Blauer Himmel statt Klopapier

Kommentar: Nur Angst und Panik? Die Corona-Krise hat auch ihr Positives

  • Daniel Hagmann
    vonDaniel Hagmann
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In Baden-Württemberg halten sich die meisten Menschen an die Coronavirus-Regeln. Die Krise hat auch ihr Positives - schließlich geht es um weit mehr als nur um Klopapier. Ein Kommentar.

  • Das Coronavirus verändert den Alltag in Baden-Württemberg.
  • Trotz aller Sorgen und Nöte hat die Corona-Krise auch positives Potenzial.
  • In Corona-Zeit geht es um mehr, als bloßes Horten von Klopapier.

War der Himmel jemals so blau wie in den vergangenen Wochen? Haben die Vögel im vergangenen Frühjahr auch so lieblich gesungen? Und wie frei plötzlich die Gedanken sind, wenn nach dem Feierabend nicht noch ein privater Termin den nächsten jagt, weil die Menschen ja außer einkaufen oder sich in der Natur bewegen wegen des Coronavirus Sars-CoV-2 sowieso nicht vor die Tür können.

Trotz aller Unsicherheit, die derzeit verständlicherweise jeden in der Coronavirus-Krise umtreibt, und trotz der enormen wirtschaftlichen und kulturellen Herausforderungen, die zweifellos jeden von uns in der Zukunft betreffen werden - schließlich sind Großveranstaltungen wegen Covid-19 bis mindestens Ende August komplett abgesagt und Firmen wie Audi in Neckarsulm haben reihenweise Kurzarbeit angemeldet: Das Herunterfahren sämtlicher Prozesse, das Durchatmen in diesen Tagen hat auch was Gutes. Jetzt wird der Blick während der Corona-Krise wieder frei für Dinge, an denen man wohl, wie sonst, achtlos vorübergegangen wäre. Schließlich hätte der Alltagslärm die Aufmerksamkeit der Menschen voll und ganz beansprucht – weit mehr, als dieser es verdient.

Menschen halten Coronavirus-Regelungen in Baden-Württemberg ein

Überhaupt: die bemerkenswerte Ruhe in den zurückliegenden Wochen. Obwohl nahezu jeder zu Hause ist, herrscht überall meist eine bemerkenswerte Stille – von lauter Musik, TV-Geräten oder Kindergeschrei ist selten was zu hören. Laut Polizei halten sich in Baden-Württemberg die meisten Menschen an die Coronavirus-Regelungen der Regierung. Ob man die Ruhe nun als gespenstisch oder wohltuend empfindet, liegt im Ohr des Lauschers.

In der entschleunigten Corona-Zeit ist endlich genug Freiraum, um das Frühlingserwachen mit allen Sinnen zu genießen.

Abläufe und Tätigkeiten, die noch vor einigen Wochen das Gewöhnlichste auf der Welt waren, wirken plötzlich wie Relikte aus vergangener Zeit. Ist es wirklich erst sechs Wochen her, dass man sich zur Kneipentour oder im Kino getroffen hat? Gerade, wenn man auf Liebgewordenes verzichten muss, merkt man, wie wertvoll das Frühere gewesen ist. Und das scheinen viele derzeit zu bemerken: Im Treppenhaus, im Park oder im Straßenverkehr begegnen sich die Menschen derzeit oft freundlicher und weniger aggressiv oder hektisch, als noch vor Kurzem. Und sobald auch jeder erkennt, dass es aktuell um viel mehr als ein paar Rollen Klopapier geht, wird auch das Einkaufen entspannter.

Coronavirus-Krise kann Menschen zum Umdenken bringen

Bei allen Sorgen und Nöten, die das Coronavirus mit sich bringt: Vielleicht sorgt die Corona-Krise langfristig für einen bewussteren Umgang der Menschen mit der Natur, ihrer Freizeit und untereinander. Und dann kommen nicht nur die Vögel zum Singen zusammen, sondern auch die Menschen häufiger an Lagerfeuern und auf Balkonen.

Rubriklistenbild: © Ralf Seidel

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