Wettlauf um Covid-19-Impfstoff

CureVac: EU will sich Tübinger Impfstoff sichern – das sind die Folgen für Bürger

  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
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Die Europäische Union ist am Coronavirus-Impfstoff des Biotechunternehmens CureVac aus Tübingen interessiert. Jetzt sind die Verhandlungen abgeschlossen.  

  • Die Europäische Kommission führte mit CureVac Gespräche über Millionen von Impfstoffdosen für EU-Bürger.
  • Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hofft auf eine feste Vereinbarung mit CureVac für die Impfdosen.
  • Wegen dieser Technologie haben viele Experten hohe Erwartungen an den Coronavirus-Impfstoff von CureVac.  

Coronavirus: Europäische Union an CureVac-Impfstoff interessiert

Die Suche nach einem Coronavirus-Impfstoff läuft weltweit auf Hochtouren. Ganz vorne mit dabei ist das Biotechunternehmen CureVac aus Tübingen in Baden-Württemberg, über das echo24.de regelmäßig berichtet. CureVac-Eigner Dietmar Hopp erklärte im Interview, was den Impfstoff von der Konkurrenz abheben werde. 

Die Entwicklung des Impfstoffs ist offenbar schon sehr weit. Denn angeblich produziert Curevac bereits einen Impfstoff in sehr großen Mengen. Das Tübinger Unternehmen scheint sich sicher zu sein, einen wirksamen Impfschutz gegen das Coronavirus gefunden zu haben. Erste Tests am Menschen führt CureVac bereits durch. Zuletzt war auch Tesla-Gründer Elon Musk zu Besuch bei CureVac in Tübingen, um über ein gemeinsames Projekt zu sprechen. 

Offenbar nähert sich CureVac der Zielgeraden. Das bemerkte auch die Europäische Kommission und führte am Donnerstag Sondierungsgespräche mit CureVac. Mittlerweile sind die Gespräche abgeschlossen und eine erste Vereinbarung mit CureVac steht. Laut Europäischer Kommission geht es um den Kauf von zunächst 225 Millionen Impfstoffdosen des Tübinger Unternehmens. Der geplante Vertrag mit der Europäischen Kommission sieht zudem eine Option zum Kauf weiterer 180 Millionen Impfstoffdosen im Kampf gegen das Coronavirus vor.

Coronavirus: Was bedeutet der CureVac-Vertrag für EU-Bürger?

Der ausgehandelte Vertrag zwischen CureVac und der Europäischen Kommission würde es allen EU-Mitgliedsstaaten erlauben, den CureVac-Impfstoff zu kaufen. Auch hätten alle EU-Länder die Option, den gekauften Coronavirus-Impfstoff aus Tübingen an Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen zu spenden oder ihn an andere europäische Länder weiterzureichen. Ähnliche Gespräche wie mit CureVac führt die Europäische Kommission derzeit auch mit anderen Impfstoffherstellern. Zuvor berichtet der SWR über CureVac und die Verhandlungen mit der EU.

Das Ziel solcher Verhandlungen ist, allen EU-Bürgern nach Möglichkeit Zugang zu einem Impfstoff zu verschaffen. Auch soll durch solche Verträge verhindert werden, dass Impfstoffdosen von anderen Ländern außerhalb der EU aufgekauft werden. Doch nicht nur CureVac könnte sich auf Geld von der EU freuen. Der Grund: Auch vom Pharmakonzern AstraZeneca konnte sich die Europäische Union 300 Millionen Impfstoffdosen sichern. Auch hier besteht die Option, weitere 100 Millionen Impfdosen im Kampf gegen das Coronavirus noch zusätzlich zu erwerben.

Kommissionspräsidentin von der Leyen hofft auf feste Vereinbarung mit CureVac

Mit Sanofi, GlaxoSmithKline sowie Johnson & Johnson aus der USA laufen die Sondierungsgespräche noch. Im Fall von CureVac geht EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen von einer "baldigen festen Vereinbarung" aus. Hintergrund dieser Äußerung ist, dass Sondierungsgespräche noch keine feste Verbindlichkeit haben. Sprich: Erst wenn die Verträge unterschrieben sind, besteht ein rechtlicher Anspruch auf die Impfstoffdosen, die beispielsweise vom Tübinger Biotechunternehmen CureVac produziert werden.

Die Technologie von CureVac ist laut Experten vielversprechend. Trotzdem führt die EU-Kommission auch Gespräche mit anderen Herstellern.

Doch trotz einer höchstwahrscheinlichen Vereinbarung mit CureVac hält sich die Europäische Kommission mehrere Wege offen. Von der Leyen: "Unsere Verhandlungen mit anderen Unternehmen werden fortgesetzt, um die Technologie zu finden, die uns alle schützt." Wie weit die aktuelle Impfstoffentwicklung in Baden-Württemberg ist, verrät übrigens ein separater echo24.de-Artikel, der zudem über ein mögliches Datum für eine Impfstoff-Zulassung im Kampf gegen das Coronavirus informiert.

Kauf von Coronavirus-Impfstoffdosen: Das ist der Hacken an der Sache

Mit diesen Verträgen sichert sich die EU möglicherweise eine wirksame Waffe im Kampf gegen die steigenden Coronavirus-Infektionen weltweit. Doch trotz bahnbrechender Erfolgsmeldungen ist nicht sicher, dass alle Impfstoff-Projekte tatsächlich zum Erfolg führen. Und wenn Gelder eben einmal gezahlt sind, ist es oft schwer, sowas wieder rückgängig zu machen. Insofern sind die Verträge mit Impfstoffherstellern durchaus auch risikobehaftet. Ebenso wie der staatliche Einstieg der Bundesregierung bei CureVac im Frühjahr, der mitunter auch riskant werden kann. 

Doch insbesondere in die Impfstoffentwicklung von CureVac ist die Erwartungshaltung groß. Grund dafür ist die Technologie, mit der das Tübinger Unternehmen arbeitet. Der Ansatz von CureVac heißt RNA (Ribonukleinsäure) und basiert auf genetischen Bauplänen modifizierter Virus-Bestandteile. Es werden quasi Erbinformationen per Impfung verabreicht. Die körpereigenen Zellen nehmen diese Informationen auf und produzieren dadurch harmlose Erregerteile. Die wiederum werden vom Immunsystem vernichtet und abgespeichert. Das ist zumindest die Theorie. 

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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