51 Prozent halten das Hochfahren für zu rasch

Gehen die Corona-Lockerungen zu schnell? Umfrage-Ergebnis überrascht

  • Daniel Hagmann
    vonDaniel Hagmann
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Seit zwei Wochen lockert die Regierung die Maßnahmen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg. Laut einer Umfrage geht die Rückkehr zur Normalität jedem Zweiten zu schnell.

  • Seit zwei Wochen werden die Coronavirus-Maßnahmen in Baden-Württemberg schrittweise gelockert.
  • Entwicklung der Reproduktionszahl R ist erfreulich.
  • Mehr als die Hälfte der Menschen in Baden-Württemberg hält Lockerungen für zu voreilig.

Der Lockdown, der wegen des Coronavirus Baden-Württemberg über mehrere Wochen fast komplett lahmgelegt hat, weicht immer mehr auf. Schritt für Schritt werden in diesen Tagen die strengen Corona-Regeln gelockert: Seit der vergangenen Woche etwa dürfen im Einzelhandel in Baden-Württemberg auch Geschäfte öffnen, die mehr als 800 Quadratmeter Verkaufsfläche besitzen. 

Coronavirus in Baden-Württemberg: Gehen die Lockerungen zu schnell?

Seit diesem Montag startet nach sieben Wochen auch der Schulbetrieb in Baden-Württemberg wieder - zumindest in eingeschränkter Form. Zudem sind infolge der Lockerungen der Corona-Ordnung seit diesem Montag unter anderem auch wieder Friseurbetriebe und Fußpflegestudios geöffnet, wenn auch unter strengen Hygiene-Auflagen. Auch Bildungseinrichtungen im Bereich der beruflichen Bildung dürfen nun schrittweise ihren Betrieb wieder aufnehmen.

Die wissenschaftliche Basis dieser zunehmenden Coronavirus-Lockerungen: Die Zahlen rund um Covid-19 im Südwesten machen Hoffnung! In Baden-Württemberg gibt es derzeit mehr genesene als mit dem Sars-CoV-2-Virus infizierte Menschen. Zudem liegt die vom Robert-Koch-Institut (RKI) ermittelte Reproduktionszahl R derzeit bei 0,68 - ein weit besserer Wert als noch vor wenigen Wochen!

Coronavirus in Baden-Württemberg: Führen Lockerungen zu Rückfall?

Wie es scheint, hatten die beginnenden Lockerungen der Coronavirus-Regeln vor zwei Wochen, als erste Geschäfte in den Innenstädten in Baden-Württemberg öffnen durften, nicht zu einem Anstieg der Covid-19-Erkrankungen geführt. Dennoch: Die erfreuliche Entwicklung ist nur mit Vorsicht zu genießen.

Seit diesem Montag dürfen Friseurgeschäfte in Baden-Württemberg wieder öffnen. Allerdings nur unter strengen Hygiene-Vorschriften.

Schließlich dauert die Inkubationszeit beim Coronavirus fünf bis sechs Tage. Erst dann treten bei Erkrankten die ersten Covid-19-Symptome auf. Bis zur Feststellung des Coronavirus und der Erfassung der Daten durch das RKI können daher schon mal gut zwei Wochen vergehen. Laut Stuttgarter Zeitung sind aktuell 57 Prozent der Intensivbetten in Baden-Württemberg belegt. Ob die langsame Rückkehr in Richtung Normalität also nicht zu einem Rückfall geführt hat, werden erst die Zahlen in den kommenden Tagen zeigen.

Und auch viele Bürger sind gegenüber der fortgeführten Coronavirus-Lockerungen skeptisch: Wie die Stuttgarter Nachrichten vermelden, gehen die langsamen Aufhebungen der Covid-19-Maßnahmen rund der Hälfte aller Bürger in Deutschland zu schnell. Das gehe aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov hervor. 

49 Prozent der befragten Bundesbürger halten das Rückfahren des Lockdowns für zu rasch. Lediglich 15 Prozent der Bürger sind der Meinung, die Regierung sollte die vorgenommenen Corona-Lockerungen noch viel rascher vorantreiben. 28 Prozent der Menschen halten das Tempo der schrittweisen Rückkehr zur Normalität für angemessen.

Coronavirus in Baden-Württemberg: 51 Prozent der Bürger halten Lockerungen für übereilt

Besonders kritisch sind die Bürger in Baden-Württemberg: Hier geht das langsame Hochfahren der Wirtschaft angesichts der Coronavirus-Verbreitung 51 Prozent der Menschen zu schnell. Nach wie vor sind weiterhin Kulturveranstaltungen verboten sowie Hotels und Gaststätten geschlossen. Auch das Kontaktverbot bleibt aufrechterhalten. Mit dem Coronavirus-Krisenmanagement der Bundesregierung sind zudem 65 Prozent der befragten Bundesbürger zufrieden.

Rubriklistenbild: © Christoph Schmidt/dpa

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