Schule und Kita für alle?

Baden-Württemberg: Schulen und Kitas sollen bis Ende Juni vollständig öffnen - doch es gibt ein Problem!

  • Julia Cuprakowa
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Ende Juni sollen die Schulen und Kitas in Baden-Württemberg wieder vollständig öffnen. Das erklärt Kultusministerin Eisenmann. Doch es gibt ein Problem - Lehrermangel!

  • Schulen und Kitas in Baden-Württemberg sollen Ende Juni wieder vollständig öffnen.
  • Kultusministerin Susanne Eisenmann stützt sich auf eine Coronavirus-Studie der Uni Heidelberg.
  • Ein Problem sind Pädagogen in Baden-Württemberg, die der Coronavirus-Risikogruppe angehören.

Coronavirus Baden-Württemberg: Personalengpass bei voller Öffnung der Grundschulen

Update vom 28. Mai:Ende Juni sollen Schulen und Kitas vollständig öffnen, teilt die Kultusministerin Susanne Eisenmann mit. Doch während der Coronavirus-Pandemie gestaltet sich die vollständige Öffnung als gar nicht so einfach. Der Lehrerverband (VBE) hat vor zu hohen Erwartungen an die geplante vollständige Öffnung der Grundschulen bis Ende Juni gewarnt. Es habe schon vor Corona einen Lehrermangel gegeben. Wenn man jetzt die Risikogruppen im Blick behalten wolle, fehle ein weiterer Anteil von Lehrern, sagte der Landeschef des Verbandes Bildung und Erziehung, Gerhard Brand, am Donnerstag in Stuttgart. "Wenn wir also von einer kompletten Öffnung sprechen, dann gehört auch zur Wahrheit, dass wir nicht komplett den Unterricht abdecken können." Brand forderte das Land auf, es jeder Schule zu überlassen, den regulären Unterricht einschränken zu können.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Kultusministerin Susanne Eisenmann hatten am Dienstag eine vollständige Öffnung der Kitas und Grundschulen bis Ende Juni angekündigt. Sie stützten sich dabei auf Zwischenergebnisse einer Studie von Unikliniken zu Kindern und dem Coronavirus. Demnach spielten Kinder bis zehn Jahren als Überträger des Virus nur eine untergeordnete Rolle.

Coronavirus Baden-Württemberg: Ende Juni sollen Schulen und Kitas vollständig öffnen

Seit Mitte März sind Schulen und Kitas in Baden-Württemberg geschlossen. Zwar ist die Notbetreuung in Kitas und der Unterricht an Schulen jüngst ausgeweitet worden, eine vollständige Öffnung in der Coronavirus-Zeit stand aber bisher nicht zur Debatte. 

Jetzt wagt Kultusministerin Susanne Eisenmann einen großen Schritt in Richtung "Normalisierung" und verkündet die vollständige Öffnung von Schulen und Kitas bis Ende Juni. Mit Trägern und Kommunen werde man jetzt zügig einen Rechtsrahmen erarbeiten, erklärt Eisenmann der Deutschen-Presse-Agentur.

Coronavirus Baden-Württemberg: Vollständige Öffnung der Schulen und Kitas bis Ende Juni

Als Grundlage für die Maßnahme dient Eisenmann eine Coronavirus-Studie der Uniklinik Heidelberg und Partnern. Das Ergebnis der Studie (Stand 27. Mai) ist: Kinder bis zehn Jahre spielen als Überträger des Coronavirus nur eine untergeordnete Rolle.

Viele Kinder leiden unter der wochenlangen Corona-Isolation. Umso erfreulicher ist die vollständige Öffnung der Schulen und Kitas Ende Juni.

Eisenmann: "Mit diesen Schritten bieten wir Familien mit kleineren Kindern eine echte Perspektive. Wir entlasten Eltern spürbar und geben vor allem den Kindern die Chance, endlich wieder in Kontakt mit Gleichaltrigen zu kommen, zu lernen und zu spielen."

Coronavirus Baden-Württemberg: Schulen und Kitas vollständig öffnen? - Das ist ein Problem

Die vollständige Öffnung von Schulen und Kitas in Baden-Württemberg stellt Kommunen und Träger wiederum vor große Herausforderungen. Grund: An vielen Schulen und Kitas im Land sind Pädagogen ohnehin schon Mangelware. Hinzu kommt, dass allein in den Kitas rund 40 Prozent der Pädagogen zur Coronavirus-Risikogruppe gehören.

Kann ein vollständiger Kita- und Schulbetrieb in der Coronavirus-Zeit überhaupt stattfinden? Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Baden-Württemberg sieht hier einen personellen Engpass und erklärt dazu auf Twitter: "Gelten dann die Abstandsregeln in Kitas nicht mehr? Kitas waren schon vor Corona unterbesetzt, jetzt fehlen zum Teil ein Drittel der Fachkräfte. Wie soll das gehen?"

Ministerin Eisenmann erklärt dazu im SWR: "Der Gesundheitsschutz unserer pädagogischen Fachkräfte ist uns nach wie vor ein sehr wichtiges Anliegen." Ziel sei deshalb, den eingesetzten Lehrkräften und Erziehern regelmäßige Corona-Tests zu ermöglichen. Aber kann das in Anbetracht begrenzter Testkapazitäten in Baden-Württemberg überhaupt gewährleistet werden? Mehr als Fraglich.

Coronavirus Baden-Württemberg: Schulen und Kitas öffnen: So geht es weiter

Sicher ist nur: Trotz personeller Engpässe will der Gemeindetag in Baden-Württemberg die vollständige Öffnung der Schulen und Kitas "zügig besprechen" und umsetzen. Dabei dürfte das Thema "Personal" genauso zur Sprache kommen, wie auch ein nötiges Hygienekonzept an Schulen und Kitas.

Eine Sprecherin des Gemeindetags erklärt: "Es ist ein gutes Signal, wenn die Studie diese Entwicklung zulässt." Jetzt müsse mit dem Kultusministerium zügig besprochen werden, wie die Öffnungen der Schulen und Kitas - in den Kommunen - in der Coronavirus-Zeit umgesetzt werden könne.

Coronavirus Baden-Württemberg: Diese Voraussetzungen müssen erfüllt sein

Gudrun Heute-Bluhm, Vorstandsmitglied des Städtetags Baden-Württemberg, ist von der Entscheidung aus Stuttgart sehr überrascht. Und die Träger vor Ort würden alles tun, die gebotene Öffnung in der Coronavirus-Zeit rasch zu ermöglichen. 

Dafür erwartet die Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg aber einen rechtlichen Rahmen von der Landesregierung. Denn nach wie vor gilt in Baden-Württemberg eine Corona-Verordnung, die große Teile des öffentlichen Lebens weiter stark einschränkt.

Ein Sprecher vom Städtetag ergänzt: "Wir bauen darauf, dass ein rechtlicher Rahmen vom Kultusministerium kurzfristig vorgeschlagen und mit uns abgestimmt wird." Zuvor berichteten die Stuttgarter Nachrichten und der SWR über die Öffnung von Schulen und Kitas in der Coronavirus-Zeit

Rubriklistenbild: © Uwe Anspach/dpa

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