Nach Appell an baden-württembergische Unternehmen

Kretschmann bittet Unternehmen um Hilfe - So reagiert eine Uniklinik 

  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
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Firmen aus Baden-Württemberg wollen in der Coronavirus-Krise Medizinprodukte für Kliniken und Arztpraxen herstellen. Auch eine Uniklinik produziert nun Schutzmasken.

  • In einem Brief bittet der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann Firmen um Hilfe bei der Beschaffung von dringend benötigten Medizinprodukten.
  • Viele Firmen aus Baden-Württemberg haben schon Hilfe signalisiert, darunter Firmen wie Bosch oder der Zulieferbetrieb Mahle. Auch Audi will helfen.
  • Erste Betriebe sind bereits in die Produktion von dringend benötigten Medizinprodukten eingestiegen oder haben Soforthilfen geleistet. 

Medizinprodukte-Mangel wegen Coronavirus: Uniklinik in Baden-Württemberg produziert Schutzmasken

Update vom 27. März, 7:45 Uhr: Für die Hamsterkäufer in Heilbronn ist Klopapier das weiße Gold, für die Kliniken in Baden-Württemberg sind es stattdessen dringend benötigte Atemschutzmasken. Ein Grund für dieLieferengpässe sind dieProduktionsstätten in China, die aufgrund der aktuellen Coronavirus-Pandemie, die nicht liefern können. Das zweite Problem sind dagegen die Testzentren in Deutschland, die aufgrund von Homeoffice und Kontaktsperren, nicht wie gewohntneue Medizinprodukte testen können. 

Die Freiburger Universitätsklinik will deshalb aktiv gegen dieMedizin-Produkte-Krise vorgehen und beginnt kurzerhand mit der Eigenproduktion von Schutzmasken. "Das diene der Sicherheit der in der Klinik Beschäftigten", teilte das Klinikum am Mittwoch mit.

Baden-Württemberg: Schutzmaskenproduktio in der Uniklinik 

Ermöglicht wird die Produktion von Schutzmasken durch ein digitales 3D-Druckverfahren, das aus sterilem Material eine Halterung hergestellt, an der eine Overhead-Folie zumEinmal-Gebrauch befestigt wird. Die schütze - nach Angaben der Uniklinik - in manchen Situationen besser vor Infektionen, als eine konventionelle Schutzbrille. 

Erstaunlich ist die Masken-Herstellung auch deshalb, weil hier ein digitales Druckverfahren zum Einsatz kommt, dass bisher nur für die Herstellung von Zahnprothesen  genutzt wird. In Zusammenarbeit mit der Berliner Charité soll das3D-Druckverfahren jetzt weiterentwickelt werden. Vorweg gute Nachrichten: Erste Tests sind positiv verlaufen, was insbesondere Arztpraxen und Kliniken in Baden-Württemberg auf bessere Zeiten hoffen lässt. 

Gute Nachrichten gibt es auch von einer Tochterfirma von Bosch! Diese entwickelte in Zusammenarbeit mit einem nordirischen Unternehmen ein Analysegerät für Corona-Schnelltests, das schon bald auf den Markt kommen soll.

Baden-Württemberg: Medizinprodukte-Mangel während Coronavirus-Krise

Update vom 26. März, 14 Uhr: Atemschutzmasken, Schutzkleidung aber auch Spritzen oder Prothesen werden in baden-württembergischen Kliniken dringend benötigt. Das Problem: Viele dieser dringend benötigten Medizinprodukte kommen aus China und sind aufgrund der anhaltenden Coronavirus-Pandemie kaum lieferbar. 

Um diesen Notstand abfedern zu können, wollen baden-württembergische Firmen mit anpacken und kurzerhand selber Medizinprodukte herstellen. Und während viele Konzerne, darunter auch Bosch und Audi, nach Möglichkeiten suchen, starten andere baden-württembergische Unternehmen bereits mit der Massenproduktion einzelner Medizinprodukte. Eigentlich ein guter Ansatz, aber es hapert noch an einer ganz anderen Stelle.

Firmen in Baden-Württemberg produzieren Medizinprodukte - Problem mit Prüfung

Hintergrund: Neue Medizinprodukte müssen in der Regel durch private oder staatliche Prüforganisationen getestet werden. Und die sind aufgrund der Coronavirus-Pandemie größtenteils lahmgelegt. Denn auch in Deutschlands größten Prüf-Instituten, wie TÜV oder Dekra, arbeiten die Mitarbeiter größtenteils im Homeoffice. 

Die Folge: Tests sind in der Praxis kaum noch möglich. Und das ist ein Problem. Denn nicht nur dieneuen Medizinprodukte, auch ein Großteil der medizintechnischen Güter in der EU müssen bis Ende Mai neu zertifiziert werden. Am Ende könnte es also nicht nur an Atemschutzmasken und Desinfektionsmitteln fehlen, sondern auch an anderen dringend benötigten Medizinprodukten, wie Spritzen, Verbandsmaterial und Co.

Medizinprodukte-Mangel in der Coronavirus-Pandemie: baden-württembergische Landesregierung reagiert

Wenn nicht bald etwas passiert, "besteht die Gefahr von Engpässen bei sehr vielen Medizinprodukten, vom Verbandsmaterial und Spritzen über Prothesen und Blutdruckmessgeräte bis hin zu Operationsrobotern", erklärt auch Yvonne Glienke, Geschäftsführerin des Medizintechnikverbands Medical Mountains, gegenüber der dpa. 

Und auch diebaden-württembergische Landesregierung hat im Hinblick auf die Corona-Krise reagiert. Ergebnis: Die Neuzertifizierung medizintechnischer Güter soll verschoben werden. Das verkündet Baden-Württembergs Europaminister Guido Wolf diesen Mittwoch. 

Ob es damit getan ist bleibt allerdings fraglich. Denn Medizinprodukte wie Atemschutzmasken, die jetzt von baden-württembergischen Unternehmen wie Trigemaim Eiltempo produziert werden, müssen trotzdem auf ihre Tauglichkeit überprüft werden. Insbesondere auch deshalb, da die Unternehmen in der Regel nicht auf die Herstellung von Medizinprodukten spezialisiert sind. Und die aktuell (Stand: 26. März) mehr als 7.000 Corona-Fälle in Baden-Württemberg zeigen: Viel Zeit bleibt nicht mehr. Denn auch Kliniken in Baden-Württemberg arbeiten jetzt schon teilweise am Ressourcen-Limit.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Auch Audi kündigt Hilfe an

Update vom 25. März, 18.28 Uhr: In Baden-Württemberg fehlt es weiterhin an Medizinprodukten. Vor allem Krankenhäuser und Arztpraxen im Land klagen über viel zu wenig Atemschutzmasken und Beatmungsgeräte. Ministerpräsident Winfried Kretschmann bat die baden-württembergischen Unternehmen deshalb in einem Brief um ihre Mithilfe. 15 Firmen im Land, darunter auch der Technologiekonzern Bosch, haben bereits ihre Unterstützung in der Beschaffung von dringendbenötigten Medizinprodukten zugesichert. 

AuchAudi, mit Werken in Neckarsulm und Ingolstadt, denkt über weitere Hilfsmaßnahmen nach, erklärt eine Sprecherin auf echo24.de-Anfrage. Diesbezüglich "sind wir in enger Abstimmung mit dem Volkswagen Konzern". Zuvor hatte Audi bereitsmedizinische Ausrüstung anKliniken und Arztpraxengespendet. Doch solche Spenden können den gigantischen Bedarf an dringend benötigten Medizinprodukten bestenfalls abfedern. Um weiterhin den Bedarf sicherzustellen, wäre eine inländische Massenproduktion notwendig. Erste Konzerne, wie der Sportbekleidungshersteller Trigema, arbeiten bereits an einer solchen Lösung.    

Coronavirus in Baden-Württemberg: Firmen produzieren jetzt Medizinprodukte

Erstmeldung vom 25. März, 12 Uhr: Die Zahl der Coronavirus-Infizierten in Baden-Württemberg steigt täglich. Und damit verbunden natürlich auch der Bedarf an Isolierstationen sowie nach passender Schutzausrüstung - das ist ein Problem. Hintergrund: Viele Medizinprodukte, wie Atemschutzmasken und Desinfektionsmitteln, kommen aus China und sind aufgrund der dortigen Corona-Krise vorerst nicht lieferbar. 

Derweil kommen Kliniken und Arztpraxen in Teufels Küche, wenn Sieinfizierte Corona-Patienten ohne die passende Schutzausrüstung behandeln müssen. Die Folge: Immer mehr Arztpraxen machen dicht und behandeln Patienten nur noch in dringenden Fällen. Kliniken können derweil nur noch auf einen begrenzten Vorrat zurückgreifen, der langsam aber sicher auch zur Neige geht.

Ministerpräsident sucht wegen des Mangels an Medizinprodukten Hilfe in der Wirtschaft.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Kretschmann bittet Firmen um Hilfe

In einem Brief bittet Ministerpräsident Winfried Kretschmann deshalb die baden-württembergischen Firmen bei der Beschaffung von Medizinprodukte für Kliniken und Arztpraxen zu helfen. Und schon jetzt trifft Kretschmann damit auf große Resonanz. Grund: Viele Unternehmen sind dem Aufruf des Ministerpräsidenten gefolgt und wollen dringend benötigte Medizinprodukte beschaffen oder selber herstellen. Denn Baden-Württemberg ist das mit am meisten vom Coronavirus betroffene Bundesland.

Kretschmann: "Es ist großartig, wie viele Unternehmen sich schon jetzt auf mein Schreiben von Montag gemeldet haben." Konkret geht es um 15 Firmen aus Baden-Württemberg, die Komponenten für neue Beatmungsgeräte liefern wollen. Dazu gehören neben Automobilfirmen auch Zulieferer und Firmen aus dem Maschinenbau.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Bosch und Co. sagen Hilfe zu 

Auch derZulieferer Mahle aus Stuttgart will laut einem Sprecher "einen Beitrag leisten". Zudem prüfe man, inwieweit Filtrationstechnologien (neuartige Filtersysteme) im medizinischen Bereich verwendet werden können. "Außerdem verfügen wir über möglicherweise hilfreiche Fertigungskapazitäten wie beispielsweise 3-D-Drucker", erklärt das Unternehmen der Stuttgarter Zeitung zur zugesagten Hilfe in der Coronavirus-Krise. Bei der Beschaffung von dringend benötigten Komponenten wolle man auf jeden Fall helfen.

Auch bei Bosch tüftelt man an Ideen, um bei der Beschaffung von Medizinprodukten zu helfen.

Und auch derTechnologiekonzern Bosch prüft, wie das Unternehmen in der Coronavirus-Pandemie mit eigenen Produkten zu einer Lösung beitragen kann. Eine Sprecherin erklärt auf Anfrage der Stuttgarter Zeitung: "Erste Ideen und auch Initiativen von Mitarbeitern werden auf Machbarkeit und vor allemrasche Umsetzbarkeit bewertet." Heißt: Auch bei Bosch arbeitet man mit Hochdruck an einer Lösung, um bei der Beschaffung von dringend benötigten Medizinprodukten zu helfen.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Daimler und BMW stellen Medizinprodukte als Akut-Lösung bereit

Andere Firmen sind schon einen Schritt weiter und wollen den akuten Mangel an medizinischen Produkten durch Spenden zumindest etwas abfedern. Ein Beispiel aus Baden-Württemberg: Die beiden UnternehmenBMW und Daimler, die mehr als 200.000 Atemschutzmasken spenden, die an Kliniken und Arztpraxen im Land verteilt werden sollen. echo24 hatte im Vorfeld darüber berichtet. 

Das Problem an dieser Sache: Solche akuten Maßnahmen sind keine dauerhaften Lösungen, da auch 200.000 Atemschutzmasken auf Dauer nicht reichen werden. Eigenproduktionen, wie sie jetzt bei vielen Unternehmen geprüft werden, können daher ein richtiger Ansatz sein.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Kleider-Hersteller näht Atemschutzmasken

Ein Ansatz, den auch der burladinger Sportbekleidungshersteller Trigema verfolgt und mit der Eigenproduktion von Atemschutzmasken beginnt. Erste Masken sind bereits in Kliniken getestet worden, jetzt gibt es grünes Licht für die Massenproduktion in der Firma, die eigentlich auf T-Shirts und Sportbekleidung spezialisiert ist. 

Aktuell beträgt die Wochenkapazität rund 100.000 Masken. Dafür "arbeiten wir auch samstags", erklärt Trigema-Chef Wolfgang Grupp, der mit seinem baden-württembergischen Unternehmen in derCorona-Krise herbe Absatzverluste hinnehmen muss.

Grupp: "Wenn ich von heute auf morgen 50 Prozent verliere, bin ich nicht undankbar, wenn wir etwas anderes machen können." Ein Problem gibt es aber: Die Trigema-Atemschutzmasken erfüllen nicht die Schutzklassen FFP2 oder FFP3 und sind für die Behandlung akuter Corona-Fälle womöglich nicht geeignet. Dafür sind die Stoff-Masken aber wasch- und kochfest und können mehrfach verwendet werden. 

Coronavirus in Baden-Württemberg: Maschinenbauverband bittet Mitglieder um Hilfe 

Auch vom baden-württembergischen Maschinenbauverband (VDMA) wird Hilfe bei der Beschaffung von medizinischem Material signalisiert. In einem Brief bittetVDMA-Chef, Dietrich Birk, die 800 Mitgliedsunternehmen um Hilfe bei der Produktion und Beschaffung von Medizinprodukten

Zugleich appelliert er aber an Kretschmann, "sich unbedingt gegen eine mögliche allgemein angeordnete Schließung der Industrieproduktion einzusetzen." Hintergrund: Auch ohne das Coronavirus ist der Verband von einem Produktions-Minus von fünf Prozent ausgegangen. 

Coronavirus in Baden-Württemberg: Firmen bangen um Existenz 

Birk: "Angesichts der Coronavirus-Pandemie ist der weitere Geschäftsverlauf der Branche nicht mehr abzusehen." Und auch viele andere große und kleine Unternehmen in Baden-Württemberg kämpfen mit der Coronavirus-Pandemie, die teilweise sogar die Existenz bedeuten kann. Insbesondere den kleinen Unternehmen brechen die Einnahmen weg, was jetzt ein Soforthilfe-Programm der Landesregierung zumindest abfedern soll. Ein Sprichwort scheint hier ganz gut zu passen: Eine Hand wäscht die andere. 

Rubriklistenbild: © Barbara Gindl/dpa

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