Erschreckend!

Coronavirus und Lockdown bringen Gefahr: Gewalt in der Familie gegen Kinder!

  • Anna-Maureen Bremer
    vonAnna-Maureen Bremer
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Baden-Württemberg: In der Corona-Zeit gibt es immer wieder schlimme Fälle von Gewalt in Familien. Jetzt gibt es Zahlen zur Entwicklung.

  • Das Kontaktverbot aufgrund des Coronavirus stellt für Kinder in Problemfamilien eine große Gefahr dar.
  • Im Krankenhaus in Ulm bekommen Ärzte Schlimmes zu sehen. 
  • Neue Details zur Entwicklung von Gewalt gegen Kinder und Säuglinge

Coronavirus und Lockdown bringen Gefahr: Gewalt in der Familie gegen Kinder!

Update, 30. November: Die Kontaktbeschränkungen und auch der neue Lockdown-Hammer in Baden-Württemberg sollen vor dem Coronavirus schützen, bringen jedoch eine ganz andere, vielleicht noch grässlichere Gefahr mit: Häusliche Gewalt. Bereits im Sommer wurde von Gewalt gegen Kinder und Säuglinge (siehe Erstmeldung unten), aber auch Gewalt gegen Frauen und Männer in den eigenen vier Wänden berichtet. Nun gibt es wieder alarmierende Zahlen.

Wie unter anderem die "Heilbronner Stimme" berichtet, hat Gewalt in Familien gegen Kinder in den vergangenen Jahren im Südwesten deutlich zugenommen. 2019 waren demnach 1555 Kinder im Alter bis zu 14 Jahren Opfer von Gewalt in der Familie. Damit habe die Zahl im Vergleich zu 2018 um knapp 30 Prozent zugenommen. 2015 wurden 1143 Fälle gezählt.

Für viele Kinder ist die schlimmste Gefahr nicht das Coronavirus...

Immerhin: In den ersten drei Quartalen 2020 zeichnet sich in der polizeilichen Kriminalstatistik wohl ein Rückgang der erfassten Fälle ab. Das berichtet die "Heilbronner Stimme" unter Berufung auf ein Schreiben aus dem Stuttgarter Innenministerium.

Ärzte besorgt: Rohe Gewalt gegen Kinder und Säuglinge - DAS ist die Corona-Gefahr

Erstmeldung, 15. Juli: Es sind Verletzungen, die sich ein Baby gar nicht selbst zuziehen kann, die Ärzte in Alarmbereitschaft versetzen. Ein Säugling mit gebrochenen Rippen, blauen Flecken und Verbrennung an der Handinnenfläche ist nur ein trauriger Teil dessen, was in Ulm während der Ausgangsbeschränkung im Krankenhaus zu sehen ist...

Coronavirus Baden-Württemberg: Gewalt gegen Kinder steigt während Kontaktverbot

Wovon der SWR berichtet, dürfte nicht nur liebenden Eltern die Nackenhaare aufstellen: Auffallend viele Kinder, die in der Coronazeit und der Zeit des Kontaktverbots ins Uniklinikum in Ulm eingewiesen werden, weisen schwere Verletzung auf, die völlig untypisch für deren Alter und Bewegungsabläufe sind

Wie sollte ein Säugling zum Beispiel zu Verbrennungen an der Handinnenfläche kommen? Er kann sich nirgendwo hochziehen, er kann noch nichts greifen. In der Regel hält ein so kleines Baby die Hand zu einer Faust geballt. Derartige Verletzungen waren es, die die Ärzte aufhorchen ließen und dazu führten, dass das Kind noch weiter untersucht wurde. Mit furchtbarem Ergebnis: "Dieses Kind hatte einen Bruch des Oberarms, mehrere Rippenbrüche und multiple blaue Flecken im Gesicht, im Halsbereich und hinter den Ohren. So etwas ist für uns immer hochgradig auffällig", erklärt  Chirurgin Melanie Kapapa.

Ärztinnen, Kinderkrankenschwestern und Psychologen der Kinderschutzgruppe wissen, dass diese Verletzungen durch Gewalteinwirkungen entstanden sein können. Die interdisziplinäre Gruppe in der Klinik berät sich bei verdächtigen Fällen. Bei vielen Knochenbrüchen und Auffälligkeiten gab es jüngst Sonderbesprechungen. 

Seit 14 Jahren ist Kapapa im Kinderschutz tätig, aber eine solche Anhäufung von Fällen, bei Welchen kleine Kinder schwere Verletzungen aufweisen, sei ungewöhnlich. Auch kleine Krankenhäuser machten ähnliche Beobachtungen, berichtet Kapapa. Zunächst hieß es, das Coronavirus sei für Kinder meist nicht gefährlich, dann zeigten einige merkwürdige Symptome. Nun scheint es, dass die größte Gefahr nicht vom Virus ausgeht. Schon vor Wochen war bekannt, dass die Kontaktsperre Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen auf die Straße zwingt, weil sie es zu Hause nicht aushalten können. Der Kinderschutzbund schlug Alarm

Coronavirus in Baden-Württemberg: Kinder in Panik wegen häuslicher Gewalt 

Das Uniklinikum Ulm hat ein Hilfstelefon eingerichtet, welches in der Zeit der Ausgangsbeschränkung rege genutzt wurde. Überforderte Eltern meldeten sich, aber auch aufmerksame Nachbarn. Kinder selbst griffen auch zum Telefon, zum Beispiel, wenn sich Eltern zu Hause massiv stritten. Leiterin Bettina Müller: "Kinder haben uns angerufen, wenn sich die Eltern massiv gestritten haben. Da hatten wir das Gefühl, die Kinder hattenrichtig Panik, dass Mama oder Papa etwas passiert."

Nachdem nun Schulen und Kindergärten wieder geöffnet sind, melden sich auch viele Pädagogen beim Kinderschutzbund, weil ihnen Verletzungen an Kindern auffallen.

Weil während der Schließungen auch Kinderärzte, Logopäden und Psychotherapeuten weniger Kinder zu Gesicht bekamen, war die Zahl der Anrufe beim Kinderschutzbund zunächst zurückgegangen - so zumindest die naheliegende Vermutung  von Professorin Vera Clemens von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Ulm.

Der SWR berichtet: Im Fall des schwerverletzten Säuglings ermittelt nun die Polizei. Das Baby lebt in einer Pflegefamilie

Rubriklistenbild: © Symbolbild: Pixabay

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