Corona-Familien-Krise

Streit in der Corona-Quarantäne: Eltern müssen jetzt richtig reagieren

  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
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Viele Familien in Baden-Württemberg kommen in der seit Wochen andauerten Corona-Isolation nervlich an ihre Grenzen. echo24.de spricht mit einem Kinder- und Jugendpsychotherapeuten darüber und erklärt, wie Familien die jetzige Situation meistern können. 

  • Die häusliche Isolation in der Corona-Krise kann für Familien in Baden-Württemberg Segen und Fluch zugleich sein.
  • In der anhaltenden Coronavirus-Pandemie ist es wichtiger denn je, situationsbedingt richtig zu reagieren.
  • Ein Kinder- und Jugendpsychotherapeut gibt Tipps, wie das in der Praxis funktionieren kann.  

Streit in der Coronavirus-Zwangspause: "Familien müssen jetzt richtig reagieren"

Seit Wochen sind die Schulen und Kitas in Baden-Württemberg dicht, erste Lockerungen kommen vorwiegend den Abschlussklassen zugute. Und auch in den Firmen im Land könnte die Lager besser sein. Davon zeugt die anhaltende Kurzarbeit in der Coronavirus-Zeit und die Tatsache, dass viele Arbeitnehmer um ihren Job oder sogar die Existenz fürchten müssen. Hinzu kommt die Problematik, dass nahezu alle Freizeitaktivitäten wegbrechen und ganze Familie gezwungenermaßen "aufeinander sitzen" - oft eine ganz neue Herausforderung für Kinder und Eltern. Und Streit? Der lässt sich in den meisten Familien kaum vermeiden. Wichtig ist aber, dass sie dadurch nicht nachhaltig belastet wird.

Und oft sind es schon kleine Dinge, die Konflikte oder sogar psychische Belastungen innerhalb der Familie verhindern können. Denn klar ist: Insbesondere Kinder können in ihrer Entwicklung sehr sensibel auf Emotionen oder Handlungen reagieren. Umso wichtiger ist es deshalb, angemessen und vor allem richtig zu reagieren. Ein Schlüsselbegriff dafür heißt Zeit. "Zeit, seinem Kind zuzuhören und es zu verstehen. Das kann viel wichtiger als alles andere sein", erklärt Manuel Lucas, Kinder- und Jugendpsychotherapeut, im echo24.de-Interview. Wichtig - gerade bei kleinen Kindern - dabei ist, die Informationen richtig zu dosieren. Nur dann können Kinder die aktuelle Situation richtig verarbeiten und verstehen.

Streit und psychische Belastungen in der Coronavirus-Zeit: Das sind die Tipps vom Experten

Lucas: "Vermitteln Sie ihrem Kind, dass solange die Entbehrungen andauern, sie gemeinsam versuchen, das Beste daraus zu machen und sie für ihr Kind da sind. Das heißt konkret: Die Möglichkeit für Abwechslung und Ausgleich mit der Familie nutzen. Das Coronavirus-bedingte Kontaktverbot gibt zwar einen räumlichen Rahmen vor, der kann aber individuell ausgenutzt werden. Wandern, Fahrrad fahren oder das einfache Toben im Garten sind nur ein paar Beispiele, wie Familienzusammenhalt in der Corona-Isolation funktionieren kann. Lucas: "Abstands- und Hygieneregeln heißen nicht automatisch, sich und seine Kinder zuhause einzusperren."

Das "aufeinandersitzen" in der Corona-Isolation nutzen: Ein ausgedehnter Spaziergang ist nur ein Beispiel, um den Familienzusammenhalt zu stärken. 

Sollte es in der Familie aber wirklich zu massiven Problemen kommen, ist es wichtig, Hilfe zu suchen. Gerade bei Schwierigkeiten mit Kindern empfiehlt es sich, Kontakt zum Kinderarzt aufzunehmen. Grund: Kinder- und Jugendmediziner haben eine Art "Lotsenfunktion" inne und können betroffene Familien an passende Beratungsstellen in ganz Baden-Württemberg weitervermitteln. Lucas: "In familiären Notlagen können Familien sich auch direkt an das zuständige Jugendamt wenden." Dort wird Eltern vergleichsweise schnell ein Termin zur Beratung angeboten. Wichtig ist: Schnell reagieren und Konflikte keinesfalls unausgesprochen lassen.     

Rubriklistenbild: © Corinne Simon/CIRIC/KNA

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