Trendwende?

Daimler in der Krise - Weiter Absatz-Minus, aber ... 

  • Simon Mones
    vonSimon Mones
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Geschlossene Werke und Autohäuser. Weniger Autos verkauft. Die Coronakrise trifft Daimler hart, auch finanziell.

  • Daimler verbucht während der Coronakrise einen deutlichen Umsatzrückgang.
  • Die Absatzzahlen von Mercedes-Benz steigen wieder.
  • Smart kämpft noch immer mit hohen  Absatzrückgängen.

Daimler/Stuttgart: Erneuter Absatzrückgang, aber Trend zeigt nach oben

Update vom 10. August: Rund dreieinhalb Monate sind vergangen, seit die Autohäuser in Baden-Württemberg wieder geöffnet haben. Auch wenn sich die Absatzzahlen im Mai dadurch leicht verbesserten, musste Daimler im zweiten Quartal einen Milliardenverlust verkraften und das beschlossene Sparpaket verschärfen.

Inzwischen sind die Absatzzahlen der Mercedes-Benz-Pkw jedoch fast wieder auf dem Niveau wie vor der Corona-Krise. Wie der Automobilkonzern aus Stuttgart am Freitag mitteilte, wurden im Juli 185.836 Fahrzeuge an Händler und Endkunden verkauft. Das sind nur noch zwei Prozent weniger als im Vorjahresmonat.

Daimler/Stuttgart: Smart hat weiter zu kämpfen

Seit dem Tiefpunkt im April, als der Absatz wegen der Corona-Krise um fast die Hälfte eingebrochen war, stiegen die Verkaufszahlen derDaimler-Tochter beständig. Dennoch beläuft sich der Umsatzrückgang in den ersten sieben Monaten laut SWR auf 16,2 Prozent. 

Deutlich schwerer tut sich derzeit die Kleinwagenmarke Smart. Seit Jahresbeginn stehen dort Umsatzrückgänge im hohen zweistelligen Bereich zu Buche. Im Vergleich zum Vorjahr verkaufte Smart im Juli 61 Prozent weniger Autos. Hier spielt aber nicht nur die Corona-Krise eine Rolle, sondern auch die Umstellung auf Elektromotoren, sowie ein zwischenzeitlicher Bestellstopp. Ab der nächsten Generation werden die Kleinwagen dann zusammen mit Geely in China gebaut, weswegen das Smart-Werk in Hambach verkauft werden soll.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Erheblicher Umsatzrückgang bei Daimler

Erstmeldung vom 25. April: Schrittweise werden immer mehr Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus gelockert. Bereits seit Anfang der Woche sind die Autohäuser in Deutschland und somit auch in Baden-Württemberg wieder geöffnet.

Nur wenige Tage danach hat Daimler auf Basis von vorläufigen Zahlen einen Einblick gegeben, wie sehr die Coronakrise das Unternehmen getroffen hat. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern brach bei dem Autohersteller aus Stuttgart um fast 78 Prozent auf 617 Millionen Euro ein. Nimmt man Sondereffekte wie die Kosten des Dieselskandals oder der Umstrukturierung raus, liegt das operative Geschäft bei noch 719 Millionen.

Daimler: Prognose für 2020 wegen Corona kaum möglich

Durch die anhaltende Coronakrise sieht die Prognose bei Daimler für 2020 laut der dpa insgesamt düster aus, allerdings gestaltet sich diese durch die kaum zu überschauenden Folgen der Pandemie schwierig.  Eine Abschätzung der Auswirkungen der Coronakrise auf die Kundennachfrage sowie die Lieferketten und Fahrzeugproduktion, ist im Details und auf sicherer Basis nicht möglich.

Dennoch wird erwartet, dass Absatz, Umsatz und Ergebnis unter dem Niveau des Vorjahres bleiben werden. Nach ursprünglicher Planung sollte der Umsatz ähnlich hoch ausfallen wie noch 2019, das operative Ergebnis sogar deutlich höher. Lediglich beim Absatz hatte der Autobauer aus Baden-Württemberg mit einem Rückgang gerechnet.

Daimler aus Baden-Württemberg verkauft weniger Autos - Rückgang auch in Deutschland

Dieser machte sich bei Daimler im ersten Quartal deutlich Spürbar. Weltweit verkauften die Stuttgarter 477.400 Autos von Mercedes-Benz und somit 15 Prozent weniger als in den ersten drei Monaten des Vorjahres. Besonders betroffen war der wichtige Markt in China, aber auch in den USA und Deutschland waren die Verkaufszahlen von Daimler bereits rückläufig, obwohl das Coronavirus hier deutlich später ausbrach.

Auch bei den Lkws ging die Nachfrage bei Daimler zurück.

Im gleichen Maße war auch die Van-Sparte des baden-württembergischen Automobilkonzerns betroffen. Aber auch in der Lkw- und Bussparte, sowie im Bereich Mobilitäts- und Finanzdienstleistungen musste Daimler finanzielle Einbußen hinnehmen.

Daimler finanziell gut für Zeit nach Corona gerüstet

In der Stuttgarter Konzernzentrale sieht man sich finanziell dennoch gut für die Zeit nach Corona gerüstet: "Angesichts des Umstands, dass wir umfassende Maßnahmen zum Schutz unseres Barmittelbestands getroffen und unsere finanzielle Flexibilität erhöht haben, sind wir zuversichtlich, für die Zeit während und nach der Krise gut positioniert zu sein." 

Als Sicherheitsmaßnahme hatte Daimler erst kürzlich mit mehreren Banken eine Vereinbarung über eineneue Kreditlinie von 12 Milliarden Euro getroffen. Zudem läuft die Produktion bei Daimler seit Montag unter strengen Hygienevorschriften wieder an. Die Anfang April beantragte Kurzarbeit soll noch bis Ende des Monats aufrechterhalten werden.
Am 29. April ist klar: Der Stuttgarter Daimler-Konzern will hohe Abfindungen zahlen, um den Stellenabbau voranzutreiben. Bei Mitarbeiter-Gesprächen sollen Führungskräfte Druck machen.

Als Folge der schlechten Verkaufszahlen will Daimler jetzt sein Produktionsnetzwerk optimieren, mit Folgen für ein Werk in Frankreich.

Rubriklistenbild: © dpa/Tom Weller

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