Wird aus Corona-Krise eine Bildungskrise?

Schulen zu wegen Corona-Krise: Sollten schlechte Schüler freiwillig sitzen bleiben?

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Wegen des Coronavirus sind die Schulen in Baden-Württemberg geschlossen, regulärer Unterricht fällt aus. Sollen schlechte Schüler das Schuljahr freiwillig wiederholen?

  • Noch ist unklar, wie es nach den Osterferien in Baden-Württemberg für die Schüler weitergeht.
  • Kehren Schulen wegen des Coronavirus erst langsam zu gewöhnlichem Unterricht zurück?
  • Präsident des Deutschen Lehrerverbands empfiehlt schwachen Schülern, das Schuljahr freiwillig zu wiederholen.

Seit Mitte März hat das Coronavirus das Schulsystem in Baden-Württemberg lahmgelegt. Die Unterrichtsräume sind geschlossen, Unterricht findet, sofern möglich, vor allem per E-Mail, Streams und Video-Chat zu Hause statt. Noch ist vieles rund um den Fortgang des Schulbetriebs unklar. In der kommenden Woche, in den Tagen nach Ostern, möchte Susanne Eisenmann, Kultusministerin von Baden-Württemberg, präsentieren, wie es nach den Osterferien, ab dem 20. April, für die Schüler weitergeht.

Noch sind mehrere Szenarien denkbar: Eine stufenweise Rückkehr zum Unterrichtsgeschehen, bei dem etwa zunächst nur die Abschlussklassen in die Unterrichtsräume in Baden-Württemberg zurückkehren, steht ebenfalls zur Diskussion wie die Möglichkeit, dass die Schulen eventuell erst im Sommer für die Schüler wieder für den Unterricht zugänglich sind. Nach aktuellem Stand sollen aber zumindest bundesweit die Abitur-Prüfungen stattfinden - trotz Coronavirus.

Coronavirus: Welche Folgen hat Unterrichtsausfall in Baden-Württemberg für Schüler?

Doch gerade die Schüler fragen sich nicht nur, wann sie wieder ihrem Schulalltag nachgehen können, sondern welche Auswirkungen das Ausnahme-Corona-Schuljahr für ihre zukünftige Schul- und Berufslaufbahn haben wird. In diesem Zusammenhang hat Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, gegenüber bild.de (Artikel hinter Bezahlschranke) eine Ansage in Richtung von vergleichsweise schlechten Schülern gemacht: der 65-Jährige empfiehlt: Schwache Schüler sollen freiwillig sitzen bleiben! 

Das Problem: Wer aus dem Heim-Unterricht nach der Coronavirus-Zeit mit noch größeren Lücken als zuvor zurückkehrt, kann diese vielleicht nie mehr aufholen. Aus der Corona-Krise wird somit für schlechte Schüler auch eine Bildungskrise! Gerade, wenn den betroffenen Schülern zu Hause die Unterstützung fehlt.

Doro Moritz von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Baden-Württemberg hält die Ansätze des Deutschen Lehrerverbands für falsch.

Laut Meidinger habe ein freiwilliges Wiederholen des Corona-Schuljahrs seitens der schlechten Schüler den Vorteil, dass dies formal nicht als Sitzenbleiben gewertet werde. Kann sich der jeweilige Schüler im Folgejahr nicht verbessern, wäre auch ein erneutes Wiederholen dann nicht ausgeschlossen. Allerdings empfiehlt Meidinger das freiwillige Sitzenbleiben nur Schülern, die schon vor der Corona-Krise gegenüber ihren Mitschülern schon deutlich im Hintertreffen lagen.

Baden-Württemberg: In Corona-Zeit brauchen schwache Schüler besondere Unterstützung

Wie deutschlandfunk.de berichtet, sei das freiwillige Sitzenbleiben der schwächsten Schüler im Corona-Schuljahr laut Doro Moritz von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW)in Baden-Württemberg genau das falsche Signal. Moritz bezeichnet den Vorschlag von Meidinger als "unfassbar". Gerade die benachteiligten und schwächeren Schüler bräuchten jetzt besondere und zusätzliche Unterstützung, um nicht abgehängt zu werden.

Rubriklistenbild: © Foto: Arne Dedert/dpa

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