Kinder in Gefahr?

Kindeswohl nach der Corona-Zeit: Kinderschutzbund schlägt Alarm

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Die Coronavirus-Zeit kann für viele Kinder in Baden-Württemberg gravierende Folgen haben. Schon jetzt sind die Auswirkungen teils katastrophal.

  • Erste Lockerungen in der Coronavirus-Verordnung offenbaren auch die Schattenseiten der wochenlangen Isolation.
  • Neben den Coronavirus-Infektionen steigen auch die Fälle von Kindeswohlgefährdung rasant an.
  • Jeder kann sich für das Kindeswohl in Baden-Württemberg einsetzen - mit einer Spende, aber auch mit Aufmerksamkeit und Gemeinschaftssinn. 

Kinder nach der Coronavirus-Zeit: Gravierende Folgen kommen jetzt erst ans Licht

Die Folgen der Corona-Verordnung in Baden-Württemberg sind Licht und Schatten zugleich. Denn einerseits erfreuen sich die Menschen an den sinkenden Coronavirus-Infektionen, die zeigen: Die Maßnahmen sind wirkungsvoll. Auf der Schattenseite zeichnen sich dagegen Auswirkungen ab, die genau das Gegenteil von Schutz bedeuten. Die zunehmende Zahl an Straßenkindern in Deutschland oder auch der starke Anstieg von häuslicher Gewalt sind hier nur zwei Beispiele die verdeutlichen, dass die sinkenden Infektionszahlen auch ihren Tribut fordern.

Auch im schwächsten Glied der Gesellschaft zeichnet sich langsam das ganze Ausmaß der Coronavirus-Zeit ab. "Da gibt es teilweise Dinge, die sofort auffallen", erklärt Julia Wahnschaffe, Geschäftsführerin Kinderschutzbund Landesverband Baden-Württemberg, im echo24.de-Interview. Insbesondere die landesweiten Schul- und Kita-Schließungen sowie die immer noch stark eingeschränkten Freizeitaktivitäten für Kinder spielen hier eine wichtige Rolle. Isolation statt Gemeinschaft ist das große Problem.

Coronavirus-Lockdown in Baden-Württemberg: Jetzt zeigen sich die teils katastrophalen Auswirkungen

Wahnschaffe: "Teilweise berichten uns die Lehrer von Schülern, die nicht mehr richtig Deutsch sprechen können." Das ist auch darauf zurückzuführen, dass einige Kinder in der eigenen Familie kein Deutsch sprechen. Die fehlenden Kontakte zur Außenwelt - Stichwort Freunde treffen - begünstigen dieses Problem in der Coronavirus-Zeit zusätzlich. Hinzu kommt, dass viele Kinder mit der Homeschooling-Lösung überfordert sind. Lernen oder doch lieber an die Spielkonsole? Für viele Kinder in Baden-Württemberg ist das eher eine rhetorische Frage.

Während die Corona-Infektionen sinken, steigt die Zahl an Kindeswohlgefährdungen.

Gerade dann, wenn Kinder sowieso Defizite in der deutschen Sprache aufweisen, sind die Folgen der Coronavirus-Zeit besonders fatal. Wahnschaffe: "Erschwert wird das Problem durch die Tatsache, dass Kinder meist nicht von sich aus auf solche Missstände hinweisen." Beispiel: Die stark ansteigenden Fälle von häuslicher Gewalt in Baden-Württemberg, die betroffene Kinder seelisch belasten. Letztlich alles Fälle, die erst jetzt ans Licht kommen, wo Schulen und Kitas langsam wieder öffnen.

Folgen der Coronavirus-Zeit für Kinder: Das ist das große Problem

Wahnschaffe: "Nach der Coronavirus-Pandemie stehen Lehrer und Erzieher vor einer großen Herausforderung." Denn die Pädagogen müssen jetzt einerseits Versäumtes nachholen, aber andererseits auch auf die Kinder achten, die besonders hart von den Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie betroffen sind. Und die Familien, in denen es schon vor der Corona-Zeit Probleme gab, sind nur ein Teil der Problematik. Wahnschaffe: "Mir machen vor allem auch die Familien Sorgen, in denen sich erst im Laufe der Corona-Krise die Probleme entwickelt haben."

Klar ist: Die Auswirkungen der Pandemie können bereits vorhandene Probleme - wie beispielsweise eine drohende Arbeitslosigkeit - einer Familie noch verstärken. Das Resultat sind neue Problemfälle, die sich erst während der Coronavirus-Zeit entwickelt haben und jetzt ans Licht kommen. Wahnschaffe: "Daher befürworten wir als Kinderschutzbund eine schrittweise Öffnung der Schulen und Kindergärten in Baden-Württemberg. Raus aus der Corona-Isolation, rein zurück in die Gemeinschaft ist der Lösungsansatz."

Hilfe für betroffene Kinder nach der Coronavirus-Zeit: "Jeder kann uns unterstützen."

Wahnschaffe: "Jeder kann helfen, uns beim Kinderschutz zu unterstützen." Das geht natürlich ganz klassisch mit einer Spende, aber auch mit Aufmerksamkeit. Eine Verhaltensweise, die helfen kann, betroffene Familien in der Coronavirus-Zeit ausfindig zu machen. Denn neben Jugendämtern und Beratungsstellen gibt es in Baden-Württemberg auch die Kinderschutzbund-Kreisverbände, die betroffene Familien helfen. Zum Beispiel in Form gemeinsamer Aktivitäten oder - in der aktuellen Situation - mit Video- und Telefongesprächen.

Wahnschaffe: "Aktuell arbeiten wir zudem an einem neuen Schutzkonzept, das, unter anderem, die Pädagogen in Baden-Württemberg nach der Corona-Zeit bei ihrer Arbeit unterstützen soll." Knackpunkt hierbei: Nach der Pandemie muss viel aufgearbeitet werden. Ziel ist es, das Kindeswohl dort zu schützen, wo es in Gefahr ist. Denn Sätze wie "meine Mama brüllt mich die ganze Zeit an" oder "ich habe Angst" hören Wahnschaffe und ihre Kollegen leider täglich - unabhängig von Corona.

Information zur Mithilfe

Bankverbindung:

Südwestbank AG
IBAN: DE85 6009 0700 0453 0030 01
BIC: SWBDESS

Weitere Informationen, Hinweise oder Unterstützung?
Unter der Telefonnummer 0711/242818 können sich Interessierte und Hilfesuchende melden.

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