Folgen der Coronavirus-Pandemie

Krankenhäuser in Esslingen völlig überlastet - Klinik-Direktor deshalb mit klarer Forderung

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Der Esslinger Klinik-Direktor Michael Geißler hat eine Idee, um mit der Corona-Krise besser klar zu kommen.

  • Die Zahl der Coronavirus-Infizierten in Baden-Württemberg steigt weiter drastisch an und im Land werden die Betten knapp.
  • Die Kliniken in Raum Esslingen (Kreis Stuttgart) kommen mit Betten für Covid-19-Patienten bald an ihre Kapazitätsgrenze.
  • Esslinger Klinik-Direktor Michael Geißler appelliert, zentrale Stelle für Patientenverlegung in Deutschland zu schaffen. 

Coronavirus: Kliniken ins Esslingen stoßen an Kapazitätsgrenzen

Die Zahl der Coronavirus-Infizierten in Baden-Württemberg nimmt von Tag zu Tag zu. Und somit werden auch die Betten in so manchen Kliniken knappt. Ein Hilferuf kommt jetzt aus Esslingen (Kreis Stuttgart). Hintergrund: Nachdem eine Klinik in Nürtingen vergangene Woche bereits Patienten verlegen musste, stoßen jetzt auch die Kliniken in Esslingen an ihre Kapazitätsgrenze

Aktuell (Stand: 30. März) sind in den Esslinger Krankenhäusern, der Medius- und der Filderklinik, 83 Prozent der vorhandenen Beatmungsbetten belegt. Allein 60 Prozent der Patienten sind nach Angabe der Klinik Covid-19-PatientenMichael Geißler, der ärztliche Direktor am Klinikum Esslingen, erklärt dazu: "Wir sind hier im Kreis ein epidemiologischer Hotspot." Daher das Resultat: Kliniken in Esslingen können bald keine Corona-Patienten mehr aufnehmen und müssen versuchen, Patienten zu verlegen.

Coronavirus: Kliniken in Esslingen bitten Bundes- und Landesregierung um Hilfe

Und genau in dieser Angelegenheit erhoffen sich die Esslinger Kliniken Hilfe von Bund und Land. Geißler: "Wir brauchen dringend eine Stelle, über die zentral die Verlegung von Coronavirus-Patienten aus belasteten Hotspot-Regionen in andere Landkreise, notfalls auch in andere Bundesländer, die weniger betroffen sind, organisiert wird." Eine mögliche Stelle, zur Koordinierung der Patientenverlegung, könnte laut Geißler das Robert-Koch-Institut (RKI) oder die zuständige Landesbehörde in Baden-Württemberg sein. Aktuell sei die Lage so, dass jede Klinik in Eigenregie Patientenverlegungen in andere Krankenhäuser organisieren muss.

Beatmungsgeräte (Symbolbild) sind auch im Krankenhaus Esslingen nur begrenzt vorrätig.

Geißler: "Man ruft halt bei Ärzten an, die man kennt, und bittet sie um Hilfe." Und das ist ein Problem. Grund: "Es kann nicht sein, dass ein dringend benötigter Notfall- oder Intensivmediziner - in der aktuellen Corona-Krise - den Tag mit Telefonieren verbringt, erklärt der Klinik-Direktor. Zudem gebe es derzeit viele Möglichkeiten, sich gegenseitig zu helfen. Geißler denkt hier vor allem an Teile Deutschlands, die aktuell noch nicht so stark von der Coronavirus-Pandemie betroffen sind. Und das sind in erster Linie die ostdeutschen Bundesländer wie Hessen oder Niedersachsen.

Coronavirus: Esslinger Klinik-Direktor fordert zentrales Register für Covid-19-Patienten

Aber auch in Baden-Württemberg seien die Kapazitäten mancherorts nicht ausgelastet, erklärt Geißler. Umso wichtiger sei deshalb ein zentrales Register für Patientenverlegungen. Insbesondere auch im Hinblick auf die weiter steigenden Coronavirus-Infektionen in Baden-Württemberg. Geißler: "Wir müssen unbedingt vermeiden, dass in Hotspot-Regionen die medizinische Versorgung unter fehlenden Ausgleichsregelungen leidet." Und Esslingen ist eben genau eine solche Hotspot-Region der Coronavirus-Infektionen, wo Betten knapp werden. Zudem muss bedacht werden, dass die Kliniken auch noch andere Patienten behandeln müssen.

Im Klinikum Esslingen sind das in erster Linie Tumor-Operationen, die sich nicht weiter hinausschieben lassen. Und auch Notfälle wie Opfer von Verkehrsunfällen, Blutungen oder Infarktpatienten können nicht auf eine Warteliste gesetzt werden. Deshalb gilt: Auch für diese Nicht-Coronavirus-Patienten müssen Intensiv- und Beatmungskapazitäten frei gehalten werden. Geißler fordert deshalb eine schnelle und unbürokratische Lösung, um die Verteilung der Patienten notfalls im gesamten Bundesgebiet zu organisieren. Auch die Idee von sogenannten Corona-Kliniken sei für ihn eine Option.

Coronavirus: Für Krankenhaus-Direktor aus Esslingen sind Corona-Kliniken denkbar

Corona-Kliniken. Das würde bedeuten, dass Notfälle und komplexe, chirurgische Operationen von Nicht-Covid-19-Patienten an dezentral gelegenen Orten durchgeführt werden. Coronavirus-Patienten und normale Patienten wären in diesem Modell also klar voneinander getrennt. Für Geißler ist diese Idee zwar denk-, aber nur schwer umsetzbar. Und trotzdem muss etwas passieren. Denn klar ist: Trotz verschärfter Maßnahmen in der Coronavirus-Pandemie wird die Zahl der Corona-Infektionen steigen - darin sind sich die meisten Experten einig.

Zuvor hatten bereits die Stuttgarter Nachrichten über das Coronavirus in Esslinger Kliniken berichtet. Aber trotz aller Aufregung gibt es auch gute Nachrichten. Grund: Erste Coronavirus-Patienten aus Heilbronn sind geheilt, dass erklärt das Landratsamt auf Anfrage von echo24.de. Zudem wird in Baden-Württemberg bereits intensiv an einem wirksamen Medikament gegen Covid-19 geforscht. Aktuell wird das Medikament am Universitätsklinikum Tübingen schon an Corona-Patienten getestet. Letztlich wird es aber noch Zeit brauchen, bis eine wirksame Therapieform gefunden wird. Zeit, die die Esslinger Kliniken nicht mehr haben.

Rubriklistenbild: © Felix Heyder/dpa

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