Streit um Maskenpflicht

Maskenpflicht im Unterricht: Regierung attackiert Landesgesundheitsamt - „hochgradig unseriös“

  • Lisa Schönhaar
    vonLisa Schönhaar
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Trotz Coronavirus in Baden-Württemberg müssen Schüler im Unterricht bislang keine Maske tragen. Das Landesgesundheitsamt sprach nun aber eine Empfehlung dafür aus - das stößt auf heftige Kritik.

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg* (BW24* berichtete) legte das Leben in nahezu allen Bereichen lahm und führte zu weitreichenden Einschränkungen sowie zu etlichen Verboten und Maßnahmen zum Infektionsschutz vor dem Coronavirus*.

Da sich das Coronavirus in Baden-Württemberg* mit Beginn des Frühsommers auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau ausbreitete, beschloss die Landesregierung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann* bereits mehrfach Lockerungen für den Alltag und die Freizeit der Bürger - darunter auch das Ende der Schulschließungen in Baden-Württemberg*.

Damit sich möglichst wenige Menschen mit der durch das Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 anstecken, gelten trotz der vielen Lockerungen nach wie vor Kontaktbeschränkungen und Hygieneauflagen - dazu gehört beispielsweise die Ende April von der Landesregierung eingeführte Maskenpflicht zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg*. Auch die Schulen im Land sind zur Einhaltung der Corona-Auflagen angehalten, um Covid-19 nicht weiter zu verbreiten.

Die Verpflichtung zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung gilt ab der fünften Klasse und an den weiterführenden Schulen auf sogenannten Begegnungsflächen wie Toiletten und Schulfluren - nicht aber im Unterricht. Um diese Regelung ist nun am ersten Schultag nach den Sommerferien ein Streit entbrannt.

Coronavirus in Baden-Württemberg verbreitet sich weiter - Landesgesundheitsamt empfiehlt Masken im Unterricht

Das Landesgesundheitsamt hat sich zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg* am vergangenen Montag dafür ausgesprochen, die Maskenpflicht auch auf die Klassenzimmer auszuweiten. Grundlage für die Empfehlung sei eine Studie zu Infektionen in Schulen und Kindergärten. In der Studie baden-württembergischer Forscher, darunter Stefan Brockmann, Referatsleiter am Landesgesundheitsamt, wird empfohlen, Schüler und Lehrer sollten auch während des Unterrichts eine Maske tragen. Das Kultusministerium von Susanne Eisenmann bezeichnete dies als „hochgradig unseriös“.

In der Kurzstudie geht es um Übertragungsraten des Coronavirus in Baden-Württemberg bei Schul- und Kitabesuchen im Zeitraum zwischen Mai und den Sommerferien. Die Forscher schreiben, dass in den Einrichtungen, in denen damals ein eingeschränkter Regelbetrieb mit Abstandsgebot stattfand, nur wenige Übertragungen des Coronavirus nachgewiesen wurden. Um die Rate auch nach der Rückkehr zum Regelbetrieb ohne die Einhaltung eines Mindestabstands gering zu halten, empfehlen die Forscher unter anderem das Tragen von Masken während des Unterrichts.

Die Landesregierung behält sich vor, die Maskenpflicht auf den Unterricht auszuweiten, wenn die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg wieder stärker zunimmt. Die aktuelle Regelung, dass nur auf Begegnungsflächen eine Maske getragen werden muss, sei eng mit dem Landesgesundheitsamt abgestimmt worden, heißt es in einer Stellungnahme des Kultusministeriums, die dem SWR vorliegt.

Nachdem der SWR über die Masken-Empfehlung des Landesgesundheitsamts berichtet hatte, äußerte sich Kultusministerin Susanne Eisenmann deshalb verärgert. „Dass das Landesgesundheitsamt nun ausgerechnet am ersten Schultag über die Medien bereits lange vereinbarte Regeln in Frage stellt, ist hochgradig unseriös“, so Eisenmanns Sprecherin laut SWR. Das entspreche nicht einer vertrauenerweckenden Corona-Politik.

Trotz Coronavirus in Baden-Württemberg: Aktuelle Corona-Regelung an Schulen soll bestehen bleiben

„Dieses Vorgehen verunsichert die Eltern, Schulen und Lehrerinnen und Lehrer im Land massiv“, sagte die Sprecherin weiter. „Wir fordern das Sozialministerium auf, Stellung zu beziehen und mäßigend auf das Landesgesundheitsamt einzuwirken“. Die gemeinsam beschlossenen Regeln der Corona-Verordnung zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg an Schulen blieben in Kraft, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums von Manfred Lucha. Ungeachtet dessen dürften sich Wissenschaftler aber äußern.

Seit dem 1. Juli ist trotz Coronavirus nahezu alles wieder erlaubt*, darunter auch größere Veranstaltungen mit begrenzter Teilnehmerzahl und Reisen ins Ausland - wenn auch unter bestimmten Hygieneauflagen, um die Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg kontrollieren zu können.

Seitdem kam es bereits mehrfach zu Neuinfektionen, viele davon an Schulen im Land - in der Landeshauptstadt Stuttgart* waren bereits mehrere Schulen und Kitas betroffen, in einem Hochhauskomplex in Stuttgart mussten Ende Juli 400 Corona-Tests* durchgeführt werden, nachdem es zu Neuinfektionen von Kindern in zwei Familien kam. *BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe

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