Unternehmen in der Coronavirus-Zeit

Angst vor Corona-Pleitewelle: Kommt neue Milliardenhilfe für die Wirtschaft?

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Kretschmann plant ein neues Coronavirus-Hilfspaket für Unternehmen in Baden-Württemberg. Steht jetzt die Kaufprämie für Autos an?

  • Die Unternehmen in Baden-Württemberg leiden unter den teils katastrophalen Folgen der Coronavirus-Pandemie.
  • Ministerpräsident Winfried Kretschmann plant nach der Soforthilfe-Maßnahme ein milliardenschweres Coronavirus-Hilfspaket.
  • Kommen jetzt doch noch die hoch umstrittenen Kaufprämien für die baden-württembergische Automobilindustrie?  

Coronavirus in Baden-Württemberg: Neues Hilfspaket für Unternehmen und Wirtschaft? 

Soviel ist sicher: Die folgenschwere Coronavirus-Pandemie in Baden-Württemberg trifft die Unternehmen im Südwesten hart. Und fast alle sind in irgendeiner Form betroffen - vom Solo-Selbstständigen bis zum Dax-Konzern. An dieser Stelle sind die Fahrschulen mit Existenzsorgen und die aktuell verlängerte Kurzarbeit im Audi-Konzern nur zwei der markantesten Beispiele. Zwar gibt es in Baden-Württemberg ein Soforthilfe-Programm für Solo-Selbstständige und Kleinunternehmen, das beinhaltet allerdings nur eine Einmal-Zahlung - beziehungsweise Kredithilfen - für kleine bis mittelständige Unternehmen - eine längerfristige Wiederaufbau-Hilfe ist es nicht.

Nicht verwunderlich also, dass der baden-württembergische Ministerpräsident, Winfried Kretschmann, ein neues Coronavirus-Hilfspaket auf die Beine stellen will. Das geht aus einem Brief Kretschmanns an seine Kabinettsmitglieder hervor. In diesem Schreiben ist von Wirtschaftsbereichen die Rede, die durch die Krise besonders betroffen sind. Zitat: "Vor diesem Hintergrund sehe ich die dringende Notwendigkeit eines stringenten und wirkungsvollen Pakets für Baden-Württemberg, um in einer zweiten Phase weiter schnelle und zielgerichtete Hilfestellung geben zu können." Eckpunkte dazu sollen am 19. Mai beschlossen werden. Aber ein paar Fakten sickern schon jetzt durch.

Coronavirus-Hilfspaket für Baden-Württemberg: Daraus sollen die Milliarden finanziert werden

Finanziert werden soll das 6,2 Milliarden Euro schwere Coronavirus-Hilfspaket aus Geldern, die dem Land zur Verfügung stehen. 1,2 Milliarden Euro kommen dabei aus der Rücklage für Haushaltsrisiken. Die verbleibenden fünf Milliarden Euro kann Baden-Württemberg in Form neuer Kredite aufbringen. Dieses neue Hilfspaket soll - nach der Soforthilfe - die zweite Phase der Krisenbekämpfung sein. Neu ist, dass dieses Mal alle Ressorts der Landesregierung ihre Maßnahmen bündeln sollen. Konkret bedeutet das: Alle Ministerien haben bis zum Mittwoch Zeit, ihre Pläne für weitere Hilfsmaßnahmen vorzulegen. Alleingänge sollen vermieden werden.

Die baden-württembergische Wirtschaftsministerin, Nicole Hoffmeister-Kraut, setzt sich im neuen Coronavirus-Hilfspaket für Investitionen in die Digitalisierung ein.

Nicole Hoffmeister-Kraut, Wirtschaftsministerin von Baden-Württemberg, erklärt dazu: "Dass der Ministerpräsident sich für diese Planungen interessiert, ist erfreulich, und gerne werden wir über die bisherigen Informationen im Ministerrat hinaus unsere Überlegungen auch noch schriftlich an das Staatsministerium herantragen." Hoffmeister-Kraut kündigt in der Stuttgarter Zeitung zudem neue Konzepte für den Bereich Digitalisierung und eine Verstärkung der Bürgschaftsprogramme der L-Bank an. Darüber hinaus "erwarten wir vom Bund weitere konkrete Hilfen", erklärt Finanzministerin Edith Sitzmann ergänzend zum neuen Coronavirus-Hilfspaket für die Wirtschaft.

Coronavirus-Hilfspaket für Baden-Württemberg: Diese Maßnahmen könnten kommen

Der IHK Stuttgart-Chef mach sich für eine Unterstützung bei der Azubi-Vergütung und für eine Kaufprämie für Autos stark. 

Fest steht zumindest: Hilfe ist unterwegs - und die brauchen viele Unternehmen in Baden-Württemberg dringend. Aktuell verfügen die meisten Mittelständler noch über Mittel aus Liquiditätshilfen oder Rücklagen. "Wenn in einigen Monaten aber der Motor nicht wieder anspringt, erleben wir hier ein massives Problem mit Insolvenzen und Arbeitslosigkeit", erklärt Johannes Schmalzl, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) der Region Stuttgart. Schmalzl macht sich besonders für eine staatliche Unterstützung bei der Vergütung von Azubis stark. Voraussetzung dafür ist, dass die Unternehmen zusichern, in der aktuellen Coronavirus-Situation keine Azubi-Stellen zu streichen.

Zudem fordert Schmalzl  das Land Baden-Württemberg auf, bei den landeseignen Immobilien auf die Hälfte der Mieten zu verzichten, wenn die gewerblichen Mieter durch die Coronavirus-Krise besonders betroffen sind. Schmalzl: "Das könnte bis zu sechs Monate möglich sein." Auch die aktuell heftig debattierte Kaufprämie in der Autoindustrie hält Schmazl für ein wichtiges Instrument im neuen Hilfspaket für die Wirtschaft. "Wenn aus den zehn Millionen Kurzarbeitern nicht zehn Millionen Arbeitslose werden sollen, brauchen wir das Instrument der Kaufprämien für Autos." Und das gerade dieser Wirtschaftszweig leidet, zeigt der Coronavirus-bedingte Gewinneinbruch bei Daimler, über den echo24.de aktuell berichtet.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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