Einkaufen am Sonntag

Corona-Krise in Baden-Württemberg: Supermärkte dürfen jetzt auch sonntags öffnen

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In baden-württembergischen Supermärkten kann ab jetzt auch sonntags eingekauft werden. Eine Neuverordnung macht's möglich.

  • Ab sofort kann in Baden-Württemberg sonntags eingekauft werden.
  • Eine Neuverordnung - im Zuge der Coronavirus-Pandemie - macht das möglich.
  • Das Problem: Viele Händler können aktuell eine sieben-Tage-Woche nicht stemmen.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Einkaufen am Sonntag ist ab sofort möglich

In Baden-Württemberg sind "die Hamster" los. Das zeigen leere Drogerie-Abteilungen und Schilder, die an die Solidarität der baden-württembergischen Hamsterkäufer appellieren. Trotzdem bleiben viele Regale leer und der normale Otto-Normalverbraucher muss teils nach Klopapier regelrecht suchen. Umso erfreulicher ist die Nachricht, dass ab sofort auch sonntags das Einkaufen möglich ist. Eine entsprechende Verordnung hat das Wirtschaftsministerium in der letzten Woche verabschiedet. Im Detail heißt das: Alle Geschäfte, welche dietägliche Versorgung gewährleisten, dürfen ab sofort auch sonntags öffnen. Das sind:

  • Lebensmittelläden 
  • Drogerien
  • Apotheken

Zudem dürfen alle Institutionen, die nicht aufgrund derCoronavirus-Pandemie in Baden-Württemberg grundsätzlich geschlossen sind, von 12 bis 18 Uhr öffnen. Das betrifft neben dem Lebensmittelhandel zum Beispiel Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste oder Getränkemärkte. 

Coronavirus in Baden-Württemberg: Einkaufen am Sonntag - das ist die Idee dahinter

Hintergrund der Neuverordnung, die Sonntagsarbeit quasi in großem Maße legalisiert, ist die Idee "Einkaufsströme zu entzerren", erklärt die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut den Stuttgarter Nachrichten zur Corona-Krise und den damit verbundenen Neuregelungen. Jene Maßnahmen sollen dazu beitragen, dass eine durchgehende Versorgung der Bevölkerung sichergestellt wird. Hofmeister-Kraut: "Je weniger Menschen gleichzeitig einkaufen gehen, desto niedriger ist die Ansteckungsgefahr." Guter Gedanke - aber lässt sich der so einfach umsetzen?

Hintergrund: Insbesondere der Einzelhandel hat schon jetzt mit derflächendeckenden Versorgung zu kämpfen. Denn seit Beginn der Coronavirus-Pandemie hat sich das Konsumverhalten vieler Bürger verändert. Für viele heißt es jetzt "hamstern" - so viel wie geht. Davon zeugen beispielsweise die vielen leeren Regale und die von Hamsterkäufen betroffenen Heilbronner Tafeln, die jetzt weniger Lebensmittel bekommen als noch vor der Corona-Krise. Und immer wieder erzählen auch Verkaufskräfte vor Ort von Masseneinkäufen und leeren Regalen, die wieder aufgefüllt werden müssen.

Und auch Lieferanten können nicht von heute auf morgen ihre Produktion hochfahren. Zumal viele Lkw gerade im Stau stehen, da viele baden-württembergische Grenzübergänge geschlossen sind, wie echo24.de berichtet. Arbeitskräftemangel, Hamsterkäufe und Lieferengpässe - das alles belastet die Produktionskette. Arbeit am Sonntag: Das würde bei vielen die Kapazitäten überlasten. Ressourcen verbrauchen, die gerade im Einzelhandel und der Logistik-Branche sowieso schon knapp sind. Ein ähnliches Problem beschert das Coronavirus Spargel- und Erdbeerbauern aus der Region, die um ihre Erntehelfer bangen. Auch hier das Problem: chronischer Arbeitskräfte-Mangel.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Einkaufen am Sonntag - theoretisch gut, praktisch unmöglich

Gegenwind kommt vor allem vom deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), der einkaufen am Sonntag für unnötig hält - egal ob Coronavirus oder nicht. Vielmehr seienflächendeckende Schutzmaßnahmen für Beschäftige, die Kundenkontakt haben, nötiger. Das betrifft beispielsweise Kassiererinnen, die oft Bargeld entgegennehmen. DGB-Landeschef Martin Kunzmann: "Der Schutz der Beschäftigten ist ein Muss. Einkaufen am Sonntag ist es nicht." Dafür gebe es an sechs Werktagen mehr als genug Zeit.

Einkaufen ja - aber nicht Sonntags.

Dieser Meinung sind auch die vielen Lebensmittelhändler, Drogerien und Apotheken in Baden-Württemberg. Grund: Viele dieser Unternehmen verzichten auf einkaufen am Sonntag. Außer dem Apotheken-Notdienst ist scheinbar niemand auf den Zug "Sonntags einkaufen" aufgesprungen. Um das zu Prüfen, hat echo24.de bei einer der größten Drogerie-Ketten Baden-Württembergs angefragt. Und dort geht man teilweise sogar einen Schritt in die andere Richtung, wie der Vorsitzender der dm-Geschäftsführung,Christoph Werner, erklärt.

So haben "dm-Märkte vereinzelt nicht geöffnet oder andere Öffnungszeiten". Dies sei vor allem der aktuellen Ausnahmesituation geschuldet, wie echo24.de erfährt. Kein Wunder also, dass eine Ausweitung von Öffnungszeiten oder Sonntagsarbeit aktuell nur geprüft wird. Werner: "Vor allem der Gesichtspunkt der Kundennachfrage und die Möglichkeiten vor Ort spielen hier eine entscheidende Rolle."  

Rubriklistenbild: © dpa/Archiv

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