Wegen der Corona-Krise

Brauereien stecken tief in Corona-Krise - und ergreifen ungewöhnliche Not-Maßnahmen

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Weil die Restaurants und Gastrobetriebe in Baden-Württemberg wegen dem Coronavirus geschlossen haben, müssen die Brauereien andere Abnehmer für ihr Bier finden.

  • Wegen des Coronavirus haben die Restaurants und Bars in Baden-Württemberg noch geschlossen.
  • Für die Brauereien führt das zu Problemen.
  • Diese müssen zum Teil ihr Bier vernichten.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Brauereien-Krise - Aus Bier wird Strom

So langsam kehrt in den Gastronomiebetrieben in Baden-Württemberg wieder Leben ein. Ab dem 18. Mai dürfen Restaurants mit Außen- und Innenbereichen wieder öffnen, wann Kneipen und Bars folgen ist noch unklar. 

Doch der Schaden ist jetzt schon immens und das nicht nur für die Gastrobetriebe, sondern auch für die Brauereien in Baden-Württemberg. Denn leere Lokale und Biergärten bedeuten eben auch, dass das gebraute Bier nicht getrunken wird.

Coronavirus in Baden-Württemberg: 1.500 Liter Bier für die Tonne

"Wir haben Bier vernichtet", erklärt der Brau- und Malzmeister Leopold Volk, der zusammen mit seinem Bruder und den Eltern die Wiernsheimer Brauerei Adler-Bräu betreibt, gegenüber den Stuttgarter Nachrichten. Ganze 1.500 Liter Bier musste Volk vernichten. 

1.500 Liter Fassbier musste Volk vernichten.

Diese ließ er in die Biogasanlage in Mühlacker kippen, dadurch konnte aus dem Bier immerhin noch umweltfreundlicher Strom gewonnen werden. Da das Bier so für den Verzehr unbrauchbar wurde, erhielt die Familienbrauerei zumindest die Biersteuer zurück.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Schnapsbrenner macht Desinfektionsmittel aus Bier

Vernichtet wurde dabeiausschließlich Fassbier, dass die Adler-Brauerei aus Kulanz von den Gastro Partnern zurückgenommen hatte. Denn das  Bier für später zu lagern ist nicht möglich wie Volk betont: "Unser Fassbier ist ein absolutes Frischeprodukt, weder filtriert noch pasteurisiert!" Daher sei es nur wenige Wochen haltbar. 

Da wegen des Coronavirus auch Partys verboten sind, war auch verschenken keine Option, da Privathaushalte, ein 50-Liter-Fass nicht rasch genug leeren könnten. Ein Problem mit dem die Adler-Brauerei nicht alleine ist. Die Zwiefalter Klosterbräu hat ihr abgelaufenes Fassbier umgewidmet und einem Schnapsbrenner überlassen, derdaraus Desinfektionsmittel herstellt. 

Coronavirus in Baden-Württemberg: Gastronomie macht Großteil des Umsatzes aus

Laut dem Baden-Württembergischem Brauerbund haben einige der 210 zumeist mittelständischen Brauereien vor der Krise fast 70 Prozent ihres Umsatzes über das Gastronomie-Geschäft gemacht, das fehlt nun aufgrund des Coronavirus. "Wie alle Brauereien verkaufen wir sehr saisonlastig", erklärt Peter Baader, Geschäftsführer von Zwiefalter Klosterbräu.

Besonders wichtig sind dabei die Monate Mai, Juni und Juli, mit zahlreichen Veranstaltungen und Festival, die in diesem Jahr wegen des Coronavirus ausfallen müssen. Doch der Umsatz ist nicht das einzige, was Baader fehlt: "Uns fehlt nicht nur der Absatz, sondern auch das Zwischenmenschliche."

Coronavirus in Baden-Württemberg: Flaschenbier verkauft sich gut, aber nicht überall...

Von den Absagen wegen des Coronavirus sind auch das Stuttgarter Frühlingsfest und die Cannstatter Wasen -für die Alternativen diskutiert werden - betroffen. Doch obwohl beide nicht stattfinden können, braut die Stuttgarter-Brauerei Dineklacker-Schwaben-Bräu ihr Volksfestbier. Zwar steckt die Fassbierabfüllung durch die geschlossenen Gastrobetriebe in einer tiefen Krise, die Nachfrage nach Flaschenbier ist bei Dinkelacker-Schwaben-Bräu im Vergleich zum April des Vorjahres aber gestiegen, wie Geschäftsführer Bernhard Schwarz betont. 

Doch das ist nicht überall so, wie die Stuttgarter Zeitung berichtet. Die Hirschbrauerei Heubach hat auch im Flaschenbiergeschäft mit Umsatzeinbußen zu kämpfen und braut nur noch im Wochenrhythmus. Geschäftsführer Alexander Calitz beziffert den Umsatzrückgang auf 50 Prozent und hat auch eine Theorie, warum bei ihm auch das Flaschenbiergeschäft leidet: "Der Schwabe hat nicht diese Heimatverbundenheit wie der Allgäuer oder Oberbayer." Calitz zeigt sich auch für den Rest des Jahres wenig optimistisch: "Der typische Bierkonsum findet in engen Stammtischkneipen statt. Wer weiß, wann das wieder normal laufen kann - und ob es bis dahin die Pächter und Wirte noch gibt."

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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