Schwierige Zeiten für Baden-Württemberg

Baden-Württemberg: SWR-Statistik zeigt möglichen Coronavirus-Verlauf

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Das Coronavirus fordert in Baden-Württemberg immer mehr Opfer. Aber wie gefährlich ist die Pandemie, die immer mehr Tote fordert?

  • Das Coronavirus in Baden-Württemberg wird wahrscheinlich noch mehr Todesopfer fordern.
  • Pflegeheime und Kliniken in Baden-Württemberg stehen vor großen Herausforderungen.
  • Die Prognose der Experten in Deutschland sieht düster aus. 

Coronavirus in Baden-Württemberg: Die Todesfälle werden wahrscheinlich stark ansteigen

Die Zahl der Coronavirus-Infektionen in Baden-Württemberg ist erschreckend. Mehr als 14.000 Menschen haben sich bereits infiziert (Stand: 1. April), über 200 Patienten sind nachweislich an Covid-19 verstorben. Und die Zahlen sind vielleicht erst der Anfang. Grund: Virologen und Mediziner rechnen in den nächsten Wochen mit einem starken Anstieg der Todesfälle in Baden-Württemberg. Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Erst vor zwei Wochen ist die Zahl der Coronavirus-Infizierten stark angestiegen. echo24.de hatte darüber berichtet.

Und die meisten schwer erkrankten Patienten aus dieser Infektionswelle liegen jetzt verteilt auf Intensivstationen im Land. Folge: Durch die medizinische Behandlung können Schwerstkranke - die Risikogruppen sind hier aufgeführt - meist noch eine Zeit lang am Leben gehalten werden, sterben aber dann oft zu einem späteren Zeitpunkt. Zusammenfassend heißt das: Auf eine hohe Anzahl an Infizierten folgt meist eine hohe Anzahl an Todesfällen. Diese Beobachtung konnten Virologen bereits in Italien und China machen, wo das Virus sich mittlerweile großflächig ausgebreitet hat.

Coronavirus in Baden-Württemberg: BaWü hat nach Bayern die meisten Infizierten - aber warum?

Mehr als 13.000 Infizierte in Baden-Württemberg - das ist bis jetzt trauriger Höchststand (Stand 1.4.2020). Ein Grund dafür ist die Nähe zu Corona-Hotspots wie Südtirol (Italien) oder zum Elsass (Frankreich). Verstärkt wird dieser Risikofaktor von den vielen baden-württembergischen Urlaubern, die beispielsweise zum Skifahren in Südtirol waren und unwissend den Erreger mitgebracht haben. So auch ein Altenpfleger aus Bad Rappenau, der seine Altenpfleger-Kollegen und mehrere Bewohner, nach seinem Aufenthalt in Mailand infizierte. Eine Kollegin traf es besonders hart - sie landete auf der Intensivstation und lag mehrere Tage im künstlichen Koma. Nur ein Beispiel von vielen, das zeigt, wie schnell sich der Covid-19-Erreger in Baden-Württemberg so rasant verbreiten konnte.

Corona-Hotspot Altersheim: Hier verbreitet sich der Covid-19-Erreger aktuell rasend schnell. Fatal: Gerade Ältere haben oft Vorerkrankungen und ein schwächeres Immunsystem - und damit schlechtere Überlebenschancen.

Mit einer schnellen Verbreitung steigt folglich auch die Zahl der Erkrankten, die intensivmedizinisch in einer Klinik behandelt werden müssen. Zwar sind in Anbetracht der Coronavirus-Pandemie in Baden-Württemberg Maßnahmen in Kraft getreten, diese können eine Ausbreitung der Viruserkrankung aber nicht grundsätzlich verhindern, sondern lediglich verlangsamen. Denn: Menschen müssen trotz Kontaktsperre weiterhin Einkaufen, zum Arzt, in die Apotheke oder zur Arbeit. Auch die Benutzung öffentliche Verkehrsmittel kann wegen des Coronavirus nicht grundsätzlich verhindert werden.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Auffällig viele junge Corona-Infizierte in BaWü

Vermehrt junge Menschen sehen in der Coronavirus-Pandemie oft keine große Gefahr. Das zeigen beispielsweise Corona-Partys in Baden-Württemberg, bei denen sich junge Leute - trotz Kontaktsperre - in Parks oder anderen Räumlichkeiten treffen und ausgelassen feiern. Zwar ist das Risiko, dass junge Corona-Patienten einen schweren Verlauf der Viruserkrankung entwickeln, nach wie vor gering, trotzdem können sie jedoch als Überträger zu einer großen Gefahr für andere werden. Insbesondere für Ältere, chronisch Kranke und Menschen mit Vorerkrankungen ist eine Infektion mit Sars-CoV-2 lebensgefährlich.

Das zeigen vermehrt Coronavirus-Infektionen in Pflegeheimen, die für viele ältere Bewohner tödlich enden. Auch das wird - laut SWR-Berichten zum Coronavirus in Baden-Württemberg - zu einem Anstieg der Todesfälle im Land führen. Hinzu kommt, dass sich das Coronavirus in Pflegeheimen und Kliniken vergleichsweise schnell ausbreiten kann. Grund: Der Covid-19-Erreger ist hochansteckend.

Auch wenn Intensivbetten in deutschen Kliniken aufgestockt werden, kann immer nur eine begrenzte Anzahl schwerstkranker Corona-Patienten behandelt werden.

 

Laut dem Virologen Christian Drosten ist genau das ein Problem: Viele ältere Patienten erkrankten gleichzeitig an der Lungenkrankheit und sind auf intensivmedizinische Hilfe angewiesen. Das Gesundheitssystem wiederum wird überlastet, wenn zu viele Menschen auf einmal betreut werden müssen. Daher gilt: Infektionsketten nach Möglichkeit unterbrechen, um die Zahl derInfizierten möglichst konstant zu halten. Geschieht das nicht, begünstigt das wiederum eine höhere Sterberate in der Corona-Krise.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Vor allem ältere Menschen werden sterben

Insbesondere bei der Altersgruppe 80+ häufen sich die Todesfälle. Daher sind Infektionsketten gerade in Pflegeeinrichtungen und Kliniken ein großes Problem. Auch Studien aus China zeigen immer wieder, dass es vor allem die Älteren sind, die an der Sars-CoV-2-Erkrankung sterben. Häufiger Grund dafür: Vorerkrankungen

Zwar haben auch junge Patienten Vorerkrankungen - wie beispielsweise Asthma - generell sind es laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) aber vorwiegend ältere Menschen, die mit chronischen Krankheiten wie Krebs, Diabetes oder einem geschwächten Herz-Kreislauf-System vorbelastet sind.

Wie viele Menschen im Kampf gegen Covid-19 ihr Leben verlieren werden ist nach wie vor ungewiss. Das liegt zum einen an der hohen Dunkelziffer von Infizierten, aber auch an den begrenzten Coronavirus-Testkapazitäten in Baden-Württemberg, die erst jetzt langsam ausgebaut werden.

Ein Problem in der Coronavirus-Pandemie (Symbolbild): Die hohe Dunkelziffer an Infizierten.

 

Ein anderes Problem ist, dass die Gesundheitsämter im Land die Coronavirus-Infektionen gar nicht mehr auf einzelne Kontaktpersonen zurückführen können. Und das erhöht damit wiederum die Dunkelziffer. Experten kritisieren: Die Zahl der bestätigten Neuinfektionen verliert deshalb in Deutschland an Aussagekraft.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Kann die Zahl der Todesfälle noch beeinflusst werden?

Deutsche Virologen schätzen: 0,3 bis 0,7 Prozent der Coronavirus-Infizierten in Deutschland könnten sterben. Das sind aber wie gesagt nur Schätzungen, die nicht zwingend eintreten müssen. Trotzdem zeigen sie uns: dasCoronavirus ist eine ernstzunehmende Gefahr für Baden-Württemberg und die ganze restliche Welt.

Umso wichtiger ist es, die Ausbreitung derCovid-19-Infektion zumindest zu verlangsamen. Damit wäre zumindest sichergestellt, dass baden-württembergische Intensivstationen in der Coronavirus-Pandemie nicht überlastet werden. Den je besser schwer erkrankte Patienten versorgt werden können, desto niedriger bleibt die Sterberate.

Mit zusätzlichenIntensivbetten und Beatmungsgeräten können zudem mehr schwer kranke Patienten auf einmal behandelt werden. Auch in dieser Hinsicht ist eine Aufstockung der vorhanden Kapazitäten durchaus sinnvoll. Dass die derzeit vorhandenen Kapazitäten in Baden-Württemberg noch nicht voll ausgelastet sind, ist ein gutes Zeichen - doch das könnte sich ganz schnell ändern. Denn laut SWR könnten in den kommenden Wochen viele Kliniken im Land an ihre Kapazitätsgrenzen kommen.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Dunkelziffer bei den Todesfällen? Wie Aussagekräftig sind die Statistiken?

Ein weiterer Problem-Faktor in der Coronavirus-Pandemie sind die Zahlen der einzelnen Gesundheitsämter in Baden-Württemberg. Denn die müssen anhand ärztlicher Meldungen bewerten, inwiefern ein Patient tatsächlich direkt oder indirekt durch das neue Coronavirus gestorben ist. Das Problem an der Sache: Aktuell gibt es dazu aber noch keine präzisen Richtlinien.

Die Gesundheitsämter in Baden-Württemberg melden die Coronavirus-Fallzahlen an das RKI. Problem: fehlende Richtlinien und Falschmeldungen können die Zahlen verfälschen. 

Heißt: rein theoretisch könnte ein Verstorbener in die Statistik einfließen, der gar nicht direkt am Coronavirus gestorben ist. Umgekehrt wäre das natürlich genauso möglich. Denn es gibt keine genauen Richtlinien. Manche Todesfälle fließen gar nicht in die Statistik ein, beziehungsweise werden fälschlicherweise als Corona-Tote mitgerechnet. Bisher gehen Experten aber davon aus, dass das nur in Einzelfällen passiert.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Wie gefährlich ist die Pandemie? - Ein Fazit

Die Meinung vieler Experten und die aktuelle Situation zeigt: Das Schlimmste könnte uns noch bevorstehen. Aber jeder kann etwas dazu beitragen, die Coronavirus-Pandemie zumindest zu verlangsamen. Zum Beispiel, indem er die landesweite Kontaktsperre in Baden-Württemberg einhält und sich gegenüber anderen solidarisch verhält. Dazu gehört auch, von aktuell nicht notwendigen Hamsterkäufen in Baden-Württemberg abzusehen und Warnungen von Experten ernst zu nehmen. Aber das heißt leider auch: noch länger zuhause bleiben.

Das Coronavirus und seine Auswirkung auf die Gesellschaft verändern die Menschen. Viele zeigen Solidarität, aber auch Gewalt und Kummer bringt die Pandemie mit sich.

Und das führt wiederum zu anderen Problemen. Ein Beispiel: Die Zunahme häuslicher Gewalt in Heilbronn, im Zuge der Corona-Krise. Auch für psychische Belastungen in der Kontaktsperre ist die Coronavirus-Pandemie potenzieller Nährboden. Was zeigt: Die Sars-CoV-2-Pandemie ist in mehr als einer Hinsicht eine Bedrohung. Denn einerseits bedroht sie unser Leben und die Gesundheit, auf der anderen Seite aber auch unsere Gesellschaft und unser Zusammenleben. Insofern werden die kommenden Wochen für viele eine Herausforderung werden.

Rubriklistenbild: © Pixabay

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