suchen. So kann man sich etwa Bewegung an der frischen Luft verschaffen, mit Freunden telefonieren oder einem im regulären Alltag zu sehr vernachlässigten Hobby nachgehen - sofern man dieses für sich allein ausüben kann. Lesen, Heimwerken oder musizieren zum Beispiel. All das ist immer noch besser, als gewalttätig zu werden. Auch und gerade in den angespannten und unsicheren Zeiten des Coronavirus

Nicht nur das Kontaktverbot wirkt sich negativ aus die Psyche aus, sondern auch das Arbeiten von Zuhause. Wer von zu Hause aus arbeitet, kann an sogenanntem "Boreout" erkranken. Bei "Boreout" handelt es sich um eine ähnliche Krankheit wie das "Burnout". 

Rubriklistenbild: © Bodo Marks/dpa

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