Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in Stuttgart

Oster-Ausgangssperre für Pflegeheime: Sozialverbände in BaWü entsetzt

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In Baden-Württemberg wird in der Coronavirus-Pandemie über eine Ausgangssperre für Pflegeheime diskutiert. Sozialverbände protestieren.

  • Landesregierung in Baden-Württemberg verkündet Ausgangssperre für Pflegeheime an Ostern.
  • Baden-Württembergische Sozialverbände über Kritik an der Oster-Ausgangssperre.
  • Landesregierung erwartet am Donnerstag dringend benötigte Medizinprodukte aus China.

Coronavirus: Ausgangssperre für Pflegeheime - Sozialverbände protestieren

Das Coronavirus in Baden-Württemberg nimmt immer größere Ausmaße an. Davon zeugen (Stand: 8. April) die mehr als 400 Todesfälle im Land. Aktuell haben sich zudem 20.635 Baden-Württemberger mit Sars-CoV-2 infiziert - Tendenz steigend. Insbesondere Pflegeheime und Krankenhäuser gelten als Corona-Hotspots, da sich das Virus hier rasend schnell verbreiten kann.

Unlängst wird deshalb über eine Ausgangssperre für Pflegeheime diskutiert, was Sozialverbände in Baden-Württemberg verhindern wollen. Doch in gewisser Weise ist die Ausgangssperre schon in Kraft. Hintergrund: Per Rechtsverordnung untersagt das baden-württembergische Sozialministerium Pflegeheim-Bewohnern den Osterausflug mit der Familie.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann in Stuttgart.

Laut Stuttgarter Nachrichten dürfen Bewohner das Pflegeheim-Gelände nur noch für unaufschiebbare Erledigungen verlassen. Damit ist klar: Der Osterbesuch bei der Familie fällt dieses Jahr aus. Eine Katastrophe für viele ältere Menschen, die ihre Liebsten in diesem Jahr nicht an Ostern sehen dürfen.

Baden-Württemberg: Ausgangssperre ersetzt das geltende Besuchsverbot in Pflegeheimen

Dabei sind die Coronavirus-Schutzmaßnahmen in Baden-Württemberg nicht neues. Hintergrund: Auch in Kliniken gilt Besuchsverbot. Ebenso in Alten- und Pflegeheimen. Verstöße werden mit Geldstrafen zwischen 250 und 1.500 Euro geahndet. Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann erklärt bei der Verkündung der Rechtsordnung in Stuttgart: "Mir ist bewusst, wie sehr in die Freiheitsrechte der Menschen eingegriffen wird. Doch unsere oberste Priorität ist, die Zahl der Coronavirus-Infektionen zu verlangsamen."

Entschieden gegen eine Ausgangssperre in Pflegeheimen ist Uwe BährLandesseniorenratsvorsitzender in Baden-Württemberg. Sein Argument: Die Infektionsgefahr in Pflegeheimen ist größer als in der Öffentlichkeit. Bähr: "Die wenigen Bewohner, die noch selbstständig ein Pflegeheim verlassen können, sollten in ihren Freiheitsrechten nicht beschränkt werden." Und auch die evangelische Heimstiftung in Baden-Württemberg äußert Kritik und bemängelt vor allem die fehlende Schutzausrüstung in Pflegeheimen und die geringen Testkapazitäten in Baden-Württemberg.

Coronavirus: Trotz Oster-Ausgangssperre  positive Nachrichten

Doch trotz aller Kritik gibt es auch gute Nachrichten aus Stuttgart. Grund: Am Donnerstag soll ein Flugzeug aus China am Stuttgarter Flughafen landen. An Bord: mehrere Millionen Schutzmasken. Und auch beim Thema Schutzkleidung gibt es Bewegung. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn arbeitet mit Hochdruck an Produktionsstandorten in Deutschland. Spahn: "Auch Beatmungsgeräte sollen zeitnah in den Südwesten kommen."

Fazit: Nicht zu bestreiten sind die positiven Nachrichten aus der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Aber können Masken, Schutzkleidung und Beatmungsgeräte die Ausgangssperre in Pflegeheimen wettmachen? Fraglich. Auch beißt sich die Entscheidung der Landesregierung mit der Tatsache, dass Coronavirus-Infizierte im Pflegeheim arbeiten. Das zeigt ein Fall aus dem Landkreis Heilbronn, über den echo24.de berichtet. 

Rubriklistenbild: © Manu Fernandez/dpa

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