Kawasaki-Syndrom trifft jährlich 450 Kinder in Deutschland

Ist Covid-19 für Kinder doch gefährlich? Ärzte berichten von seltsamem Syndrom 

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Das Coronavirus breitet sich unaufhaltsam aus. Laut Ärzten waren Kinder nie besonders gefährdet. Doch jetzt stellen Ärzte weltweit ein seltsames Syndrom bei Kindern fest.  

  • Das Coronavirus hält Baden-Württemberg und ganz Deutschland weiterhin fest im Griff. 
  • Bisher galten Kinder als am wenigstens gefährdete Gruppe für eine Covid-19-Erkrankung
  • Doch jetzt berichten Kinderärzte von einem seltsamen Syndrom namens Kawasaki bei Kindern.  

Coronavirus Baden-Württemberg: Ärzte berichten von Kawasaki-Syndrom bei Kindern

Bisher galten Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen als Risikogruppe für eine Sars-CoV-2-Infektion. Deshalb untersagte die Bundes- und Landesregierung die Besuche in allen Altenheimen des Landes - um die Ausbreitung möglichst einzudämmen und die Senioren im besonderen Maße zu schützen. Aber wenigstens mussten sich die Menschen keine Sorge um Kinder machen. Denn auch wenn Kinder sich ebenfalls mit dem Coronavirusanstecken können, die Erkrankung verläuft häufig unerkannt und mit leichten bis keinen Symptomen. 

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts starben in Deutschland bis jetzt nur drei Menschen unter 20 Jahren. Und aus einem Register der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie geht hervor, dass nur 128 Kinder mit einer Corona-Infektion in einer Klinik behandelt wurden, 17 davon auf der Intensivstation, wie sueddeutsche.de berichtet. Doch was hat das alles mit dem Kawasaki-Syndrom zu tun?

Coronavirus: Was ist das Kawasaki-Syndrom? 

Immer häufiger entdecken die Ärzte weltweit eine ausgeprägte Entzündung der Blutgefäße. Diese Entzündung wird von tagelangem Fieber und einem Hautausschlag begleitet. Oft kommt es auch zu einer Entzündung der Bindehaut der Augen, außerdem schwillt die Zunge an und die Lippen werden rissig. Diese Symptome werden dem bereits bekanntem Kawasaki-Syndrom zugeordnet. 

Auf das Kawasaki-Syndrom aufmerksam geworden war eine Kinderärztin aus den USA. Sie hatte bereits im März ein sechs Monate altes Mädchen mit Hautausschlag, Fieber, Bindehautentzündung und beschleunigtem Herzschlag behandelt. Als die Kinderärztin dann zu diesen typischen Zeichen des Kawasaki-Syndroms auch noch eine Sars-CoV-2-Infektion bei dem Kind feststellte, entschied sie sich dafür, ihre Kollegen in aller Welt darauf aufmerksam zu machen. 

Seither ist die Aufmerksamkeit für das Kawasaki-Syndrom bei coronainfizierten Kindern groß. Aufgrund dessen nehmen die Berichte auch zu. Mittlerweile wurden in Europa mindestens 50 Fälle aus Großbritannien, Frankreich, Spanien, Italien und der Schweiz bekannt. In New York wurden am Wochenende sogar von 73 infizierten Kindern, bei denen das Syndrom aufgetreten sei,  berichtet - drei kleine Kinder seien gestorben.

Coronavirus Baden-Württemberg: Kawasaki-Syndrom als Überreaktion auf Covid-19? 

"Wir nehmen diese Berichte sehr ernst", sagte Reinhard Berner, Direktor der Kinderklinik an der Universität Dresden. Es sei durchaus einleuchtend, dass eine Infektion mit dem Coronavirus bei Kindern zu einer Art Kawasaki-Syndrom führt. Denn auch bei dem Kawasaki-Syndrom spielen die Viren sehr wahrscheinlich eine Rolle. Die Ärzte vermuten, dass das Syndrom entsteht, weil das Immunsystem auf die Covid-19-Erkrankung überreagiert und den eigenen Körper angreift. Dafür spreche zum Beispiel, dass die Krankheit oft in Wellen und regional gehäuft auftrete, so Berner: "Das passt also alles zusammen, es warnt uns."

Verursacht das Coronavirus Kawasaki-Syndrom bei Kindern?

Coronavirus: Verbindung von Kawasaki und Covid-19 - könnte ein Zufall sein

Das Kawasaki-Syndrom trifft jedes Jahr rund 450 Kinder in Deutschland. Und je mehr Kinder sich mit dem Coronavirus ansteckten, desto mehr Covid-19-Infektionen würden auch unter den üblicherweise auftretenden Kawasaki-Fällen erkennbar. Jedenfalls sei in Statistiken aus Deutschland und aus Großbritannien nicht erkennbar, dass die Zahl von Kawasaki-Erkrankungen in letzter Zeit zugenommen habe.

Aber selbst wenn das Coronavirus bei Kindern eine Art Kawasaki-Syndrom auslöst, sollte sich die Eltern nicht all zu viele Sorgen machen. Denn das normale Kawasaki-Syndrom lässt sich gut behandeln. Die betroffenen Kinder erholen sich vollständig, sofern ihre Herzkranzgefäße in den ersten acht Wochen der Erkrankung nicht betroffen waren. Die Krankheit sei in der Regel mit Aspirin und Immunglobulinen gut behandelbar, wie MSD Manual, ein forschendes Pharmaunternehmen, berichtet. 

Rubriklistenbild: © Pixabay

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