Coronavirus trifft Stuttgarter Autobauer hart

Prognose bei Daimler: Dramatischer Gewinneinbruch im ersten Quartal

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Wie geht es weiter mit Daimler? Diese Frage stellen sich neben den Aktionären auch die Mitarbeiter, die um ihre Arbeitsplätze fürchten.

  • Daimler kämpft mit den Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie, was die jetzige Prognose für das Jahr 2020 nochmal klar macht.
  • Die aktuelle Situation im Stuttgarter Konzern könnte sich in den kommenden Wochen noch weiter verschlechtern.
  • Daimler legt einen Plan vor, der die Folgen und Auswirkungen der Coronavirus-Zeit bekämpfen soll.

Daimler in der Coronavirus-Pandemie - Könnte es im zweiten Quartal noch schlimmer kommen?

Kann es überhaupt noch schlimmer werden? Die Antwort ist ja - zumindest wenn die Prognosen, die Daimler jetzt veröffentlicht, sich bewahrheiten. Hintergrund der finanziellen Talfahrt sind die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf Daimler, die den Stuttgarter Konzern Milliarden kosten. 

Das zeigen schon die Zahlen aus dem ersten Quartal 2020: Der entfallende Gewinn auf dieDaimler-Aktionäre beträgt nur 94 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Minus von 116 Millionen Euro. Und das könnte im kommenden Quartal genauso so weitergehen. Zumindest, wenn es nach den Prognosen von Daimler-Finanzchef Harald Wilhelm geht.

Das zeigt: Die Wirtschaft in Baden-Württemberg trifft die Coronavirus-Pandemie weiter hart. Nicht verwunderlich also, dass der baden-württembergische Ministerpräsident, Winfried Kretschmann, ein neues Coronavirus-Hilfspaket auf die Beine stellen will. Das geht aus einem Brief Kretschmanns an seine Kabinettsmitglieder hervor.  

Daimler: Absatz könnte im April am schwächsten sein - für wirtschaftliche Eiszeit gewappnet

Er prognostiziert, dass derAbsatz im April am schwächsten sein wird. Im Mai könnte es - laut Wilhelm - langsam wieder bergauf gehen. Aber mit insgesamt 68 Milliarden Euro an verfügbaren Finanzmitteln sei der Daimler-Konzern aber für mehrere Monate in einer wirtschaftlichen Eiszeit gewappnet. 

Ein Faktor, der das begünstigt, ist die Tatsache, dass in der Coronavirus-Zeit weniger Autos verkauft werden. Das hängt vor allem auch damit zusammen, dass - gerade in Zeiten von Kurzarbeit in Baden-Württemberg - Menschen weniger am Autokauf interessiert sind. Viele fürchten um den Job und warten jetzt erstmal ab.

Coronavirus: Auch im Jahr 2021 könnte die Coronavirus-Pandemie die Quartalszahlen nach unten drücken 

Und auch in der Prognose für die kommenden Jahre zeigt sich der Stuttgarter Autobauer wenig optimistisch. Grund: Der Nachhall der Coronavirus-Pandemie in Baden-Württemberg könnte die Wirtschaft noch längere Zeit belasten - vor allem aber das aktuelle Geschäftsjahr. Daimler-Chef Ola Källenius dazu: "Aus heutiger Sicht muss für das Gesamtjahr 2020 mit einem erheblichen Rückgang der weltweiten Wirtschaftsleistung gerechnet werden." Für viele Daimler-Mitarbeiter sind das beunruhigende Worte. Grund: Schon vor der Coronavirus-Zeit sind Stellen - sozialverträglich - abgebaut worden. Ob sich dieser Prozess in der Corona-Krise beschleunigen könnte? Ungewiss.

Sollen jetzt noch mehr Stellen abgebaut werden? Die Verunsicherung unter den Daimler-Mitarbeitern ist auf jeden Fall berechtigt.

Sicher ist nur, dass der Konzern jetzt langsam wieder hochfährt und erste Daimler-Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurückkommen können. Doch das verschleiert nicht die Tatsache, dass Daimler eine weitere Verschlechterung bis zur Jahresmitte erwartet. "Es wird ein schwieriges Quartal", erklärt Källenius auf manager-magazin.de zur Prognose 2020 - das zeigen die aktuellen Zahlen. 

"Aber wir werden den Sturm überstehen." Fraglich bleibt allerdings, ob in diesem Sturm ein Großteil der Daimler-Besatzung an Bord bleiben kann. Vor allem die Tatsache, dass der Daimler-Vorstand rund 10.000 Arbeitsplätze abbauen möchte, lässt hier Zweifel aufkommen.

Finanzielle Talfahrt bei Daimler: So will der Stuttgarter Autobauer die Folgen der Coronavirus-Pandemie abfedern

Zumal sich das eigentliche Ausmaß der Corona-Wirtschafts-Katastrophe erst in den Zahlen des jetzt anlaufenden zweiten Quartals abzeichnen wird. Källenius: "Eine verlässliche Prognose für 2020 ist nicht möglich." Trotzdem sagt der Daimler-Konzern der Coronavirus-Krise den Kampf an und will vor allem durch folgende Maßnahmen das schlimmste verhindern:

  1. Investitionen sollen gekürzt werden.
  2. Kosten sollen gesenkt und die Liquidität des Daimler-Konzerns gesichert werden.
  3. Strategisch wichtige Projekte für die Zukunft, zum Beispiel neue Elektroautos, sollen ungehindert nach Plan verlaufen.

Ob die Maßnahmen wirkungsvoll sind, wird sich zeigen. Fakt ist, dass - gerade in der Autobranche - durch das Coronavirus-Problem eine Kettenreaktion ausgelöst wird. Denn wenn Produktionen gestoppt werden, können logischerweise auch die Zulieferer nicht mehr arbeiten. Auf der anderen Seite der Kette stehen wiederum die geschlossenen Autohäuser, die aktuell nur begrenzt Fahrzeuge abnehmen können.

Und ganz am Ende der Kette entscheidet das Konsumverhalten der Verbraucher über die Frage, wie stark Daimler durch die Corona-Krise letztlich geschwächt wird. Klar ist nur: Die Folgen der Coronavirus-Pandemie treffen die gesamte Wirtschaft - vom Solo-Selbstständigen bis zum Dax-Konzern. Nur wie stark, dass kann aktuell noch keiner sagen. Und auch Daimler kann an dieser Stelle nur mutmaßen.

Schlimm genug, dass der Autokonzern Daimler in der Krise steckt und die Kurzarbeit verlängert werden muss - wird der Autohersteller auch noch ein Opfer von einem Hackerangriff auf Instagram. Am Dienstagabend, 5. Mai, wird die offizielle Instagram-Seite von Mercedes-Benz gehackt. Der Täter verfälscht und postete mehrere Bilder auf dem Account - unter anderem ein Bild von einem Hakenkreuz.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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