Die Wirtschaft in der Corona-Pandemie

Menschen bangen in Corona-Krise um Existenz: Kretschmann mit düsterer Prognose

  • Daniel Hagmann
    vonDaniel Hagmann
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  • Anna-Maureen Bremer
    Anna-Maureen Bremer
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  • Jason Blaschke
    Jason Blaschke
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Das Coronavirus hält Baden-Württemberg in Atem. Viele Unternehmen haben in der Krise einen neuen Arbeitsalltag, andere bangen um die Existenz. Minister Kretschmann blickt düster in die Zukunft.

  • Die Coronavirus-Pandemie stellt Unternehmen aus der Region Heilbronn vor große Herausforderungen.
  • Vor allem kleine Betriebe und Selbstständige bangen um ihre Existenz.
  • Jeder fünfte Betrieb fürchtet Insolvenz aufgrund von Sars-CoV-2

Update 12. April: Die derzeitige Coronavirus-Krise stellt viele vor eine unsichere Zukunft. Nicht nur Schüler wissen derzeit nicht, wie es für sie nach den Osterfeiern weitergehen wird. Auch die wirtschaftliche Situation ist angespannt. Viele Unternehmen haben keine Gewissheit, ob sie die wegen des Infektionsschutzgesetzes rückläufige Nachfrage finanziell überstehen werden.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann erwartet für die Zeit nach der Corona-Krise harte Verteilungskämpfe. "Machen wir uns nichts vor: Das wird eine harte Debatte geben, wer die Kosten für die Rettungspakte trägt", sagte der Grünen-Politiker der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Letztlich werde die gesamte Bevölkerung dafür bezahlen: "Die meisten Menschen werden nach der Corona-Krise erstmal ärmer sein."

Baden-Württemberg zum Beispiel spanne für fünf Milliarden Euro einen Schutzschirm, der Betrag sei binnen zehn Jahren zu tilgen. "Das heißt: Eine halbe Milliarde im Jahr muss im Haushalt anderswo eingespart werden. Das Geld fällt ja nicht vom Himmel." Noch ist unklar, wann die Regierung die Coronavirus-Regelungen lockern wird. Experten der Leopoldina haben hierzu ein Exit-Strategiepapier mit Empfehlungen erarbeitet.

Coronavirus und Wirtschaft: Deutlicher Umsatzrückgang bei Unternehmen

Update 31. März: Auch wenn sich viele Betriebe in Heilbronn und der Region mit aller Kraft gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise wehren und etwa Lieferservices und Onlineshops einrichten - die Auswirkungen des Coronavirus auf geschäftlicher Ebene wird viele Unternehmen hart treffen. Wie eine bundesweite Blitzumfrage des Deutschen Industrie und Handelskammertags (DIHK) ergeben hat, die die Industrie- und Handelskammer (IHK) Heilbronn-Franken nun veröffentlicht, fürchtet jedes fünfte Unternehmen die Insolvenz infolge von Sars-CoV-2. Mehr als 80 Prozent der bundesweit 15.000 befragten Betriebe rechnen zudem im Jahr 2020 mit einem deutlichen Rückgang der Umsätze.

In der vorangegangenen Umfrage vor drei Wochen sah nur etwa die Hälfte der Unternehmen ähnlich Schwarz. Mehr als jeder vierte Betrieb rechnet aktuell sogar mit Umsatzrückgängen von mindestens 50 Prozent für das Gesamtjahr 2020. Der Hauptgrund, warum Unternehmer aufgrund des Coronavirus mit Insolvenzen rechnen: Wegen des Kontaktverbots in Baden-Württemberg und der damit verbundenen Ladenschließung, sind in manchen Branchen die Umsätze auf null eingebrochen. Und daher schwinden vor allem bei Einzelhändlern und Kleinbetrieben die liquiden Mittel. Das gefährdet die Existenz. Laut DIHK-Präsident Eric Schweitzer drohen in diesem Zusammenhang wirtschaftliche Schäden durch Covid-19 von historischem Ausmaß.

Die Befürchtung ist zudem, dass die seitens der Bundesregierung versprochenen finanziellen Mittel nicht rasch genug bei den Unternehmen ankommen, um drohende Insolvenzen aufgrund der Corona-Krise zu verhindern. Gerade jetzt, da der Monats- und Quartalswechsel ansteht. Von den angekündigten Hilfsmaßnahmen hat das Kurzarbeitergeld in der Corona-Krise (68 Prozent) die höchste Relevanz. Mehr als zwei Drittel der Unternehmen braucht laut der DIHK-Umfrage staatliche Zuschüsse, um über die Runden zu kommen.

Coronavirus in Heilbronn: 17 Prozent der Unternehmen fürchten Insolvenz

Wie die Heilbronner Stimme berichtet, sind unter den Betrieben, die sich bei der Blitzumfrage geäußert haben, auch 75 Unternehmen aus dem Raum Heilbronn. 43 Prozent der Firmen planen aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung in der Corona-Krise einen Personalabbau. Von den Unternehmen im Raum Heilbronn stellen 89 Prozent einen klaren Rückgang der Geschäfte in der Zeit von Sars-CoV-2 fest.

Im Einzugsbereich der IHK Heilbronn-Franken ist bei rund 30 Prozent der Betriebe, die sich geäußert haben, seit Beginn der Corona-Krise der Umsatz um mehr als die Hälfte eingebrochen. 51 Prozent der Firmen haben während der Ausbreitung von Covid-19 eine klar sinkende Nachfrage festgestellt. 40 Prozent haben Investitionsprojekte gestoppt, während 17 Prozent der befragten Betriebe in der Region Heilbronn-Franken von drohender Insolvenz berichten. Lediglich drei Prozent der Betriebe stellen keinerlei Effekte durch das Coronavirus auf ihre Geschäfte fest.

Coronavirus in Heilbronn: Unternehmen sind verunsichert, viele bangen um die Existenz

Erstmeldung 22. März: DasCoronavirus ist mittlerweile auch in Heilbronn angekommen. Auch ein erster Todesfall in Bad Rappenau durch Covid-19 ist mittlerweile durch das örtliche Landratsamt bestätigt. Zum Schutz der Bürger verschärft die Stadt Heilbronn ihr Coronavirus-Maßnahmen, Events und Feiern sind jetzt erstmal tabu. Bürger sind zudem aufgerufen, wenn möglich zu Hause zu bleiben. Die Folge: Viele Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter ins Homeoffice

Große Konzerne, wie Audi, melden Kurzarbeit an oder legen ihre Produktionsstätten sofort auf Eis. Andere, vor allem kleinere Betriebe und Selbstständige, stehen dagegen vor einer noch größeren Herausforderung. Homeoffice? In Berufen wie Friseur, Fitnesstrainer oder Tanzlehrer schwer umsetzbar. Heißt: Besonders im Bereich Dienstleistungen sind Unternehmen betroffen. Zwar müssen manche Betriebe, wie Friseure, nicht grundsätzlich schließen, die Kundschaft bleibt aber aus.

Coronavirus in Heilbronn: Unternehmen und Betriebe bangen in Krise um Existenz

Wie geht es jetzt weiter? Fragen wie diese, erreichen dieHandwerkskammer Heilbronn-Franken täglich. Dort wird versucht, den Betrieben so gut es geht Rede und Antwort zu stellen. "Unsere Berater sind telefonisch alle erreichbar", erklärt eine Sprecherin auf Anfrage von echo24.de. "Finanzierungsfragen und Fragen zum Arbeitsrecht sind die häufigsten Anliegen, erklärt auch die Industrie- und Handelskammer Heilbronn-Franken (IHK). Beides Knackpunkte, die für einzelne Unternehmen den Ruin bedeuten könnten. 

Mitarbeiter, Steuern oder Mieten bezahlen - aber ohne Einnahmen. Auch mit Rücklagen können die stark vom Coronavirus betroffenen Unternehmen nur eine Zeit lang überleben. Zwar soll es vonseiten der Bundes- und Landesregierung Hilfsprogramme geben, die sind allerdings noch in der Planung, was gerade kleineren Unternehmen zum Verhängnis werden könnte.

Coronavirus in Heilbronn: Unternehmen sind verunsichert, Kunden spüren die Auswirkungen

Grundsätzlich sei es nicht vermeidbar, dass Kunden Auswirkungen wahrnehmen, wenn Betriebe umstrukturieren müssen. Das Problem: Handwerksbetriebe kämpfen um die Existenz - auch schon vor der Corona-Pandemie. Jetzt könnte sich die Lage weiter verschärfen. Grund: Es ist in einer solchen Situation nicht auszuschließen, dass manche Betriebe in die Insolvenz gehen. Trotzdem appelliert die Handwerkskammer Heilbronn-Franken an die Unternehmen: "Vermeiden Sie Hysterie und bewahren Sie, wenn möglich, Ruhe."

Und auch die Industrie- und Handelskammer Heilbronn-Franken ruft zur Besonnenheit auf. Wichtig sei, dass "sich jedes Unternehmen mit den möglichen Auswirkungen der Corona-Krise auseinandersetzt", erklärt ein Sprecher auf Anfrage von echo24.de. Für Unternehmen aus Heilbronn und Region stehen sowohl bei der Handwerkskammer als auch bei der IHK Beratungs- und Unterstützungsangebote bereit. Eine zentrale Info-Hotline, unter der Telefonnummer 07131/9677-0, besteht bei der IHK auch weiterhin. In Zeiten der Corona-Krise leiten viele Betriebe Kurzarbeit ein. Was die Kurzarbeit und das Kurzarbeitergeld für die einzelnen Beschäftigten bedeutet, haben wir hier zusammengefasst.

Coronavirus in Heilbronn: Auch Lidl weiß um seine Verantwortung und krempelt den Arbeitsalltag vieler Mitarbeiter um

Natürlich reagiert auch die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, auf die Corona-Kriese. Zahlreiche Büro-Mitarbeiter arbeiten im Homeoffice. Auf echo24.de-Anfrage teilt eine Sprecherin mit: "Wir haben an den Zentralstandorten in Deutschland nicht alle Büro-Mitarbeiter ins mobile Arbeiten geschickt. Vor Ort arbeiten die Mitarbeiter weiter, die zur Aufrechterhaltung des Betriebs, der kritischen Infrastruktur und der geschäftskritischen Prozesse unbedingt erforderlich sind."

In einer Mail hat sich das Unternehmen mit Sitz in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) an seine Mitarbeiter gewandt. Darin heißt es unter anderem: "Wir versorgen Deutschland täglich mit Lebensmitteln!" Alle Mitarbeiter würden dazu beitragen, dies auch weiterhin gewährleisten zu können. Der Konzern lobt ausführlich das Engagement seiner Mitarbeiter. Das Schreiben endet mit "Zusammen schaffen wir das!"

Rubriklistenbild: © dpa/Archiv               

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