Corona hat den Alltag fest im Griff

Wirtschaftliche Folgen durch Corona drohen: Land will Unternehmen unterstützen

Das Finanzministerium bereitet steuerliche Maßnahmen als Unterstützung für Unternehmen vor, die von der Ausbreitung des Corona-Virus betroffen sind.
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Das Finanzministerium bereitet steuerliche Maßnahmen als Unterstützung für Unternehmen vor, die von der Ausbreitung des Corona-Virus betroffen sind.
  • Daniel Hagmann
    vonDaniel Hagmann
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  • Melissa Sperber
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Das Coronavirus hat massive Auswirkungen - auch die Wirtschaft muss mit spürbaren Folgen kämpfen. Das Land Baden-Württemberg bereitet Unterstützungen vor.

  • Hälfte der Betriebe befürchtet deutliche Einbußen durch das Coronavirus.
  • Politik leitet Maßnahmen zur Stütze der Wirtschaft in die Wege.
  • Finanzministerium kündigt steuerliche Maßnahmen als Unterstützung für Unternehmen an.

Wirtschaftliche Folgen durch Corona drohen: Land will Unternehmen unterstützen

Update vom 11. März: Täglich gibt es neue Meldungen von bestätigten Corona-Infektionen in Baden-Württemberg - und das hat mittlerweile auch spürbareFolgen für Unternehmen und die Eventbranche, die mit Absagen von Veranstaltungen zu kämpfen hat. 

Dagegen will das Finanzministerium etwas tun: Es werden steuerliche Maßnahmen als Unterstützung für Unternehmen vorbereitet, "die von der Ausbreitung des Corona-Virus betroffen sind", heißt es in einer Pressemitteilung des Ministeriums für Finanzen am Mittwochnachmittag, 11. März.

Im Bundesfinanzministerium werden aktuell die steuerlichen Grundlagen dafür vorbereitet. "Sobald uns aus Berlin die Möglichkeit eröffnet wird, werden die Finanzämter im Land alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel ausschöpfen, um finanzielle Schwierigkeiten für betroffene Betriebe abzumildern. Unsere Steuerverwaltung wird dann so schnell und unbürokratisch wie möglich helfen", erklärt Baden-Württembergs Finanzministerin Edith Sitzmann.

Coronavirus breitet sich in Baden-Württemberg aus: Finanzministerium will Unternehmen unterstützen

Doch was bedeutet das genau für Unternehmen, die durch die Ausbreitung des Coronavirus betroffen sind? Fällige Steuerzahlungen könnten auf Antrag vorübergehend gestundet werden - in diesen Fällen würden keine Stundungszinsen erhoben. Auch sogenannte Säumniszuschläge, also Zuschläge bei verspäteter Zahlung, könnten erlassen werden. "In begründeten Fällen könnte es außerdem möglich sein, dass Vollstreckungen ohne Zuschläge aufgeschoben werden", heißt es in der Pressemitteilung weiter. 

Und das ist nicht alles: Zusätzlich seien auch Erleichterungen für Unternehmen vorgesehen, die Vorauszahlungen auf die Einkommensteuer und die Körperschaftsteuer abzusenken und anzupassen. Sitzmann: "Wo immer das möglich ist, sollen die steuerlichen Maßnahmen ohne aufwändige Prüfungen und Verfahren kurzfristig umgesetzt werden." Sie empfiehlt: Unternehmer sollen sich am besten direkt an das zuständige Finanzamt wenden. Dort kann im Einzelfall Auskunft gegeben werden.

Coronavirus in Region Heilbronn: Welche Folgen hat Sars-CoV-2 für die Wirtschaft?

Erstmeldung vom 10. März: Auch Baden-Württemberg und die Region Heilbronn bleiben von dem Coronavirus nicht verschont. Und das verunsichert die Menschen. Manche geraten schon in Panik und decken sich mit den notwendigsten Lebensmitteln ein, um im Ernstfall nicht das Haus verlassen zu müssen. Andere kehren aus Risikogebieten heim und befinden sich bereits in Quarantäne.

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu minimieren, gibt es von den Behörden Empfehlungen, Groß-Veranstaltungen in der Region Heilbronn abzusagen. Einige Shows und Zusammenkünfte sind bereits ausgefallen. Und auch das Science Center experimenta in Heilbronn ist wegen des Coronavirus bis auf Weiteres geschlossen.

Wird aus Coronakrise eine Wirtschaftskrise?

Klar: Fallen Veranstaltungen wegen des Coronavirus aus und bleiben Institutionen zu, ist in dieser Zeit nix mit Umsatz. Laut einer bundesweiten Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) unter 10.000 Betrieben aller Regionen und Branchen spürt bereits jetzt etwa die Hälfte der Betriebe in Baden-Württemberg Auswirkungen des Coronavirus auf ihre Wirtschaft. Und da die Ökonomie wie ein Netz dicht verflochten ist, wirken sich Ausfälle und Engpässe im einen sofort auch auf andere Zweige der Wirtschaft aus. Droht also aus der Coronakrise eine Wirtschaftskrise zu werden?

Zudem erwarten rund 25 Prozent der befragten Unternehmen eine Verringerung des Umsatzes um mehr als zehn Prozent aufgrund des Coronavirus. Besonders von den wirtschaftlichen Folgen von Corona seien Messeveranstalter und die Tourismusbranche. Und auch die Gastronomie in der Region Heilbronn trifft das Cornovirus besonders hart.

Coronavirus: Vor allem Hotel- und Gastgewerbe betroffen

Guido Wolf, Tourismusminister von Baden-Württemberg, geht davon aus, dass auch das Hotel- und Gastgewerbe mit dem Coronavirus zu kämpfen hat: Seiner Einschätzung nach ist bei drei von vier Betrieben der Umsatz deutlich gesunken. Wolf: "Wir müssen alles dafür tun, dass aus der Corona-Krise keine Wirtschaftskrise im Tourismus wird."

Wolf schloss auch nicht aus, dass Betriebe der Tourismusbranche aufgrund des Coronavirus in Existenzgefahr geraten könnten. Vor allem die Absagen von Messen, Tagungen, Firmenveranstaltungen und Geschäftsreisen führten zu einer enormen Zahl von Stornierungen. Doch auch darüber hinaus wirkt sich das Coronavirus deutlich auf den Alltag in Heilbronn und der Region aus.

Coronavirus: Maßnahmen als Stütze der Wirtschaft

"Es ist dringend geboten, dass die Bundesregierung nun schnell konkrete Maßnahmen zur Stützung dieser unverschuldet in Not geratenen Unternehmen vorlegt", sagt DIHK-Präsident Eric Schweitzer angesichts der Situation rund um das Coronavirus. "Es handelt sich hier nicht nur um die Probleme einzelner Betriebe, sondern um eine extreme Herausforderung für unsere Gesamtwirtschaft."

Der DIHK und die Industrie- und Handelskammern haben dazu Vorschläge für die Situation rund um das Coronavirus entwickelt. "Statt beispielsweise jetzt die üblichen Antragsverfahren durchzuziehen, könnten Bund und Länder pauschal allen Betrieben die Ertrag- und Umsatzsteuern zinsfrei für die kommenden Monate stunden. Es gibt da im Detail noch viel zu tun – und wir müssen es schnell tun."

Schweitzer: "Die Unternehmensangaben zeigen, wie stark die Corona-Krise die Wirtschaft in der Breiteverunsichert: Vom global tätigen Konzern über den familiengeführten Mittelstand bis hin zum Kleinstunternehmer erleben derzeit viele Betriebe Herausforderungen, wie sie bislang im Geschäftsleben noch nie zu Tage getreten sind." Es stehen wohl schwierige Monate bevor.

Handwerkskammer Heilbronn-Franken zu den Folgen des Coronavirus

Auf Nachfrage von echo24.de erklärt Ralf Schnörr, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, zum Thema Coronavirus: "Zum jetzigen Zeitpunkt ist es noch zu früh, Prognosen über gesamtwirtschaftliche Auswirkungen zu geben. Viel hängt davon ab, wie lange die Epidemie anhält. In einzelnen Bereichen sind Folgen aber bereits spürbar. Aufgrund des Coronavirus kann es bei einigen Handwerksbetrieben möglicherweise zu Lieferengpässen oder anderweitigen Ausfällen kommen. Unter Umständen können Aufträge nicht (rechtzeitig) erfüllt werden. Auch wenn Mitarbeiter oder Kunden - zum Beispiel bei Friseuren - zu Hause bleiben, kann es zu Umsatzeinbußen kommen."

Die Auftragslage im Handwerk sei nach wie vor gut. "Allerdings gibt es bereits auch vereinzelt Kurzarbeit, zum Beispiel im Bereich Feinwerkmechanik. Wirtschaftlich gefährdet sind jetzt vor allem Betriebe mit enger Industrieanbindung." Allerdings gibt es Instrumente, um die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus zu begrenzen. "Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat ausdrücklich klargestellt, dass bei Auftragsengpässen durch das Coronavirus die Beantragung von Kurzarbeitergeld grundsätzlich möglich ist. Sollte sich die Lage verschärfen, will die Bundesregierung schnell und passgenau reagieren."

Wird aus Coronakrise eine Wirtschaftskrise?

Könnte das Coronavirus heftige, langfristige Auswirkung auf die globale Wirtschaft haben? Schnörr: "Die Aussichten für die Weltwirtschaft hatten sich bereits vor der Coronakrise eingetrübt. In diesen Abschwung hinein wurden die Auswirkungen des Coronavirus auf die Lieferketten und die Produktion zunächst von vielen unterschätzt. Gepaart mit den Turbulenzen auf dem Ölmarkt sehen viele schon wieder Zustände wie bei der Bankenkrise 2008. Doch so weit ist es noch nicht. Die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft können durch besonnene und richtige Entscheidungen, zum Beispiel mit einem Konjunkturprogramm, mehr Stabilität in die Wirtschaft bringen."

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