Daimler veröffentlicht Quartalszahlen !

Milliardenverlust bei Daimler: So gibt es 2020 doch noch einen Gewinn!

  • Simon Mones
    vonSimon Mones
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  • Jason Blaschke
    Jason Blaschke
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Im zweiten Quartal ist Daimler tief in die roten Zahlen gerutscht. Doch für das gesamte Jahr bleibt der Konzern optimistisch.

  • Daimler macht im zweiten Quartal einen Milliardenverlust!
  • Auch der Absatz geht deutlich zurück.
  • Dennoch plant Daimler 2020 mit einem positiven Ergebnis abzuschließen.

Daimler mit Milliardenverlust: So gibt es 2020 doch noch einen Gewinn!

Update vom 23. Juli: Während der US-Autobauer Tesla zum vierten Mal  in Folge einen Quartalsgewinn verbucht, rutsch Daimler tief in die roten Zahlen. Das geht aus den Zahlen für das zweite Quartal, die der Stuttgarter Automobilkonzern am Donnerstag veröffentlicht hat.

Unterm Strich entfällt auf die Aktionäre ein Verlust von rund zwei Milliarden Euro, somit fällt dieser noch einmal höher aus als im Vorjahr. Damals musste Daimler mehrere Milliarden für die Dieselaffäre und Airbag-Rückrufe zurückstellen. Überraschend kommt das aber nicht, nachdem Daimler vergangene Woche bereits die vorläufigen Zahlen veröffentlicht hatte.

Daimler mit Milliardenverlust: Herausforderndes Källenius hält an Zielen fest

Auch der Umsatz ist im abgelaufenen Quartal deutlich zurückgegangen. 30,2 Milliarden Euro setzte Daimler um, ein Minus von satten 29 Prozent. "Aufgrund der beispiellosen Covid-19-Pandemie mussten wir ein herausforderndes Quartal durchstehen", erklärte Daimlers Vorstandschef Ola Källenius die Zahlen. "Mit Blick auf die Zukunft sind wir fest entschlossen, dieKostenbasis unseres Unternehmens weiter zu verbessern."

Daher will Källenius auchweiterhin Personal abbauen, allerdings deutlich mehr als bisher gedacht. Aufgrund der strategischen Ausrichtung auf Digitalisierung und Elektrifizierung  - an der festgehalten werden soll - benötigt Daimler langfristig ohnehin weniger Arbeitskräfte. 

Daimler mit Milliardenverlust:  Deutlicher Umsatzrückgang 

Trotz der schwierigen Umstände durch die Corona-Krise sowie der Klagewelle im Dieselskandal rechnet Daimler für das gesamte Jahr 2020 im operativen Geschäft dennoch mit einem positiven Ergebnis. Unter einer Voraussetzung: Die wirtschaftliche Erholung müsse sich fortsetzten und weitere Infektionswellen mit dem Coronavirus in den Kernmärkten ausbleiben.

Wegen der Corona-Pandemie stand die Fertigung von Daimler lange still.

Durch den Lockdown bedingten Stillstand in vielen Werken und Autohäusern hatte die Daimler-Tochter Mercedes-Benz im zweiten Quartal deutlich weniger Auto absetzen können. Weltweit wurde insgesamt 457.711 Autos mit dem Stern verkauft, das sind 20,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Im gesamten Konzern ging der Absatz um 34 Prozent zurück auf rund 541.800 Pkw und Nutzfahrzeuge.

Auch bei Schülern in Baden-Württemberg sinkt das Ansehen von Daimler: Beim Arbeitgeber-Ranking wurde der Automobilhersteller vom Platz 1 verdrängt

Daimler in der Coronavirus-Pandemie - Könnte es im zweiten Quartal noch schlimmer kommen?

Erstmeldung vom 29. April: Kann es überhaupt noch schlimmer werden? Die Antwort ist ja - zumindest wenn die Prognosen, die Daimler jetzt veröffentlicht, sich bewahrheiten. Hintergrund der finanziellen Talfahrt sind die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf Daimler, die den Stuttgarter Konzern Milliarden kosten. 

Das zeigen schon die Zahlen aus dem ersten Quartal 2020: Der entfallende Gewinn auf dieDaimler-Aktionäre beträgt nur 94 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Minus von 116 Millionen Euro. Und das könnte im kommenden Quartal genauso so weitergehen. Zumindest, wenn es nach den Prognosen von Daimler-Finanzchef Harald Wilhelm geht.

Das zeigt: Die Wirtschaft in Baden-Württemberg trifft die Coronavirus-Pandemie weiter hart. Nicht verwunderlich also, dass der baden-württembergische Ministerpräsident, Winfried Kretschmann, ein neues Coronavirus-Hilfspaket auf die Beine stellen will. Das geht aus einem Brief Kretschmanns an seine Kabinettsmitglieder hervor.  

Daimler: Absatz könnte im April am schwächsten sein - für wirtschaftliche Eiszeit gewappnet

Er prognostiziert, dass derAbsatz im April am schwächsten sein wird. Im Mai könnte es - laut Wilhelm - langsam wieder bergauf gehen. Aber mit insgesamt 68 Milliarden Euro an verfügbaren Finanzmitteln sei der Daimler-Konzern aber für mehrere Monate in einer wirtschaftlichen Eiszeit gewappnet.

Trotzdem übt der Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht jetzt heftige Kritik am Konjunkturpaket der Bundesregierung. Grund ist die Coronavirus-bedingte Autoprämie für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, die jetzt doch nicht kommt. Brecht ist "stinksauer" und macht die SPD dafür verantwortlich.  

Ein Faktor, der das begünstigt, ist die Tatsache, dass in der Coronavirus-Zeit weniger Autos verkauft werden. Das hängt vor allem auch damit zusammen, dass - gerade in Zeiten von Kurzarbeit in Baden-Württemberg - Menschen weniger am Autokauf interessiert sind. Viele fürchten um den Job und warten jetzt erstmal ab.

Coronavirus: Auch im Jahr 2021 könnte die Coronavirus-Pandemie die Quartalszahlen nach unten drücken 

Und auch in der Prognose für die kommenden Jahre zeigt sich der Stuttgarter Autobauer wenig optimistisch. Grund: Der Nachhall der Coronavirus-Pandemie in Baden-Württemberg könnte die Wirtschaft noch längere Zeit belasten - vor allem aber das aktuelle Geschäftsjahr. Daimler-Chef Ola Källenius dazu: "Aus heutiger Sicht muss für das Gesamtjahr 2020 mit einem erheblichen Rückgang der weltweiten Wirtschaftsleistung gerechnet werden." Für viele Daimler-Mitarbeiter sind das beunruhigende Worte. Grund: Schon vor der Coronavirus-Zeit sind Stellen - sozialverträglich - abgebaut worden. Ob sich dieser Prozess in der Corona-Krise beschleunigen könnte? Ungewiss.

Sollen jetzt noch mehr Stellen abgebaut werden? Die Verunsicherung unter den Daimler-Mitarbeitern ist auf jeden Fall berechtigt.

Sicher ist nur, dass der Konzern jetzt langsam wieder hochfährt und erste Daimler-Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurückkommen können. Doch das verschleiert nicht die Tatsache, dass Daimler eine weitere Verschlechterung bis zur Jahresmitte erwartet. "Es wird ein schwieriges Quartal", erklärt Källenius auf manager-magazin.de zur Prognose 2020 - das zeigen die aktuellen Zahlen. 

"Aber wir werden den Sturm überstehen." Fraglich bleibt allerdings, ob in diesem Sturm ein Großteil der Daimler-Besatzung an Bord bleiben kann. Vor allem die Tatsache, dass der Daimler-Vorstand rund 10.000 Arbeitsplätze abbauen möchte, lässt hier Zweifel aufkommen.

Finanzielle Talfahrt bei Daimler: So will der Stuttgarter Autobauer die Folgen der Coronavirus-Pandemie abfedern

Zumal sich das eigentliche Ausmaß der Corona-Wirtschafts-Katastrophe erst in den Zahlen des jetzt anlaufenden zweiten Quartals abzeichnen wird. Källenius: "Eine verlässliche Prognose für 2020 ist nicht möglich." Trotzdem sagt der Daimler-Konzern der Coronavirus-Krise den Kampf an und will vor allem durch folgende Maßnahmen das schlimmste verhindern:

  1. Investitionen sollen gekürzt werden.
  2. Kosten sollen gesenkt und die Liquidität des Daimler-Konzerns gesichert werden.
  3. Strategisch wichtige Projekte für die Zukunft, zum Beispiel neue Elektroautos, sollen ungehindert nach Plan verlaufen.

Ob die Maßnahmen wirkungsvoll sind, wird sich zeigen. Fakt ist, dass - gerade in der Autobranche - durch das Coronavirus-Problem eine Kettenreaktion ausgelöst wird. Denn wenn Produktionen gestoppt werden, können logischerweise auch die Zulieferer nicht mehr arbeiten. Auf der anderen Seite der Kette stehen wiederum die geschlossenen Autohäuser, die aktuell nur begrenzt Fahrzeuge abnehmen können.

Und ganz am Ende der Kette entscheidet das Konsumverhalten der Verbraucher über die Frage, wie stark Daimler durch die Corona-Krise letztlich geschwächt wird. Klar ist nur: Die Folgen der Coronavirus-Pandemie treffen die gesamte Wirtschaft - vom Solo-Selbstständigen bis zum Dax-Konzern. Nur wie stark, dass kann aktuell noch keiner sagen. Und auch Daimler kann an dieser Stelle nur mutmaßen.

Schlimm genug, dass der Autokonzern Daimler in der Krise steckt und die Kurzarbeit verlängert werden muss - wird der Autohersteller auch noch ein Opfer von einem Hackerangriff auf Instagram. Am Dienstagabend, 5. Mai, wird die offizielle Instagram-Seite von Mercedes-Benz gehackt. Der Täter verfälscht und postete mehrere Bilder auf dem Account - unter anderem ein Bild von einem Hakenkreuz.

Massive Gewinneinbrüche sind auch im Bosch-Konzern nichts Unbekanntes. echo24.de berichtete bereits Anfang des Jahres darüber. Eine der Konsequenzen ist der Personalabbau in Bietigheim-Bissingen, der fast die Hälfte der dort beschäftigten Mitarbeiter betrifft. Die IG Metall reagiert prompt und stellt sich schützend hinter die Beschäftigten. Trotzdem bleibt die Lage weiter unklar.

Und auch bei Daimler steht aktuell das Thema Personalabbau weiter im Mittelpunkt. Auch Kündigungen werden von der Konzernspitze nicht mehr ausgeschlossen. Im Betriebsrat der Daimler AG schrillen deshalb die Alarmglocken, auch ein Plan liegt schon vor. Denn statt Stellenabbau könnte eine Arbeitszeitverkürzung im Daimler-Konzern die wegbrechenden Einnahmen kompensieren.   

Rubriklistenbild: © Daimler AG

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