Spekulation zur Corona-Impfpflicht

Coronavirus-Maßnahme: Was ist dran an angeblicher Impfpflicht für Deutschland?

  • schließen

Im Netzt wird über eine Coronavirus-Impfpflicht in Deutschland spekuliert. Ist eine solche Maßnahme bereits beschlossen?

  • Im Internet kursieren Videos, die von einer kommenden Impfpflicht in Deutschland berichten.
  • Ist die Impfpflicht gegen dasCoronavirus in Deutschland beschlossene Sache?
  • Führende Politiker und Experten sprechen sich gegen eine allgemeine Impfpflicht in Deutschland aus.

Coronavirus Baden-Württemberg: Bekommt Deutschland die Impfpflicht?

Im Netzt geht es heiß her. Das Thema: Impfpflicht in Deutschland. Aber nicht etwa gegen die Masern, sondern gegen Covid-19, die berüchtigte Lungenkrankheit, mit der allein in Baden-Württemberg mehr als 30.000 Menschen (Stand: 8. Mai) infiziert sind. Derzeit suchen Forscher nach möglichen Therapien gegen das Coronavirus, auch bereits bekannte Medikamente spielen hierbei eine wichtige Rolle. Kurz: Von einem Impfstoff kann in Deutschland noch nicht die Rede sein. Zwar laufen die Forschungen auf Hochtouren, die Entwicklung könnte aber noch Monate dauern.

Trotzdem ist schon von einer Impfpflicht die Rede. Ist diese womöglich schon beschlossene Sache? YouTube-Videos behaupten GENAU DAS - und berufen sich auf angeblich offizielle Quellen. Ist da was dran? Fakt ist: Es gibt einen Entwurf zur Reform des Infektionsschutzgesetzes, der vergangene Woche vom Bundeskabinett diskutiert wurde. Und: In einem Papier ist von einer "Impf- oder Immunitätsdokumentation" die Rede. Heißt: Ein Arzt kann einem Patienten eine Immunität gegen eine übertragbare Krankheit bescheinigen - zum Beispiel durch einen Antikörper-Test.

Kommt die Impfpflicht in Deutschland? Aktuell gibt es noch keinen Impfstoff.

Coronavirus: Immunitätsausweis statt Impfpflicht in Deutschland? Das steckt dahinter

Mit einer Impfpflicht hat das erstmal gar nichts zu tun. Vielmehr geht es um einen Nachweis, der einer Person bescheinigt, dass sie gegen eine bestimmte Krankheit - zum Beispiel Covid-19 - immun ist. Bedeutet: Die besagte Person kann prinzipiell niemanden mehr anstecken. Die Idee dahinter: Patienten mit einer solchen Bescheinigung müssen sich nicht mehr an die Einschränkungen der Coronavirus-Verordnung halten - das ist zumindest der Gedanke, der die Immunitätsausweis-Befürworter im Deutschen Bundestag antreibt.

Zusammenfassend heißt das: Ein möglicher Immunitätsausweis ist keine Impfpflicht, sondern ein Nachweis. Diese "Bescheinigung" könnten die Patienten vom Arzt bekommen, die sich nachweislich nicht mehr mit Covid-19 infizieren können. Doch selbst dieser Immunitätsausweis ist hoch umstritten. Heißt: Es ist noch nicht mal klar, ob dieser Ausweis überhaupt kommt. Denn führende Politiker und Experten, darunter SPD-Chefin Saskia Esken und der Virologe Christian Drosten, sehen einen Immunitätsausweis in Bezug auf das Coronavirus kritisch.

Coronavirus: "Es kann und es wird keine Impfpflicht in Deutschland geben"

Vor allem die Befürchtung, dass sich durch die Immunitätsausweis-bedingte Sonderregelungen eine Zwei-Klassen-Gesellschaft in Deutschland entwickelt könnte, schreckt viele Experten von der Idee ab. Auch ist noch nicht ganz klar, ob eine Immunisierung wirklich dauerhaft vor einer Coronavirus-Infektion schützt. Grund: Viren verändern sich ständig - sind quasi "anpassungsfähig". Eine Schutzimpfung ist deshalb nicht immer gleich eine Garantie dafür, dass jemand vor einer Infektionskrankheit wirklich sicher ist.

Auch deshalb ist eine Impfpflicht gegen das Coronavirus in Deutschland mehr als fraglich. Argumente, die besonders für die SPD-Fraktionsvize Bärbel Bas ausschlaggebend dafür sind, eine allgemeine Coronavirus-Impfpflicht abzulehnen. Bas: "Es kann und es wird keine Impfpflicht geben" Und auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn distanziert sich von einem möglichen Immunitätsausweis in der Coronavirus-Pandemie, der manche Bürger diskriminieren würde. Zuvor berichtete die Stuttgarter Zeitung zur Impfpflicht in Deutschland.

Coronavirus: Kultusministerin Eisenmann spricht sich für Impfpflicht in Deutschland aus

Ganz anders sieht das Susanne Eisenmann, Kultusministerin in Baden-Württemberg. Eisenmann würde eine generelle Impfpflicht in Deutschland befürwortet. echo24.de berichtet aktuell darüber. Aber genau wie Spahn hofft auch Eisenmann, dass sich die Bürger freiwillig gegen die Coronavirus-Krankheit impfen lassen. Voraussetzung ist natürlich ein Impfstoff, der flächendeckend verfügbar ist. Fazit: Eine Impfpflicht in Deutschland ist nicht beschlossen. Auch ob es die überhaupt geben wird ist fraglich.

Susanne Eisenmann, Kultusministerin in Baden-Württemberg, befürwortet eine Impfpflicht in Deutschland.

Viele führende Experten und Politiker sprechen sich strikt dagegen aus. Und auch Befürworter einer Impfpflicht in Deutschland setzen insgeheim auf die Vernunft der Bürger. Wenn es dann tatsächlich soweit ist, wird es sicherlich eine Debatte darüber geben. Doch selbst dann wird es nicht einfach. Denn ein mögliches Impfpflicht-Gesetz muss erst durch den Bundestag und anschließend durch den Bundesrat beschlossen werden. Hier dominieren neben der CDU auch die Grünen und die SPD - Parteien die eine Impfpflicht mehrheitlich ablehnen.

Auch die FDP und AfD im Deutschen Bundestag äußern an einer Coronavirus-bedingten Impfpflicht Kritik. Eine mehrheitliche Zustimmung wäre also sowohl im Bundestag als auch im Bundesrat eher unwahrscheinlich. Insofern haben die Videos auf YouTube wenig bis keinen Wahrheitsgehalt. Es gibt zwar Gruppen, die eine Impfpflicht in Deutschland befürworten würden, aber die ist noch lange nicht beschlossen. Zumal einige Politiker und Experten die Debatte von vorne herein ablehnen.

Rubriklistenbild: © Christin Klose/dpa

Das könnte Sie auch interessieren